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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. August 2017 | 09:50 Uhr

Wirtschaft : Schlosserei unter neuer Führung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Norbert Dobbertin übergibt 1982 von ihm in Lübz gegründetes Unternehmen an seit 1991 bei ihm arbeitenden Manuel Tietz.

Ab sofort leitet Manuel Tietz die 1982 von Herbert Dobbertin gegründete Schlosserei in der Thomas-Müntzer-Straße. Beide Männer und ihre sieben Beschäftigten haben die Geschäftsübergabe ab gestern Nachmittag gemeinsam mit rund 80 Geschäftspartnern gefeiert.

Herbert Dobbertin, der bald 64 Jahre alt wird, trägt den exakt gleichen Namen wie sein Vater. Auch er hatte eine Schlosserei, in der der Sohn noch sein erstes Lehrjahr absolviert, bevor das in der Plauer Straße ansässige Unternehmen 1970 abgemeldet wird. Nach dem Ende der Lehre 1972 arbeitet der junge Mann zunächst im Metallformwerk Parchim, dann im einstigen VEB Wohnraummöbel in der Plauer Straße kurz vorm Ziegenmarkt und dann in der Werkstatt der Autolackiererei Brockmann. Hier gehört es nach seiner Aussage auch dazu, hin und wieder zum Beispiel ein Auto komplett zu zerlegen und wieder zusammen zu schrauben.

Ab dem 1. Januar 1982 arbeitet Dobbertin in seiner ersten eigenen Werkstatt, eine Garage direkt hinter seinem Haus. „In voller sozialistischer Blüte“, sagt er und lächelt. „Meinen Meister wollte ich eigentlich schon 1980 machen, was jedoch wegen dazu ,nicht vorhandener Qualifikation’ abgelehnt wurde. Private Betriebe wollte damals eben niemand.“ Die Fortsetzung mutet umso kurioser an: „Nach nur zwei jeweils einwöchigen Schulungen im Januar und Februar 1982 ging alles plötzlich ganz schnell.“

Dobbertin arbeitet zunächst allein. Einziges Fahrzeug ist in der Anfangszeit ein Wartburg mit langem Anhänger, den es immer noch gebe und der schon unzählbar viel Material transportiert habe.

Dem Pkw folgt ein Lastwagen der Marke Framo, mit dem Dobbertin jeden Mittwoch zur Einkaufs- und Liefergenossenschaft Metall nach Parchim fährt. „Man holte, was da war – nicht unbedingt, was man brauchte“, sagt der Senior-Chef. Was die Selbstständigkeit in der DDR betrifft, habe es nach der Firmengründung „nicht mehr viel Theater“ gegeben. Der Inhaber akzeptierte, 70 Prozent für die Bevölkerung (einschließlich Gaststätten und Kindergärten etwa) abgeben zu müssen, über den Rest konnte er selbst bestimmen.

1985 erfolgte der Bau einer kleinen Werkstatt, die noch heute in die Produktion eingebunden ist, zehn Jahre später die Errichtung der das heutige Aussehen des Betriebes bestimmenden, rund 400 Quadratmeter großen Halle.

Die Bindung von Manuel Tietz zu dem Betrieb hat sich lange entwickelt. Von 1991 bis 1994 lernte er hier Metallbauer, legte 2002 seine Meisterprüfung ab und wurde Schweißfachmann. Mit dem Bau der großen Halle habe man gemeinsam auf die Übernahme hingearbeitet: „Ich bekam die Leitung von Baustellen übertragen und sollte Aufträge zunehmend komplett abwickeln.“ In dem Unternehmen werden unter anderem Stahlzäune, Tore und Treppen gefertigt sowie Bleche gekantet. Die technische Ausstattung sei gut. „Wir haben auch Maschinen, die nicht überall stehen“, sagt Tietz. Dies hatte in der Vergangenheit unter anderem schon die Nachfertigung von nicht mehr zu beschaffenden Blechen für Oldtimer zur Folge – ein Geheimtipp.

Wie Anfang des Jahres berichtet, ist laut einer Umfrage des Unternehmerverbandes Ludwigslust-Parchim bei 37 Prozent der Firmen im Landkreis die Nachfolge-Übernahme gefährdet. Acht Prozent sind bereits in andere Hände übergeben, bei 45 Prozent gebe es gute Perspektiven. Bei acht Prozent sind die Chefs älter als 55 Jahre. Bis zum Jahr 2025 müssten in Westmecklenburg 23 000 Nachfolgen von Unternehmen geregelt werden. Bei 11 000 fehle die Perspektive, was immerhin 200 000 Mitarbeiter betreffe. Deshalb hat der Verband das Thema „Zukunft sichern, Nachfolge regeln“ zum Jahresmotto 2017 gemacht.

Dobbertin ist froh über die gefundene Lösung. Eine ihm besonders jetzt deutlich gewordene Erkenntnis stelle er über alles aus Vergangenheit und Zukunft: „Ohne meine Frau hätte alles nicht funktioniert.“

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erstellt am 28.Apr.2017 | 19:00 Uhr

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