Nach Chemiebrand : Rom: Ermittlung läuft

Die nächsten Kameraden  bereiten sich unter Schutz für den Einsatz vor. Rund 120 Einsatzkräfte der freiwilligen Feuerwehren waren an dem Großeinsatz bei dem Brand auf dem Gelände des Chemielagers in Rom beteiligt. Fotos: Michael-Günther Bölsche
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Die nächsten Kameraden bereiten sich unter Schutz für den Einsatz vor. Rund 120 Einsatzkräfte der freiwilligen Feuerwehren waren an dem Großeinsatz bei dem Brand auf dem Gelände des Chemielagers in Rom beteiligt. Fotos: Michael-Günther Bölsche

26 Einwohner zeitweise in Rom evakuiert / Erdboden wird ausgetauscht

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13. August 2015, 21:00 Uhr

Bei dem Brand in Rom bei der Abfallentsorgungsfirma Alba (SVZ berichtete gestern) entstand hoher Sachschaden, ein Arbeiter litt unter Atembeschwerden und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. 26 Anwohner mussten vorübergehend evakuiert werden.

Der Brand selbst war relativ schnell unter Kontrolle, denn zeitweise waren rund 120 Kameraden von Feuerwehren des Amtes Parchimer Umland sowie der Region im Einsatz. Doch immer wieder, bis zum frühen Abend, entfachten Glutnester neue Feuer, so dass die Kameraden in Chemieschutzanzügen die Flammen bekämpften. Bis 23.20 Uhr waren Einsatzkräfte vor Ort.

„Das Feuer war nicht das Problem, vielmehr die ausgetretenen Chemikalien, die mit dem Löschwasser in den nahen Boden sowie in die Kanalisation und in einen Graben flossen“, so Einsatzleiter David Wollgandt.

Im Bereich der Parchimer Straße (B 191) und des Gartenweges roch es extrem nach Chemie und so entschloss sich die Einsatzleitung, den Anwohnern in diesem Bereich zu raten, vorübergehend im Gemeindezentrum aufzuhalten, eine Art freiwillige Evakuierung. „Wir wissen nicht, welche gesundheitlichen Folgen diese Chemikalien auslösen könnten und wollen so auf Nummer sicher gehen“, so Wollgandt. Nach seinen Informationen waren ätzende und flüssige Stoffe, Aluminiumsulfat, entzündbare Stoffe sowie giftige Pestizide gelagert und durch die Brandfolgen mit dem Löschwasser in die Kanalisation gelangt. Kameraden der FFw Granzin-Greven übernahmen die Aufgabe, die Anwohner zu informieren. Bei den meisten stießen sie auf Verständnis, auch wenn nicht alle das Haus verlassen wollten. Jutta Stier aus dem Gartenweg sah es ganz entspannt und meinte, dass es wichtig sei, „dass keine Menschen verletzt seien“. Sie und weitere zwei Personen aus dem Haus, darunter eine 90-jährige Anwohnerin, nahmen vorübergehend im Gemeindezentrum Platz. „Da können wir mit anderen aus dem Dorf klönen“, meinte sie scherzhaft. Versorgt wurden die Einwohner sowie die Einsatzkräfte dort von den Kameradinnen der FFw Spornitz und Fredo Heinke vom DRK erfasste die freiwillige Evakuierten und hatte auch entsprechende Notfallmedizin mit seinen Kameraden vor Ort. Bei einer 91-jährigen Frau entschied man sich, sie ebenfalls ins Krankenhaus einzuliefern, da aus gesundheitlichen Gründen der Aufenthalt im Gemeindezentrum nicht möglich war.

Kurz vor 18 Uhr traf der ABC-Messwagen des Katastrophenschutzes aus Sternberg ein. Ingo Kühn, Marcus Rischewski aus Sternberg und Alexander Stutz aus Parchim nahmen die Messungen an den Kanalschächten vor. „Wir haben unbekannte Stoffe gemessen und müssen diese von einem Labor untersuchen lassen, eine gesundheitliche Gefährdung ist nicht ausgeschlossen“, so das Ergebnis. Vor allem die Mischung der Materialien, eine Art Chemiecocktail, könnte unangenehme Folgen haben.
Die Ermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen, die Kriminalpolizei und Brandursachenermittler Peter Saeland sowie weitere Experten der Unteren Wasserbehörde und des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt waren und sind vor Ort. Bereits am Brandtag, am Mittwoch, wurden erste Maßnahmen eingeleitet. So wurden Wassereinläufe abgedichtet, in der Kanalisation Sperren eingerichtet und am Einlauf zu einem Bach wurde mit Folie und Kies ein weiteres Vermischen mit offenem Gewässer verhindert. Noch am Abend wurde mit Spezialfahrzeugen das Wasser aus dem kleinen Bach abgepumpt. Vermutlich muss auch noch Boden ausgetauscht werden, aber diese und weitere Maßnahmen liefen gestern an.

Für Einsatzleiter David Wollgandt ist es sehr wichtig, Dank zu sagen. „Alle, vom Bürgermeister Volker Toparkus über Amtsvorsteher Wolfgang Hilpert, der Polizei, dem DRK und den 150 Kameraden der Feuerwehren sowie der Bereiche des Katastrophenschutzes bis hin zur Unteren Wasserbehörde haben sehr gut und effektiv zusammen gearbeitet“, so sein Fazit.

Es ermittelt das Kriminalkommissariat Parchim sowie die Kriminalinspektion Schwerin in Zusammenarbeit mit dem Brandsachverständigen Peter Saeland.

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