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Nichts ging mehr auf der Müritz-Elde-Wasserstraße : Schleusenwärter im Streik - Plau dicht

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Nach Streik am Mittwoch in Geesthacht und einer Großkundgebung am Donnerstag in Kiel legten die Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Lauenburg gestern erneut die Arbeit nieder. Diesmal in Plau am See.

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erstellt am 16.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Plau Am See | Nichts ging mehr auf der Müritz-Elde-Wasserstraße: Nach Streik am Mittwoch in Geesthacht und einer Großkundgebung am Donnerstag in Kiel legten die Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Lauenburg gestern erneut die Arbeit nieder. Diesmal in Plau am See. Von 9 Uhr an blieben hier die Schleusentore geschlossen. Fast 150 Mitarbeiter des Amtes waren im Ausstand.

"Noch bis 24 Uhr werden wir den Streik im Bereich des WSA Lauenburg mit Aktionen an verschiedenen Standorten im Amt und in den Außenbezirken fortführen", sagte Helmut Kiehn, stellv. Personalratsvorsitzender. Ziel sei es, mit Unterstützung der Gewerkschaft Ver.di zu erreichen, dass die Minister Peter Ramsauer (CSU, Verkehr) und Hans-Peter Friedrich (CDU, Innen) an den Verhandlungstisch zurückkehren. Dringend, denn die Mitarbeiter befürchten im Zuge der seit 2010 geführten Verwaltungsreform in diesem Bereich die Streichung von weiteren 3000 Arbeitsplätzen. Deutschlandweit wäre bei derzeit 12 000 Beschäftigten damit jeder vierte betroffen. Offiziell ist das nicht, aber es wird hartnäckig gemunkelt, und es macht den WSA-Mitarbeitern Angst. "In der jetzigen Situation hilft es uns gar nicht, wenn wir mündliche oder schriftliche Zusagen von Herrn Ramsauer bekommen, die sich die Kollegen, wie er sagt, schon mal an ihre Arbeitsverträge heften sollen." Solange sich der Minister scheue, die Arbeitsplatzzusicherung tarifvertraglich festzuschreiben, sei das nichts als beschriebenes Papier, sagt Kiehn und fügt hinzu: "Bald sind Bundestagswahlen, und Herr Ramsauer hat schon viel versprochen." Sofern ein positives Signal aus dem Bundesverkehrsministerium kommt, werden die Streiks abgebrochen. Andernfalls sollen die Aktionen ab Herbst noch verschärft werden. "Dann werden wir auch vor die Behörde des Herrn Ramsauer ziehen", sagte Axel Kreth, stellvertretender Ver.di-Geschäftsführer in Schwerin.

Die Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung ist seit Jahren umstritten. Unter anderem ist unklar, wie die Zukunft des WSA Lauenburg aussieht. Zunächst war die Auflösung der Behörde bereits beschlossene Sache, jetzt rückt immerhin die Wirtschaftlichkeit in den Focus. 530 Mitarbeiter zählte das Amt noch vor 20 Jahren. Heute sind es noch 340. "Unser Personal wird nach der Rasenmähermethode abgesäbelt. Wir haben den Eindruck, dass man mit uns dahin will, wo die Bahn heute ist", sagte Kiehn. Dabei werde etwa in Grabow, Parchim oder auch Waren längst kaum noch Personal vorgehalten, könne der Schleusenbetrieb mancherorts nur noch unter größten Anstrengungen betrieben werden. Ob das Methode hat? Kiehn hält es für möglich: "Wenn bei uns alles platt gemacht ist, ist der Rhein einziger Binnenwasserweg und die Lobby von Straße und Schiene zufrieden."

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