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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

16. Dezember 2017 | 12:01 Uhr

Theater auf Tour : Schülers Not und Zuhörers Gewinn

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Das „Junge Staatstheater Parchim“, eingeladen vom CDU-Stammtisch in Plau, deklamierte und spielte Balladen

Ob klassische Balladendichtung oder Gespensterballade – das Publikum durfte an diesem Abend einigen Großballaden der deutschen Dichtung – in den Klassenzimmern von einst fast rituell zelebriert – wieder begegnen. Und das ganz entspannt. Deklamieren nämlich mussten andere. Eingeladen vom CDU-Stammtisch gastierte das Junge Staatstheater Parchim, vormals Mecklenburgisches Landestheater Parchim, zum siebten Mal im Parkhotel Klüschenberg in Plau. Das Ensemble präsentierte unter dem eigenwillig komischen Titel „Das Dorf ist still. Still ist die Nacht. Die Mutter schläft. Die Tochter wacht“ eine Art Revue, einen Spaziergang vor allem durch die Balladenproduktion der Weimarer Klassiker während des sogenannten „Balladenjahrs“ 1797/98. Regie führte Jörg Kleinau.

Hätte doch Friedrich Schiller seine „Bürgschaft“ nicht zweiundzwanzig Strophen lang gedichtet und hätte man die nach den Hausaufgaben in Mathe und Englisch nicht auch noch alle auswendig lernen müssen, dann wäre der Genuss der spannenden Geschichten, die in den Balladen stecken, vielleicht groß gewesen. Denn so wie Nils Höddinghaus Schillers bekannte Ballade vortrug, war sie einfach nur spannend, ein Wettlauf mit der Zeit, ein beschleunigtes Road-Movie, das mit der scheinbaren Aussichtslosigkeit, den Freund rechtzeitig retten zu können, bis in die höchste Zuspitzung hinein spielt. Höddinghaus traf dennoch auch den hohen Ton der Schiller’schen Ideenballade – das moralische Beispiel der Freundestreue stimmt bekanntlich selbst den Tyrannen um. Ensemblemitglied Anne Ebel verstand es wieder, vom ersten Bühnenaugenblick an von ihrer kraftvollen Präsenz zu überzeugen. Sie trug Goethes „Zauberlehrling“ lebhaft und mit in die Ferne gerichtetem Blick vor, nachvollziehbar, da auch die Beherrschung des Zauberbesens und vor allem der entfesselten Wasserströme fern der Fähigkeiten des Entfesslers liegt. Aus dem technischen „Off“ sprich, von der Tonanlage, ertönte in Plau schließlich die Stimme des „Meisters“, der dem übermächtigen Treiben Einhalt gebietet.

Der Einsatz von Medien, so auch des Films zum Vortrag von Schillers Ballade „Die Kraniche des Ibykus“, Musikeinlagen (unter anderem von Julian Dietz) und von einzelnen Darstellern dialogisch gesprochene Anteile der Balladen bereiteten die Vorträge abwechslungsreich auf. Komisch das Spiel mit einer Puppe, der Ensemblemitglied Carolin Bauer, hinter ihr stehend, die Hände lieh und die Geisterballade „Silvesternacht“ von Theodor Fontane zusammen mit Martin Klinkenberg vortrug. Gerne spielten Balladenschreiber mit dem Schaurigen, auch der Romanschreiber und Realist Fontane gönnte sich in der genannten Ballade, die der Parchimer Produktion auch das Titelzitat gab, solche Ausflüge. Zum moritatenhaft Schlichten des Gedichts passte die Darstellung mittels Puppe und Requisiten auf den Punkt.

Alles in allem: Ein Abend, der gefiel. Ansprechend „choreografiert“ und gut gesprochen, waren auch die Klassiker in ihrer Tiefe und überzeitlichen Gültigkeit wieder einmal erlebbar und das ohne künstlich auf Bezüge zur Jetztzeit hin getrimmt worden zu sein. Oder – wer könnte die Geschichte vom Zauberlehrling nicht ohne Weiteres auf die heutige Zeit übertragen?

Leider zeigte Parchim in Plau nur den ersten Teil seiner Produktion. Den kompletten Balladenabend, dann auch mit Balladen von Heinrich Heine bis Bertolt Brecht, wird man in Parchim erleben können. Es lohnt sich.















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