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Energiewende kontra Naturschutz : Rotorblätter erschlagen Greifvögel

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In Deutschland stehen mehr als 22 000 Windkraftanlagen. Einerseits sollen sie den Energiewandel bringen. Andererseits greifen sie in die Natur ein und verändern Lebensräume. So ist auch die Vogelwelt gefährdet.

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2012 | 09:53 Uhr

Dobbertin/Goldberg | Sie schießen mittlerweile wie Pilze aus dem Boden: Seit Mitte 2012 stehen in Deutschland insgesamt 22 664 Windkraftanlagen, die eine Gesamtleistung von 30 016 Megawatt haben. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben die Windenergieranlagen in Deutschland um 26 Prozent zugenommen. Und vor allem im Binnenland werden es immer mehr.

Mit der Thematik Windkraftanlagen beschäftigt sich auch Dr. Klaus-Dieter Feige - täglich. Denn er ist nicht nur Leiter eines Planungsbüros, das Umweltgutachten für Windenergieanlagen (WEA) erstellt, sondern auch Vorsitzender der ornithologischen Arbeitsgruppe Mecklenburg-Vorpommern (OAMV). Klaus-Dieter Feige beschäftigt sich aber nicht nur damit, sondern vor allem auch mit der Problematik rund um die WEA. "Ich kenne den Konflikt, den Ornithologen mit diesen Anlagen haben. Einerseits sollen Windkraftanlagen den Energiewandel bringen, also etwas für die Natur machen, aber andererseits greifen sie in die Natur ein und verändern Lebensräume", erklärt Dr. Klaus-Dieter Feige. Immer wieder erfassen Naturschützer und Ornithologen Totfunde von Vögeln - vor allem Seeadler und Rotmilane sind betroffen. "Es gibt bestimmte Kriterien, die einzuhalten sind. Doch oftmals nutzen gerade Greifvögel die Gefahr eines Windkraftrades aus. Denn in diesem Bereich haben sie weniger Konkurrenz", verdeutlicht Klaus-Dieter Feige. Doch auch er muss abwägen. "Jeder tote Vogel tut einem Ornithologen weh. Doch eine Null-Gefährdung wird es nie geben", erklärt der OAMV-Vorsitzende weiter.

Die Rotorenspitzen von meterhohen Windkraftanlagen können eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 340 Stundenkilometern erreichen. Entweder werden die Tiere von den Rotorenspitzen erschlagen oder sie geraten die Wirbelschleppen und kommen dabei ums Leben. Auch Naturschützer Michael Succow wehrt sich seit vielen Jahren gegen Windkraftanlagen. Im vergangenen Jahr forderte er eine Begrenzung: "Zwei Prozent Landfläches reichen aus", sagte er.

Allein in diesem Jahr hat es bereits 30 Totfunde von diversen Vogelarten im Bundesland gegeben, das zumindest ergibt eine Statistik der Staatlichen Vogelschutzwarte für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (Stand Mai 2012).

Doch vor allem Ornithologen und Naturschützer weisen daraufhin, dass diese Zahlen alles andere als gesichert sind. Auch Klaus-Dieter Feige weiß warum: "Sicherlich habe ich auch schon einen Mäusebussard tot unter einem Windkraftrad liegend gefunden. Doch oftmals sind andere Tiere wie der Fuchs schneller und der Kadaver ist nicht mehr da." Die Zahlen beim Vogelschlag könnten also durchaus höher liegen. "Wir können nicht mehr aus dem Bauchgefühl heraus entscheiden, was gemacht werden kann. Wir müssen lange schauen und planen", verdeutlicht Feige.

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