Für den Roman nach Dobbertin : Rosen, Liebe und ein Neubeginn

Autorin Nele Jacobsen stammt aus Berlin, ließ sich nach einem Besuch in Dobbertin vom Klosterdorf inspirieren. In ihrem zweiten Roman entführt sie den Leser sogar nach Dobbertin.
Autorin Nele Jacobsen stammt aus Berlin, ließ sich nach einem Besuch in Dobbertin vom Klosterdorf inspirieren. In ihrem zweiten Roman entführt sie den Leser sogar nach Dobbertin.

Der zweite Roman der Berliner Autorin Nele Jacobsen „Ein Sommer im Rosenhaus“ führt auch ins Kloster Dobbertin

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13. April 2017, 05:00 Uhr

„Sie passierten eine Bäckerei mit ein paar Tischen und Stühlen vor der Tür - und hielten auf dem Besucherparkplatz an der Mauer vor dem Kloster. Fast unwirklich groß ragte der Kirchenbau über die Bäume und Häuser... .“ In einem der zahlreichen Nebengebäude dieser Klosteranlage, so will es die Romanhandlung der Berliner Autorin Nele Jacobsen, lagern Aufzeichnungen, die die tragische Verwicklung in einer weit zurückliegenden Liebesbeziehung aufdecken. Der Ort, von dem hier die Rede ist, ist kein anderer als Dobbertin und das Zitat zu Beginn stammt aus einem der letzten Kapitel.

In Jacobsens zweitem Buch „Ein Sommer im Rosenhaus“ führt eine Episode der Handlung also just in unsere Gegend. Die beiden Hauptfiguren mittleren Alters, Sandra und Julian, finden nach ihrer Recherche in Dobbertin die fehlenden Puzzleteile zu jener Lovestory, die – welche Fügung – beider Familien einst sogar miteinander verband. Im Zusammenhang der gegenwärtigen Handlung erscheint die alte Geschichte somit auch als Menetekel oder zumindest als Mahnung, gerichtet an die beiden Nachkommen. Mehr soll hier nicht verraten werden.

Es ist auch nicht unbedingt die Konstruktion einer Liebesgeschichte, die im Zentrum des Romans steht, es sind die Rosen. Wer Rosen liebt und sich auf das Buch einlässt, dem leuchten und duften sie aus den rund 300 Seiten so intensiv entgegen, wie es ein erzählender Text eben vermitteln kann. Und immer geht es geheimnisvoll um die „alten Sorten“, die einst jener glücklos liebende Vorfahr und Rosenliebhaber hinter dem Gärtnerhaus seines Guts in Hülle und Fülle zog und die mehr als ein Jahrhundert überdauerten. Die mittlerweile dringend pflegebedürftigen Pflanzen und das schnucklige, aber ebenfalls vom Zahn der Zeit angenagte Gärtnerhäuschen, das die Autorin auf die Insel Usedom verlegt hat, setzen die Handlung überhaupt erst in Gang. Beides nämlich wird über das Netz meistbietend zum Verkauf angeboten. Und Sandra, die Rosen liebt, und am Beginn eines neuen Lebensabschnitts steht, ersteigert die marode Immobilie samt Garten und tauscht die schicke Eigentumswohnung in der Metropole Hamburg gegen das „Rosenhaus“ in einem Dörfchen auf der Insel.

Während eines Urlaubs in Mecklenburg habe sie Dobbertin entdeckt, berichtet die Autorin. Der Ort habe sie beeindruckt und inspiriert. Ein bisschen einschüchternd, glaubt sie, müssten Klosteranlage und „Riesenkirche“ auf die Menschen in früheren Zeiten gewirkt haben. “Eine Zuflucht war es für viele sicher auch, und es ist wirklich toll, dass die Diakonie das heute so hervorragend nutzt...“, fügt sie hinzu. Die persönliche Anteilnahme der Autorin an den Verhältnissen ihrer Umwelt ist übrigens auch während des Lesens dieses überaus liebenswürdigen Buchs durchweg zu spüren. Die Anteilnahme gilt zuvörderst den Frauen, die, wie Protagonistin Sandra, in vorgerücktem Alter noch einmal Courage für einen neuen Lebensabschnitt aufbringen müssen. Sie habe eine ermutigende Geschichte für Frauen schreiben wollen, die zeige, dass in jedem Alter ein Neuanfang gewagt werden könne, sagt Nele Jacobsen unter anderem zu ihrer Intention.

Aber eine womöglich ungewollte Wirkung des Buchs macht vielleicht seine besondere Attraktivität aus. Die Sprache fließt gleichmäßig ruhig und harmonisch auch über die Turbulenzen der Handlung dahin. Das ist im besten Sinn beruhigend, entspannend für eine Leserschaft und in Lebenslagen, die weder nach ästhetischen Höhenflügen noch nach einer steilen inhaltlichen Problematik verlangen. Dazu schenkt die Autorin uns eben den ganz besonderen Blick auf die Königin der Blumen. Die vielen poetischen Namen der rosigen Schönheiten, die detaillierten Schilderungen ihrer Pflege bis hin zum Veredlungsvorgang – Rosenliebhaberin Nele Jacobsen versteht es, die eigene Faszination eindringlich auf den Leser zu übertragen.

Nele Jacobsen: Ein Sommer im Rosenhaus, Aufbau-Verlag Taschenbuch 2017, mit Rosenrezepten im Anhang



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