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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

17. Dezember 2017 | 07:30 Uhr

Gefährdete Art : Seltene Wespe im Bienenlook

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Vom Aussterben bedrohte Große Birkenblattwespe im Landkreis gesichtet / Geschützte Tiere und Pflanzen der Roten Liste in unserer Region

Die Große Birgenblattwespe (für Fachleute: Cimbex femoratus) gehört in Deutschland zu den besonders geschützten Insekten. Sie wurde im Landkreis Ludwigslust-Parchim gesichtet.

In der alten Roten Liste von Deutschland wurde die Art noch als gefährdet (Kategorie 3) eingestuft. Nach der neuen Roten Liste von 2011 steht die Art in der Kategorie G (Gefährdung unbekannten Außmaßes). Das betrifft Arten, die immer selten waren und deren Bestandsentwicklung nach den vorliegenden Daten nicht eingestuft werden kann. Eine moderne Blattwespenfauna für Mecklenburg-Vorpommern gibt es derzeit nicht. Daher gibt es auch keine Rote Liste der Blattwespe von Mecklenburg-Vorpommern.

Die Große Birgenblattwespe ist eine schwarze, einer kleinen 15 bis 28 mm großen Biene ähnliche Blattwespe. Sie fliegt von April bis Juni vorwiegend in dominanten Birkenbiotopen mit reichlichen Feuchtigkeitswerten. Die Art sitzt oft auf Blättern und erscheint plump. Auffällig ist der gelbe Fleck auf dem Hinterleib, der beim Männchen schwarzviolett und beim Weibchen braunrot bis gelblich schimmert.

Der Kopf ist breit mit großen Augen, während die Fühlerenden keulig verdickt sind und eine orangefarbene bis weiße Spitze haben. Die Vorderflügel haben einen dunklen Saum und sind mit einer Spannweite von 40 bis 55mm deutlich größer als die Hinterflügel. Sie kommt bis zu einer Höhe von 1000 Metern vor.

In der Literatur wird Cimbex femoratus vielfach als Art, die nicht häufig vorkommt, beschrieben. Nach Auskunft des Experten Hans-Joachim Jacobs aus Ranzin ist die Blattwespe in jedem Fall ein seltener Fund. Mit der Aufarbeitung der historischen Sammlungen wurde erst 2014 begonnen.

Der Fundort Sonnenberg im Landkreis Parchim liegt drei Kilometer südwestlich der Stadt Parchim in einer Höhe von 70 bis 116 Metern. Es handelt sich um einen Traubeneichen – Buchenwaldkomplex‚ der locker auch flächendeckend mit Birken durchwachsen ist. Auch Berg-Ahorn wurde angeflanzt, um Lücken in Buchenjungbeständen zu schliessen. Die Kraut schicht gehört zur typischen Waldvegetation. Auf den Waldwegen kommt wohl als Folge der Überdüngung verstärkt die Brennessel auch als Futterpflanze für andere Insektenraupen vor. Auf dem Blatt einer Brennessel fand ich im Mai 2013 ein Männchen der Birkenblattwespe.

Zur Lebensweise dieses seltenen lnsekts ist folgendes bekannt: Diese plumpe Blattwespe ringelt mit ihren Kiefern die Rinde junger Zweige, um deren Saft aufzulecken. Ihre Eier legt sie einzeln in Blätter der Birke. Die raupenähnlichen, grünen Larven fressen abends und nachts, reiten dabei s-förmig gekrümmt am Blattrand und ruhen tagsüber eingerollt auf den Birkenblättern. Zur Ab - wehr von Gefahr und Feinden beginnen sie aus kleinen Poren zu bluten. Sie überwintern zweimal in einem länglich eiförmigen Kokon, den sie an Zweige ankitten. Die Verpuppung erfolgt erst im folgenden Frühjahr. kurz bevor das Insekt schlüpft.

Über Cimbex femoratus liegen meines Wissens keine Literaturangaben im Landkreis Parchim vor. Sie wurde aber an drei Fundorten in Mecklenburg bei Rostock in die Datenbank registriert.


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