Verkehr : Schluss: Südbahn fährt nicht weiter

Bis zum 30. April wird der Schienenverkehr auf der Strecke zwischen Malchow und Lübz durch Spenden finanziert. Dann endet der Betrieb der Südbahn.
1 von 2
Bis zum 30. April wird der Schienenverkehr auf der Strecke zwischen Malchow und Lübz durch Spenden finanziert. Dann endet der Betrieb der Südbahn.

Landkreis lehnt neuen Vorschlag ab, weil nach wie vor unklar sei, woher Geld kommen soll, und Kreistagsbeschluss als Grundlage fehlt.

von
28. April 2015, 21:00 Uhr

Nun steht es fest: Zwischen Parchim und Malchow wird ab Freitag, 1. Mai, kein Zug mehr fahren. Die Hanseatische Eisenbahngesellschaft (kurz Hans) hatte dem Landkreis ein neues Angebot vorgelegt, auf das er bis gestern um spätestens 17 Uhr reagieren musste. „Ich bin enttäuscht. Wir haben leider eine Absage bekommen“, so Tino Hahn, Geschäftsführer der Hans, gestern Abend auf Anfrage der SVZ.

Er hatte als ersten Schritt vorgeschlagen, dass der Landkreis seinem Unternehmen für Mai und Juni jeweils 30 000 Euro zahlt, damit der Bahnverkehr auf genannter Strecke zumindest vorerst sicher ist. Die Hans wollte ihrerseits insgesamt 40 000 Euro beisteuern – Geld, das sie eh für den Betrieb einsetze.

In dem Schreiben an die Hans heiße es, dass sich das bestehende Defizit durch die von ihr unterbreiteten Vorschläge nicht reduzieren lasse. Eine Eilentscheidung durch kreisliche Gremien sei zudem nicht möglich. „Deshalb sehen wir uns gezwungen, den Zugverkehr bis auf weiteres einzustellen“, sagt der Geschäftsführer. „Möglichkeiten, die Bahn zu erhalten, gibt es durchaus – wenn man es möchte.“ Noch vor wenigen Jahren habe auch Energieminister Pegel davon gesprochen, Bus und Bahn gemeinsam zum Beispiel auch für den Tourismus zu beflügeln. Angesichts der jetzigen Entwicklung müsse man sich die Frage nach dem Wert solcher Äußerungen stellen.

„Der Landrat kann den Vorschlag der Hans gar nicht umsetzen, weil nach wie vor unklar ist, woher das Geld kommen soll. Es gibt weder einen Kreistagsbeschluss zur Finanzierung noch eine von einer Fraktion eingebrachte entsprechende Beschlussvorlage“, sagt Andreas Bonin, Pressesprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Es sei unmöglich, eine Zusage ohne Grundlage zu machen. Das treffe auch auf den Gesamtbedarf in sechsstelliger Höhe zu, die schwankt.

Mit einer Draisinenfahrt im Bahnhof Karow hatten Bündnis 90/Die Grünen noch am Montag für die Zukunft der Südbahn demonstriert und das Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Vertretern der Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“ gesucht. Claudia Müller, Landesvorsitzende ihrer Partei: „Wir wissen, welches Potential eine Bahnlinie für eine Region haben kann – gerade beim Tourismus. Erfolgreiche Projekte, wie etwa die Usedomer Bäderbahn, beweisen das.“

Schon heute besäßen 45 Prozent aller Haushalte in Großstädten kein Auto mehr. Darum gelte, dass derjenige, der Touristen in die Region bringen möchte, die Bahn brauche. Die derzeitige Situation der Südbahn zeige, dass die Landesregierung den ländlichen Raum bereits abgeschrieben habe. Die BI sowie die demokratischen Oppositionsparteien im Landtag hätten mehrfach konkrete Wege aufgezeigt, die den Erhalt der gesamten Südbahn ermöglichen.

Für Harald Terpe, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen, zeige das jahrelange Engagement der BI, der Unternehmen und Verbände, dass die Südbahn dringend gebraucht wird. „Wir Grüne im Bundestag werden uns weiter dafür einsetzen, dass endlich mehr Gelder für Bahnstrecken wie die Südbahn zur Verfügung stehen“, sagt er. „Allerdings darf sich bei diesem Thema die Landesregierung nicht aus der Verantwortung stehlen. Momentan scheitert der Erhalt der Südbahn allein am politischen Willen.“

Enttäuschend verlaufen war in der vergangenen Woche auch das Gespräch im „Interkommunalen Arbeitskreis“. Mitglied darin ist unter anderem Gerd Holger Golisz. „Die Situation ist festgefahren und leider gibt es keinen Lösungsansatz“, sagte er auf der jüngsten Demonstration der BI. „Ich sehe die Notwendigkeit, dass das Land handelt. Es steht in der Verantwortung, bekennt sich aber nicht dazu.“ Seitens der Hans zwei weitere Angebote zu unterbreiten, sei gleichzeitig „bewundernswert“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen