dobbertins geschichte : Schützenfeste gehörten dazu

Aufstellung der Schützengilde vor dem Dominahaus, im Hintergrund das Kloster Hauptmannhaus, rechts Dorfschulze Duncker, mit der Fahne Tischlermeister Roloff, links mit weißem Bart Schlossermeister Bech  Fotos: Sammlung Horst Alsleben
1 von 2
Aufstellung der Schützengilde vor dem Dominahaus, im Hintergrund das Kloster Hauptmannhaus, rechts Dorfschulze Duncker, mit der Fahne Tischlermeister Roloff, links mit weißem Bart Schlossermeister Bech Fotos: Sammlung Horst Alsleben

Im Jahr 1705 wurde die Dobbertiner Schützengilde erstmalig erwähnt – Horst Alsleben hat die Geschichte recherchiert

svz.de von
19. Juni 2016, 12:00 Uhr

In den vergangenen Wochen hat es nicht nur in Parchim, sondern auch in Goldberg Schützenfeste gegeben. Auch schon früher gab es Schützenvereine – sogar im Klosterdorf, die Dobbertiner Schützengilde. Davon berichtet Horst Alsleben einmal mehr für unsere Zeitung.

In früheren Jahren gehörten in Dobbertin neben dem Kirchgang und Markttagen auch das jährliche Schützenfest zum allgemeinen Dorfleben. Über das Schützenfest wurde nicht nur in den Tageszeitungen berichtet, im Güstrower Anzeiger war es fast eine ganze Seite, auch auf den Landtagen wurde häufiger über den Dobbertiner Königsschuss und seine Nachfeiern debattiert. Denn welches Dorf in Mecklenburg konnte sich schon einen Schützenverein mit einer eigenen Fahne leisten und ein Schützenfest an drei Tagen finanziell durchführen. Das war in Dobbertin schon vor mehr als 300 Jahren mit Hilfe der Klostervorsteher und dem Dobbertiner Klosteramt möglich. Die Dobbertiner Schützengilde stand unter dem Patronat des Klosterhauptmanns. Der Schützenkönig erhielt neben der Schützenkette dazu noch einen vom Klosterhauptmann gestifteten Sonderpreis.

Erstmals wurde 1705 die Schützengilde genannt, 1744 gab es eine eigene Fahne und 1748 konnte in Dobbertin die erste Schützenkette verliehen werden. Vier Jahre später stiftete dann der Klosterhauptmann Jobst Hinrich von Bülow auf Woserin, der 1751 und 1760 selber Schützenkönig wurde, eine silberne Königskette. Diese war mit einem Schild, auf dem man die Namen der Schützenkönige eingravierte und dem Wappen der von Bülow versehen. Zehn Jahre später, es war das Jahr 1758, wurde zum Missvergnügen der Schützen erstmals bei einem Schützenfest der Knopf der Scheibe nicht getroffen. Das sollte sich nicht wiederholen.
Während und nach dem Siebenjährigen Krieg wurde nicht geschossen und weitere 40 Jahre fanden keine Schützenfeste in Dobbertin mehr statt. 1848 nahmen dann einige Mitglieder der Schützengilde die alte Tradition wieder auf. Mit den Änderungen der Statuten erhöhte sich 1849 die Mitgliederzahl von neun auf 21, nun durften auch die Handwerker und Bauern der benachbarten Klosterdörfer Below, Ruest, Techentin, Dobbin, Oldenstorf, Altenhagen und Gerdshagen teilnehmen. Der Klosterhauptmann Carl Peter Baron von Le Fort auf Boeck stiftete für den Schützenkönig sogar einen Sonderpreis. Er bekam ein Fuder Heu, so schwer, dass es eben noch vier Pferde ziehen konnten. Die Gilde hatte eine eigene Königsschussbaracke, die auch gerne als Tanzsaal genutzt wurde. Als das Schießhaus sehr baufällig wurde, beantragte 1911 der damalige Klosterhauptmann Erblandmarschall Karl Friedrich Ludwig von Lützow auf Eickhof auf dem Landtag in Sternberg, die Kosten für einen Neubau aus der Klosterkasse zahlen zu dürfen. Von der Erwägung ausgehend, die alten Überlieferungen den Dobbertiner Einwohnern zu erhalten und die Gilde kein Vermögen besaß, wurde die Genehmigung erteilt. Die Genehmigung wurde auch hier nachträglich eingeholt, denn das kleine Schützenhaus stand bereits. Beim jährlichen Schützenfest wurde schon am Donnerstag dem vorjährigen Schützenkönig als ersten ein Ständchen dargeboten, danach sämtlichen Schützen. Dann ging es ins Kloster zu den Klosterdamen und ihrer Frau Domina als Vorsteherin des Damenstifts. Abends fand ein großer Zapfenstreich mit Fackelzug durch das Dorf statt. Freitags früh um sechs Uhr nach dem Wecken ging es mit der Goldberger Marschkapelle Cordshagen durch das Dorf bis ins Kloster und anschließend zum Festplatz. Der Fahnenträger und der Dobbertiner Schützenkönig wurden aus ihren Wohnungen geholt. Ein fremder Schützenkönig wurde aus dem Dorfkrug abgeholt. Die Schützengilde kam wie immer im Gehrock, mit Zylinder und blauweißer Scherpe. Vor dem Haus des Klosterhauptmanns und dem der Frau Domina gab es mit präsentiertem Gewehr Ansprachen. Denn der Schützenkönig bekam ja vom Klosterhauptmann noch einen zusätzlichen Preis.

1895 machte die Abteilung für geistliche Angelegenheiten im Großherzoglichen Mecklenburgischen Ministerium des Innern in Schwerin das Klosteramt Dobbertin darauf aufmerksam, das auch die für Sonntag in Aussicht genommene Nachfeier des Königsschuss erst eine Stunde nach gänzlich beendigten Gottesdienstes beginnen dürfe. An Sonntagen und Feiertagen durfte die Belustigung der Gäste in den Trinkbuden nicht über 23 Uhr ausgedehnt werden. Neben den Klosterordnungen gab es nun noch Ordnungen der Schweriner Ministerien, doch die Dobbertiner Schützenfeste gingen weiter.

1906 war dann Tischlermeister Heinrich Roloff Schützenkönig, 1912 der Schuhmachermeister Witt und 1913 der Amtsgärtner Rohr, alle aus Dobbertin. Nach Aufhebung der Landesklöster gab es nach 1918 auch bei den Schützenfesten etliche Veränderungen, so gab es auch den Sonderpreis des Klosterhauptmanns nicht mehr. 1935 wurde der Dobbertiner Bürgermeister Ernst Ludwig Friedrich Heinrich Biermann Schützenkönig, sein nun fast 90-jähriger Sohn Ernst Biermann lebt heute noch im Dobbertiner Elternhaus. Als dann 1937 auch der Schützenverein eine neue Tracht erhielt, wurden die alten Traditionen aufgegeben und waren nur noch ein Teil der Dobbertiner Klostergeschichte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen