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Bauarbeiten im Burgmuseum : Rundum-Erneuerung für Plaus Schatzkammer

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Mit einem Fuß steigt Dieter Ehrke auf den glatten Eisblock im Maurerbottich. Die gesamte Baustelle ist erstarrt. Albrecht Reisch haucht in seine kalten Hände. Die beiden Männer sehen sich im Plauer Burgmuseum um.

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erstellt am 13.Feb.2012 | 10:32 Uhr

Plau am See | Das Wasser im Maurerbottich ist tiefgefroren. Mit einem Fuß steigt Dieter Ehrke auf den glatten Eisblock. "Da rührt sich nichts mehr", sagt er. Die gesamte Baustelle ist erstarrt. Albrecht Reisch haucht in seine kalten Hände. Die beiden Männer sehen sich im Plauer Burgmuseum um. Eine Schubkarre an der Wand, Stahlträger auf dem Boden, doch von Bauarbeitern keine Spur. Der Winter hat die Arbeiten im Burgmuseum zum Erliegen gebracht. Die Sanierung liegt auf Eis.

Und dennoch: Getan hat sich hier schon viel. Wo sonst die Schätze des Burgmuseums stehen, sind Wände und Böden jetzt bis auf die Grundsubstanz freigelegt. Außen sind die Fundamente erneuert worden. Der Eingangsbereich des Museums zeigt sich großzügiger als zuvor. Nur zwei Räume weiter zeigt der Umriss eines Schachtes, was hier einmal entstehen soll: In einem späteren Bauabschnitt wird ein Fahrstuhl eingebaut. "Wir wollen, dass das Museum barrierefrei wird", sagt Dieter Ehrke. Gleich daneben soll der Sanitärtrakt entstehen. Noch ist davon nichts zu sehen. Der Bagger steht mitten im Raum. An Arbeit ist hier nicht zu denken. "Wir hatten damit gerechnet, dass durchgängig gearbeitet werden kann. Aber das Wetter lässt es nicht zu. Wenn es milder wird, geht es weiter", sagt Ehrke.

Untätig bleiben will er in der Zwischenzeit nicht. Zusammen mit seinen Mitstreitern vom Plauer Heimatverein schmiedet er Pläne für die künftigen Ausstellungsräume. "Hier wird alles anders. Jeder Raum wird neu gestaltet", sagt Dieter Ehrke. Wie es einmal aussehen könnte, wollen sich Sonja Burmester, Albrecht Reisch, Dieter Froh und Dieter Ehrke auf den Bauplänen genauer ansehen. Für Diskussionsrunden aber ist es im Museum zu kalt. Es geht ins Nebengebäude, in ein warmes Büro.

Dieter Ehrke rollt den Plan der neuen Räume aus. Er schiebt ein paar Pappstücke über das Papier, richtet sie mal hier, mal dort an. Sie symbolisieren Maschinen wie Presse und Webstuhl. "So könnte es klappen", sagt Ehrke und schiebt die Stanze aus Pappe an die gestrichelte Wand. Doch so einfach wie auf dem Papier wird das Einrichten nach dem Museumsumbau sicher nicht werden. In den völlig neuen Räumen muss nämlich nicht nur altes Inventar, sondern auch neue Schätze Platz finden. "Wir werden eine Guttenberg-Druckmaschine bekommen", sagt Dieter Ehrke. "So eine hatte ich mir schon lange für das Museum gewünscht. Wir wollten sie bauen lassen. Jetzt bekommen wir eine Fertige vom Technischen Landesmuseum", sagt er stolz. Und noch eine Neuheit soll folgen: "Wir wollen uns als Alban-Zentrum herausbilden", erklärt Ehrke. Das Museumsteam denkt daher über den Kauf einer Hochdruckdampfmaschine getreu den Geräten von Maschinenbauer Ernst Alban nach. 7000 Euro soll sie kosten, mit einer Firma in Rostock steht man bereits in Kontakt. "Der Preis hat mich erstmal in die Knie gezwungen. Ich hatte mit 4000 Euro gerechnet. Bis zum 31. Mai müssen wir uns entscheiden", sagt Ehrke.

Ob mit oder ohne neue Ausstellungsstücke: Das Museum wird sich in neuer Gestalt präsentieren. Ein zwei Meter breiter Hauptgang soll durch das Gebäude führen. Darüber ist ein Oberlicht geplant. Dieter Ehrke zeigt -zurück im Museum - wo einmal die Sonnenstrahlen einfallen sollen.

Damit im Gebäude überhaupt gearbeitet werden kann, mussten die Museumsfreunde hart anpacken. Binnen eines Tages haben 30 Helfer die Museumsschätze ausgeräumt. Sie sind, in Kartons verpackt, in das Haus nebenan gezogen. Dort wo Kita, Bibliothek und Kneipp-Verein beheimatet sind, haben sie ein Heim auf Zeit gefunden. Doch nicht alle Ausstellungsstücke haben das Museum verlassen. Große Geräte wie Press- und Druckmaschinen, Webstühle und Stanze lagern im sicheren Versteck. "Sie sind hier hinter", sagt Dieter Ehrke und klopft gegen eine Pressspanplatte im hinteren Museumsteil. Hinter ihr verbirgt sich ein Raum, in dem vorerst keine Arbeiten geplant sind. Er dient jetzt als Lager.

350 000 Euro wird die Sanierung des Burgmuseums kosten. Ein Großteil davon wird durch Leader-Fördermittel abgedeckt. Das hat das Museumsteam nicht nur dem regen Zuspruch seiner Besucher, sondern vor allem auch sich selbst zu verdanken. Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement können die 25 Museumsmitarbeiter überzeugen. "Bei uns kann sich jeder zu hundert Prozent auf den anderen verlassen. Wir sind gut organisiert", sagt Sonja Burmester.

Die Sanierung des Gebäudes war dringend notwendig geworden, weil die Statik nicht mehr gegeben war. Deutlich wird das vor allem im ersten Stock. Dicke Risse ziehen sich durch die Wände. Der Wind braust von außen durch das Gemäuer. Die Dachbalken sind marode, werden von Eisenträgern gestützt. Hier muss sich noch viel tun. Schließlich soll unterm Dach später einmal eine weitere Ausstellungsfläche entstehen. Das Erdgeschoss ist für die historischen Schätze mittlerweile zu klein geworden. Noch aber steht im ersten Bauabschnitt die Sanierung der bisher genutzten Flächen an. Auch wenn der Winter die Bauarbeiten ausgebremst hat, Dieter Ehrke bleibt optimistisch. "Wir wollen am 1. Juli wieder öffnen. Hoffentlich klappt’s."

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