Musik : Sechs Talente drei Abende ein Zauber

<p>Flötistin Adelina wird als einzige einen Solo-Part bekommen. </p>

Flötistin Adelina wird als einzige einen Solo-Part bekommen.

8. Auflage deutsch-russischer Jugendkonzertreihe startet heute Abend in Parchimer St. Marienkirche

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10. Juni 2016, 12:03 Uhr

„Jacob, gib dem Ton noch mehr Richtung and Adelina, this accent is important!“. Den vierten Tag coacht Michael Dorner, Dozent an der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar, die sechs hochbegabten Musikschüler, die heute Abend in Parchim (18.30 Uhr St. Marien), morgen in Plau (18.30 Uhr Marienkirche) und am Sonntag in Wamckow (17 Uhr Kirche) die deutsch-russischen Jugendkonzerte bestreiten werden. Aus Weimar die einen, vom Rimsky Korsakow Konservatorium St. Petersburg die anderen. Alle Ausnahmetalente auf ihren Instrumenten.

„Bam-bam-bam-bam…“ markiert der Coach das Tempo. Noch ist er nicht zufrieden. „Adelina, Jacob ihr seid nicht ganz zusammen“, instruiert er und fordert einen neuen Einsatz. Klarinette, Flöte und Rimma auf dem Klavier folgen. Arbeiten an sich. Mit sich. Stundenlanges Üben sind sie gewohnt und auch, dass einzelne Passagen zu unsagbar schweren Hürden werden.

Sie nehmen alle. Da hat Pianist und Kammermusiklehrer Dorner, der in den vergangenen Jahren das vom Verein „Wir leben“ und der Gartow-Stiftung Hamburg für die Region ins Leben gerufene Konzert-Format zusammen mit Irina Riumina begleitet, sicher. Das Programm umfasst in diesem Jahr ausschließlich klassische Stücke – Händel, Beethoven, Clarke, Brahms, Bozza… – die meisten wahnsinnig schwer. Für sich haben die Sechs sie in den letzten Wochen intensiv geübt. Jetzt haben sie vier Tage, um sie auch im Zusammenspiel zur Perfektion zu bringen. „Normalerweise dauert das viel, viel länger. Aber die sechs sind einfach klasse, die schaffen das auch in vier Tagen“, sagt Dorner.

Während Jacob, Adelina und Rimma weiter an Saint-Saëns „Tarantella “ arbeiten, spielt Johanna im Probenraum nebenan schon mal sich und ihre Violine warm. In einer Stunde ist sie mit Caroline Zaunick, Adelina Tazieva und Regers Serenade für Violine, Bratsche und Flöte in der Aula der Lübzer Grundschule verabredet. Auch dieses Stück hat es in sich.

Durch die Bank hat jeder der jungen Musiker seine Geschichte und längst eine Liste von Preisen und Erfolgen. Johanna, die 18-jährige Hallenserin etwa, spielt seit 13 Jahren Violine, gewann den Bundeswettbewerb Jugend musiziert, der zuletzt als Solo für Streicher ausgetragen wurde, mehrfach und hat sich vor zwei Jahren als Erstplatzierte beim Violinen-Förderwettbewerb der Ostdeutschen Sparkassenstiftung ihre Geige erspielt. Kein Zufall. Aber ein Glücksfall für das begabte Mädchen. Denn je mehr die Schüler können, desto mehr wird von ihnen erwartet. Bei der heutigen Leistungsdichte und Konkurrenz ist dem ohne hervorragendes Instrument kaum mehr zu entsprechen, weiß Coach Dorner. Wer wie Johanna Musik studieren und sie später zum Beruf zu machen möchte („wer das nicht will, ist falsch am Belvedere oder am Korsakow-Konservatorium“) ist bei einer ordentlichen Violine ganz schnell mit 10 000 bis 20  000 Euro dabei. Zuviel für die meisten Schüler (oder deren Eltern), „weshalb ich auch alles daran setzen werde, meine Geige beim diesjährigen Förderwettbewerb in Dessau zu verteidigen. Für zwei weitere Jahre. Und dann schau’n wir mal“, sagt sie.

Heute absolviert das Sixtett die (General-)Probe. Dann sollten alle Stücke, die die Sechs in wechselnder Besetzung spielen werden, sitzen. Allen, die sich noch gut an die Soloparts der letzten Jahre erinnern (etwa dem von Akkordeon-Spieler Nikolai Ovtschinnikov ), sei gesagt, der Fokus liegt in diesem Jahr auf der Kammermusik. Lediglich Adelina bekommt mit Eugène Bozzas „Image“ ein Solo.

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