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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

24. November 2017 | 12:14 Uhr

130 Jahre Südbahn : „Rote Laterne“ heute mit Musik

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Bürgerinitiative „ProSchiene Hagenow-Neustrelitz“ lädt heute zu Demonstration mit Band „Country Buffet“ ein

Lübz Auch heute, am letzten Freitag im Monat, lädt die Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene Hagenow-Neustrelitz“ um 17 Uhr wieder alle Bahninteressierten zur Demonstration „Rote Laterne“ auf den Lübzer Bahnhof ein. Die Besonderheit diesmal: Gefeiert werden soll der 130. Geburtstag der Südbahn, wozu die Kuppentiner Band „Country Buffet“ aufspielt. Dies hat sie schon beim Protestcamp im August vergangenen Jahres getan. Außerdem wird Roland Suppra aus Plau am See, ehemaliger Mitarbeiter der Deutschen Bahn, einen Blick auf die Geschichte der Südbahn werfen.

Durch unermüdlichen Einsatz hat es die BI geschafft, dass zwischen Parchim und Malchow weiter Züge fahren – wenn auch nicht mehr durch die ODEG, sondern durch die Hanseatische Eisenbahngesellschaft (kurz HANS). Der Landkreis klagt  jetzt gegen das Land, weil es ungeachtet aller Proteste auf der Teilstillegung bestand.  „Wir freuen uns, dass die Gespräche fortgesetzt werden, man weiter nach einer Lösung sucht“, sagt BI-Sprecher Clemens Russell. „Mein Eindruck ist, dass sich auf Landkreisebene einiges bewegt, weil man offenbar eingesehen hat, dass Parallelverkehr von Bus und Bahn – wie momentan praktiziert – niemandem nützt.“ Es gebe noch sehr viel Spielraum, beides besser zu verknüpfen, wozu man Gespräche führe.

Für Russell steht fest: Der Landkreis will die Südbahn behalten. Sonst hätte er keine Klage eingereicht und werde sie seiner Meinung nach auch nicht zurückziehen. Druck übe aus, dass eine Übernahme durch den Kreis juristisch angeblich nicht möglich sei. „Die HANS hat ein Gegengutachten vorgelegt, das die Bedenken des Landes  widerlegt. Akzeptiert hat es die Argumente nicht, bekommt aber gleichzeitig  Bundesmittel für den absolut unsinnigen Busverkehr“, so der Sprecher.

Der Einsatz der manchmal genau zur selben Zeit auf derselben Route parallel fahrenden Busse und Bahnen gehöre so schnell wie möglich beendet. Jeder vernünftige Mensch zweifele an solch einer Regelung. Anstatt dass sich zwei Anbieter einer Leistung gegenseitig die Kunden abwerben, könne die Lösung nur lauten, zu einer sinnvollen Verknüpfung zu kommen. An sinnvollen Vorschlägen der BI mangele es nicht. Über genannte Klage  hinaus dürfe man nicht nachlassen, ein Konzept zu gestalten. „Wir unterstützen alle Bestrebungen, eine Vorzeigeregion im öffentlichen Personennahverkehr zu werden“, so Russell.

Angesichts der in diesem Jahr bevorstehenden Kommunalwahlen arbeite die BI gegenwärtig  an „Wahlprüfsteinen“. In Lübz, Plau am See und Parchim sollen sich die Bürgermeisterkandidaten zum Beispiel dazu äußern, wie sie sich eine Optimierung des Zugverkehrs durch Unterstützung vor Ort vorstellen: „Es gibt Hinweise auf Fördermöglichkeiten auch auf lokaler Ebene. Mittlerweile ist leider zumindest teilweise ein Sport daraus geworden, die Verantwortung auf die nächsthöhere Ebene abzuschieben.“

Der so genannte „interkommunale Arbeitskreis“ – bestehend aus Vertretern von entlang der Südbahn gelegenen Kommunen sowie der beiden betroffenen Landkreise Ludwigslust-Parchim und Mecklenburgische Seenplatte – solle sich mehr als Gestalter des Bus- und Bahnverkehrs profilieren. Er müsse seine Arbeit mehr darauf verlagern, innovative Lösungen auszuarbeiten und vorzuschlagen, anstatt fast nur auf von der Landesregierung vorgegebene Rahmenbedingungen zu reagieren. Morgen werde eine Gruppe Hochschullehrer der Universität zu Lübeck mit Interesse am Mobilitätsgeschehen im ländlichen Raum mit der Südbahn fahren. Organisiert hat diesen Termin ein Zugbegleiter der HANS.

Die BI beobachte aufmerksam sowohl den Nachfolger auf der Schiene als auch die neue Buslinie 77. Fazit: Man sei grundsätzlich froh, dass die Hanseatische Eisenbahngesellschaft den Verkehr auf der Schiene aufrecht erhält, aber bei beiden gebe es gut nachzuvollziehende Unsicherheiten der Nutzer. In Parchim beziehungsweise Malchow umsteigen zu müssen, werte man als  massive Angebotsverschlechterung  und stark zu vermuten sei, dass viele ehemalige Bahnkunden deshalb aufs Auto umgestiegen sind – genau das, was verhindert werden soll.Ilja Baatz

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