Umweltdelikt : „Schwarze Weihnacht“ am See

Trotz Dauerregen und auch ein bisschen Schneefall ist die schwarze Masse noch immer zu sehen.
Trotz Dauerregen und auch ein bisschen Schneefall ist die schwarze Masse noch immer zu sehen.

So bezeichnet es der Plauer Werner Pauk, der noch immer die Gärreste auf den Flächen rund um den Gaarzer See beobachtet

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22. Dezember 2014, 22:00 Uhr

Noch immer sind die Gärreste auf den Grünflächen rund um den Gaarzer See in Plau zu sehen. Auch vier Wochen nach dem Ausbringen hat sich am Landschaftsbild nichts verändert. „Ich werde immer wieder darauf angesprochen“, erzählt uns Werner Pauk. In einem Gastbeitrag wirft er einige Fragen zu diesem Thema auf.

Man könne mich auch Don Quijote nennen, so wenig war ich davon überzeugt, irgendetwas in Sachen Umwelt bewirken zu können. Herr Salewski vom Ordnungsamt in Plau hatte mich eigentlich schon am Telefon ruhig gestellt, indem er mir versicherte, dass mit der Ausbringung der schwarzen Brühe alles in Ordnung wäre. Er sprach von Reststoffverwertung und höherem Recht. Da ich mich aber mit meiner Hündin Momo dort täglich sportlich betätige, komme ich täglich verärgert nach Hause. Und wenn ich mir die Fotos ansehe, die ich zwei Wochen vor der Heimsuchung der Landschaft durch Bio-Gas-Abfallschlamm genau an dieser Stelle gemacht habe, dann beschleunigt die Empörung meine Atmung. Und sie wird manifestiert, wenn ich immer wieder von anderen angesprochen werde, die diese Empörung teilen. Aus dem Grunde wende ich mich nochmals an die Öffentlichkeit, in der Hoffnung, mit Gleichgesinnten wenigstens das Gewissen der „Genehmigungsträger“ und der „Natur-Besudeler“ ein wenig in Unruhe zu versetzen. Einen Gleichgesinnten, Herrn Monty Erselius, habe ich in der SVZ vom 12. Dezember schon kennen gelernt. Er zog vor 30 Jahren u.a. wegen der Natur nach Plau am See.

Herr Reier, der Bürgermeister von Plau, wird in der Zeitung vom 15./16. November mit den Worten zitiert: „Plau am See sei Luftkurort und dementsprechend vom Land als touristischer Schwerpunktraum eingestuft worden.“ Verträgt es sich mit dem Tourismus, wenn in Stein gemeißelte Wanderwege – von Kremserfuhrwerken befahren – entlang geschwärzter Landschaften verlaufen? Muss eine Rasenfläche wie die Hirtenwiese überhaupt mit solch einem Schlamm gedüngt werden? An der Zufahrt zur Hirtenwiese am Kletterpark befindet sich auch ein Naturschutzschild. Es ist sogar mit Zusatzhinweisen versehen. In dem Gebiet gäbe es bedrohte Pflanzen und Tiere. Dann wird aufgezählt, was man alles nicht tun darf. Meine Hündin muss z.B. immer angeleint sein. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, wenn ich dagegen verstieß. Auch das Befahren mit Kraftfahrzeugen ist nicht gestattet. Am 12. November musste ich mich auf dem Heimweg arg ins Gebüsch zwängen, um einen Güllewagen der allergrößten Ausführung vorbeizulassen. Erst am nächsten Tag sah ich die schwarze Bescherung. Tausende Liter kann so ein Fahrzeug transportieren. Mindestens zwölf solcher unheilbringender Fuhren sind in den Tagen bis zum 14. November getätigt worden. Eher noch mehr, wie mir andere Hundebesitzer mitteilten.

Woran erkennt ein Bürger wie ich am Gaarzer See den Unterschied zwischen Naturschutzgebiet, wo die Jauche illegal ausgebracht wurde und nicht schützenswertem Gebiet? Wer hat diese Einteilung auf einer ganzheitlichen Fläche vorgenommen? Ist das jetzt für alle Zeiten so festgeschrieben? Woher rührten meine Beschwerden (Kopf und Magen) drei Tage lang nach der Fahrt der Güllewagen? Gasen die Abfälle noch eine Zeit lang nach? Mir begegnet ab und zu die sogenannte Waldgruppe des Plauer Kindergartens. Wenige Meter von der Ausbringungsfläche haben die Kinder einen Anstieg zu bewältigen. Was atmen sie bei dieser Anstrengung ein?

Wer zieht Gewinn aus dieser Entsorgung? Läuft so etwas ohne jeglichen Profit ab? In unserem Alltag trennen die meisten von uns gewissenhaft den Abfall. 60 Prozent unseres mit wiederverwertbaren Stoffen versetzten Mülls wird verbrannt. Der Grund? Es gibt zu viele Verbrennungsanlagen, die Profit abwerfen müssen. Jede einzelne wurde von Behörden genehmigt. Behörden schützen also die Umwelt?

Die Hirtenwiese und anliegende Gebiete sind nach meiner Auffassung verseucht. Inzwischen sind einige Wochen ins Land gegangen. Weder Dauerregen noch Schneeschauer konnten der schwarzen Jauche etwas anhaben. Auf dem Hügel wird es im Jahr 2014 eine „Schwarze Weihnacht“ geben. „Kommet ihr Hirten“ ist für längere Zeit hier äußerst unangemessen. Es ist allgemein bekannt, wer „jauchzet“ und „frohlocket“. Man möchte wieder nach dem Heiland rufen. Aber wer sollte das sein? Die Behörden?

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