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Lesung im Lübzer MGH : „Schmücke, übernehmen Sie!“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler, bekannt als Polizeiruf-Kommissare, waren jetzt im Einsatz im Lübzer Mehrgenerationenhaus

Eine kleine Sensation im Mehrgenerationenhaus: Die abendliche Kulturreihe mit (Im-)Biss, die sich zuletzt ohnehin guter Besucherzahlen erfreute, konnte jüngst einen speziellen Rekord verzeichnen. Bereits drei Wochen vor der letzten der monatlichen Freitagsveranstaltungen war die Hälfte der Karten vorbestellt und am Vorstellungstag hieß es „ausverkauft“. Zu verdanken war der Erfolg unter anderem Teamleiterin Kerstin Lorenz, der es gelungen war, Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler, alias Herbert Schmücke und Herbert Schneider, nach Lübz zu holen. Die beiden „Herberts“ des Hallenser „Polizeirufs 110“ präsentierten im MGH einen witzigen Dialog, in dem sie auf ihre gemeinsamen beruflichen Stationen und auf Privates zurückblickten.

Herbert und Herbert ermitteln nicht mehr, denn der Sender hat die „Graubrot-Kommissare“ (spiegel-online) 2013 nach 17 Jahren mir nichts dir nichts entlassen. Im Buch „Mit dir möchte ich nicht verheiratet sein“, so übrigens auch der Titel der Veranstaltung im MGH, schildert Marie Gruber, die im Polizeiruf die Rosamunde Weigand von der Spusi gab, wie sie (und nicht nur sie) den Rauswurf empfand, nämlich „respektlos“ und „schofelig“. „Oder kann sich dieses Land mit seinen 80 Krimireihen keine zwei alten Zausel erlauben?“ zitiert Winkler vor dem Lübzer Publikum, vergisst auch nicht, ihm mitzuteilen, dass ausgerechnet ihre letzte Folge „Die Raubvögel“ acht Mio Zuschauer vor die Bildschirme lockte, ein Marktanteil von immerhin 13 Prozent. Die Quote stimmte immer. Wahrscheinlich fielen sie dem „Jugendwahn“, mancherorts auch „Altersrassismus“ genannt, zum Opfer.

Die Beliebtheit der beiden Kommissare spiegelte sich in Lübz eindeutig wider. Wobei das hier überwiegend ältere Publikum in Schwarz und Winkler sicher nicht nur die Ermittler, sondern auch die populären Darsteller sah, die es noch aus DDR-Zeiten kannte. Die Wege der beiden gestandenen Schauspieler kreuzten sich nämlich bereits 1967, heute verbindet sie eine Freundschaft seit Jahrzehnten, eine Freundschaft, die auch real von jenem frozzeligen Grundton gefärbt zu sein scheint, mit dem sie die Polizeiruf-Dialoge gerne ein wenig nachwürzten. Immer ein bisschen käbbelig, auf Motz gebürstet und konkurrent – so entstand auch die Komik des kleinen Kammerspiels, das die beiden auf Grundlage ihres Buchs im MGH aufführten.

Das Publikum erfuhr, dass sie für den Film „Ich war 19“ von Konrad Wolf ein erstes Mal zusammentrafen. Schwarz betonte stolz wie Bolle, dass er der Hauptdarsteller Gregor Hecker war. „Du wurdest gleich nach dem Vorspann erschossen“, sagt er zu Winkler. Der kann sich bald darauf aber revanchieren, denn er hatte die Rolle des Heinz Riek, genannt Quasi, am Theater in Halle und in der TV-Verfilmung von Hermann Kants Roman „Die Aula“ inne. Aber es ging nicht nur um Schauspielers Lieblingsthema, wer denn die meisten, wer die größten Rollen gehabt hat, es ging auch um liebevoll ausgemalte Details aus dem beruflichen Alltag und es ging ums Private. Winkler erinnert sich an Jaeckis Adonisphase, während Schwarz sich heute attestiert, dass bereits „der vierte Schmelz“ ab sei. Staunend erfährt man, dass Winkler einst in einem Aufklärungsfilm mitwirkte und das Kunststück fertigbringen musste, eine entblößte weibliche Brust mit der Hand züchtig zu verdecken, aber doch lang genug auch unverdeckt zu lassen. In Winklers Privatleben hat der „andere Herbert“ angeblich auch nicht wenig mitgemischt, er habe die Frau ausgesucht, prahlt Jaecki, und den Verlobungsring dazu – letzteren in einer Pfandleihe.

Das Publikum lag den beiden zu Füßen, Gelächter fast nach jedem Satz. Am Ende drängte sich so mancher zum Buchverkauf und heimste Autogramme ein. Danach befragt, wie es denn so mit dem Ruhestand bestellt sei, antworteten Schwarz und Winkler, Schauspieler bleibe man das ganze Leben lang. Schauspieler ist man. Es ist existenziell.

 


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