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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

17. Dezember 2017 | 18:53 Uhr

Lokale Wirtschaft : Seit vier Jahrzehnten unter Strom

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die Lübzer Firma Elektro-Wätke begeht am 1. Februar Geschäftsjubiläum. Seinen auf Oldtimertreffen viel bestaunten Wagen aus DDR-Zeiten hat der Gründer zum großen Teil selbst geschaffen.

von
erstellt am 27.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Die rechte Hälfte der Regionalen Schule, deren äußerer Abbruch mit einem Bagger heute beginnen soll, ist eng mit der grundlegenden Veränderung im Berufsleben von Hans-Ulrich Wätke verbunden. 1976 rief ihn die Einrichtung an und fragte, ob er nicht dazu bereit sei, die dortige Elektroanlage nach Feierabend zu reparieren – offiziell finde man niemanden. „Angesichts eines Stundenlohns von 2,91 Mark auch deshalb kein Wunder“, sagt der heute 75-Jährige. „Ich antwortete, dass man mir zur Sicherheit einen vom Bürgermeister unterschriebenen Zettel besorgen soll, den ich auch bekam.“

Mit diesem Schreiben fuhr Wätke nach Berlin, um – man höre und staune – durch ein Gespräch im zuständigen Ministerium benötigtes Baumaterial zu sichern, das es für die Maßnahme sonst kaum gegeben hätte. Der Besuch an höchster Stelle war allerdings noch mit einem Anliegen verbunden: „Der damalige Rat des Kreises hatte mich mit der Begründung nicht selbstständig werden lassen, dass man keine Elektriker brauche. Als ich in Berlin von den Schwierigkeiten der Schule berichtete, zeigte sich der Gesprächspartner überrascht wie ich.“


Im Ministerium für Überraschung gesorgt


Wätke sollte am 1. Januar 1977 mit den Arbeiten beginnen, habe dies jedoch „aus Gnatz“ auf den 1. Februar verlegt – das Datum, an dem seine von oben genehmigte Selbstständigkeit begann. Ein Grund für die Verschiebung: In Lübz war dem Handwerksmeister trotz aller Sicherheit gebenden Schritte von offizieller Seite entgegen geschlagen, er solle nicht denken, trotz des Besuches in Berlin sein eigenes Unternehmen eröffnen zu können. Es wurde gegründet – zügig.

Hans-Ulrich Wätke ist auch ein begeisterter Schrauber, der zunächst einen für seine Zwecke viel zu kleinen 500er Trabant nutzte und dann zwei schrottreife Framo-Transporter zu einem gängigen Firmenfahrzeug verwandelte. „Das war zu langsam, so dass ich aus Ersatzteilen einen Barkas zusammensetzte, dessen Zulassung man mir nicht ermöglichte und den mir die Stasi vom Hof holen wollte. Begründung: Ich hätte der Bevölkerung Ersatzteile weggenommen...“, berichtet er. „Es gelang uns wenigstens noch, das Fahrzeug nach Magdeburg verschwinden zu lassen.“

Letztlich entstand in Eigenarbeit ein einzigartiger Firmenwagen, den Wätke noch heute besitzt und der auf Oldtimertreffen regelmäßig für staunende Blicke sorgt: Der Elektromeister verlängerte den Rahmen eines 312er Wartburgs um 70 Zentimeter und setzte das angepasste Fahrerhaus des Modells 353 sowie eine selbst gebaute Pritsche darauf. Sie konnte durch eine halbrunde Haube aus zusammengeschweißten Stahlrohren ergänzt werden – nicht nur für Aufträge hilfreich. Ob Kabel aus Berlin, Schalter aus Sondershausen oder anderes aus Sachsen: „Vor der Wende bin ich notgedrungen immer wieder durch die ganze Republik gefahren, um Material und Werkzeuge zu besorgen, denn einfach zu kaufen gab es diese Dinge nicht, was selbst heute etwa 30-Jährige kaum glauben können“, sagt der Lübzer.

Am kommenden Mittwoch feiert das Unternehmen, zu dem seit 1990 auch ein damals neu eröffnetes Geschäft mit Hausgeräten am Ziegenmarkt gehört (früher gab es nur eine Werkstatt in der Fichtestraße), in kleiner Runde sein 40-jähriges Bestehen. Hans-Ulrich Wätkes Sohn Tobias hat das Geschäft 2003 übernommen. Dass es so kommt, habe für den Vater schon früh, für ihn selbst mit dem Besuch der Meisterschule 1996 festgestanden. „Aus gegenwärtiger Sicht wäre es definitiv einfacher, irgendwo als Meister angestellt zu sein“, sagt der 43-Jährige. „Damals konnte ich mich leichter zu der Übernahme entscheiden.“ Ein großes Problem sei heute die damals noch nicht existierende Internet-Konkurrenz, deren preislich scheinbar oft alles schlagende Angebote sehr oft mit einem Haken verbunden seien: „Die Leute sind oft zu gutgläubig.“

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