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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

18. November 2017 | 17:17 Uhr

natur pur : Seine Majestät der Lüfte hält Ausschau

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Zu Beginn der ornithologischen Wanderung auf der MS Condor von Hans-Jürgen Müller versteckt sich der Seeadler noch, aber gegen Ende zeigt er seine ganze Pracht

von
erstellt am 19.Aug.2014 | 22:00 Uhr

Die Bäume spiegeln sich im Wasser des Dobbertiners Sees. Der Nebel hat sich verzogen, der See liegt ruhig und spiegelblank vor einem. Perfektes Wetter für den Seeadler, die Majestät seiner Lüfte. Doch noch scheint er in weiter Ferne zu sein, denn Enten, Gänse und Schwäne schwimmen seelenruhig übers Wasser. Das würden sie nicht tun, wenn der Seeadler über ihnen kreist. Das erklärt Hans-Jürgen Müller, Kapitän der Dobbertiner MS Condor und ausgezeichneter Kenner des Dobbertiner Sees, seiner Flora und Fauna. Käpt’n Müller – wie er liebevoll genannt wird – schippert seit vielen Jahren über den See, inmitten des europäischen Vogelschutzgebietes. Regelmäßig legt er ab – nicht nur zu Hochzeiten vor malerischer Kulisse mit dem Kloster Dobbertin. Früh morgens heißt es „Leinen los!“ Dann geht’s auf eine 90-minütige ornithologische Wanderung zu Wasser mit anschließendem Spaziergang über das Klosterareal. Ein Muss für jeden Natur- und Kulturliebhaber!

Die MS Condor ist voll, zahlreiche Naturliebhaber, darunter ein Ehepaar aus Baden-Württemberg, das gern Vögel fotografiert. Mit Fernglas und Digitalkamera ausgerüstet, geht’s los. Begleitet von einigen Graugänsen schippert die MS Condor los. Strahlend blauer Himmel herrscht an diesem sonnigen Morgen. Hier und da tauchen immer wieder Haubentaucher-Familien neben dem Schiff auf.

Mit einer Flügelspannweite von knapp zwei Metern schwebt der Graureiher nahezu übers Wasser. Er spiegelt sich im Dobbertiner See wieder. Dann landet er auf einem Ast in Ufernähe. Jetzt ist der Graureiher nur noch schwer auszumachen. „Schauen Sie genau hin“, sagt Hans-Jürgen Müller. „Der Graureiher befindet sich in Lauerstellung. Irgendetwas hat er entdeckt.“ In der Ferne ruft der Kuckuck. „Wussten Sie, dass beim Kuckuck nur das Männchen ruft. Die Weibchen hören sie kläglich an“, erläutert Käpt’n Müller. Während er einige Geschichten und Wissenswertes zum See und dessen Bewohnern erzählt, zählt Irena Zarffs mit, Mitarbeiterin der Naturwacht, wie viele verschiedene Vogelarten gesehen wurden. Sie wird die ornithologische Wanderung nachher im Kloster Dobbertin zu Ende führen.

Die Wanderung ist fast beendet, die 90 Minuten sind nahezu abgelaufen. Doch plötzlich erhebt sich der König der Lüfte. „Schauen Sie nach rechts, meine Damen und Herren. Aber bleiben Sie bitte sitzen. Hier rechts nämlich befindet sich der Seeadler.“ Seine Majestät der Lüfte hat sein sicheres Versteck verlassen. Käpt’n Müller hatte schon geahnt, dass der Seeadler in der Nähe ist. Denn auf dem Dobbertiner See waren keine andere Vögel mehr zu finden. Nun kreist der Seeadler über der MS Condor. „Im Sturzflug ist er bis zu 130 Stundenkilometer schnell und aus 200 Metern Höhe kann er sein Futter sehen“, erzählt Hans-Jürgen Müller. Wenn er auch die Majestät der Lüfte genannt wird, der schnellste Flieger ist der Seeadler nicht. Auch das weiß Hans-Jürgen Müller zu erzählen. „Der Wanderfalke ist mit 280 Stundenkilometern der schnellste Jäger in der Luft. An seinem Schnabel befinden sich Nasenklappen. Diese schließt der Wanderfalke, wenn er so rasend schnell unterwegs ist, um seine Lungen zu schützen.“

Dann sind 90 Minuten vorbei, 16 Kilometer zurückgelegt und am Bootsanleger erhebt sich das Dobbertiner Kloster in seiner ganzen Pracht.

 

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