Bürgerinitiative befürchtet Geruchsbelästigungen : Rinderanlage erregt Gemüter in Plau

<strong>Die geplante Erweiterung</strong> der Rinderbestände bei der Plauer Milchgut GmbH stößt besonders bei Anwohnern und der Bürgerinitiative für saubere Luft und heile Umwelt auf Kritik. <foto>archiv</foto>
Die geplante Erweiterung der Rinderbestände bei der Plauer Milchgut GmbH stößt besonders bei Anwohnern und der Bürgerinitiative für saubere Luft und heile Umwelt auf Kritik. archiv

Die Plauer Bürgerinitiative für saubere Luft und heile Umwelt nutzte die jüngste Bürgerfragestunde, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Besonders die Anwohner befürchten Geruchsbelästigungen durch die Rinder.

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30. Juli 2012, 05:54 Uhr

PLAU AM SEE | Die Plauer Bürgerinitiative für saubere Luft und heile Umwelt nutzte die Bürgerfragestunde der jüngsten Stadtvertretersitzung, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Es geht um die Erweiterung der Rinderbestände bei der Plauer Milchgut GmbH. Besonders die Anwohner befürchten Geruchsbelästigungen durch die Rinder, in gesteigerter Form bei der Gülleausbringung. Dadurch werde nicht nur die Lebensqualität beeinträchtigt, sondern auch der für Plau am See so wichtige Tourismus. Eine Vertreterin der Bürgerinitiative bekräftigte: "Wir haben nichts gegen die Landwirtschaft, sondern gegen die Massentierhaltung." Bürgermeister Norbert Reier bemühte sich um Klarstellung: "Was verstehen Sie unter Massentierhaltung? Der Tierbestand wird festgestellt nach Großvieheinheiten je Hektar. Beim Milchgut sind das zwei bis drei Großvieheinheiten. Das ist extensive Tierhaltung, keine Massentierhaltung." Reier warb bei der Bürgerinitiative darum, Gemeinsamkeiten zu finden und sich nicht gegenseitig Vorwürfe zu machen: "Das hilft uns nicht weiter. Wir müssen stattdessen gemeinsam dafür streiten, dass die entsprechenden Gesetze geändert werden."

Rüdiger Hoppenhöft (CDU) erkundigte sich, ob die Genehmigungsunterlagen zum Milchgut von Interessenten eingesehen wurden. Sie liegen seit vier Wochen im Rathaus aus. Der Bürgermeister musste konstatieren, dass kein Bürger Einsicht genommen hat.

Im März hatte sich eine Arbeitsgruppe Landwirtschaft und Tourismus gebildet, über deren Tätigkeit Michael Kremp (Linke) als stellvertretender Vorsitzender informierte. Die Bildung erfolgte, weil die Bürger besorgt sind über die Lärm- und Geruchsbelästigung. Es geht um die Gülleausbringung und die Gülleverwertung in einer Biogasanlage. Emotionen werden geschürt, die Arbeitsgruppe will die Dinge auf eine sachliche Ebene bringen. Westlich und nordwestlich der Stadt gibt es 14 landwirtschaftliche Betriebe. Zusammen mit Zulieferern erwirtschaftet die Landwirtschaft jährlich 25 Millionen Euro, der Tourismus 24 Millionen Euro. Nach der Konstituierung am 12. April wurde ein Arbeitsplan aufgestellt, am 9. Mai eine Fachtagung in Dummerstorf besucht, bei der es um die Gülle ging. Am 17. Juli folgte eine Informationsberatung mit der LMS Landwirtschaftsberatung MV/Schleswig-Holstein GmbH, welche gesetzlichen Möglichkeiten zum Einwirken auf Landwirte existieren. "Das Gespräch war sehr nützlich", betonte Kremp. Jetzt gehe es darum, exakt festzuhalten, wann und wie lange Geruchsbelästigungen auftreten, damit diese ans Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt MV (StALU) gemeldet werden können. Dann können Maßnahmen eingeleitet werden. Den Vorwurf, es handele sich bei dem Gremium um eine "Alibi-Veranstaltung" wies Uwe Kienitz (SPD) als Mitglied zurück: "Ich wohne selbst in dem betroffenen Gebiet."

Andreas Schön erkundigte sich, wie die städtische Wirtschaftsförderung organisiert ist. Er habe festgestellt, dass dem Tourismus großes Augenmerk gewidmet wird, dem traditionellen Gewerbe aber nicht. Der Bürgermeister erwiderte, dass die Wirtschaftsförderung vom Landkreis betrieben wird. "Wir wären froh, wenn die Gewerbegebiete voll wären, aber in der Vergangenheit ist keine Ansiedlung gelungen. Beim Gewerbegebiet Güstrower Straße hat das Enteignungsverfahren 13 Jahre gedauert", so der Bürgermeister. Schön wollte ferner wissen, ob es Überlegungen gibt, als Kommune langfristig an den erneuerbaren Energien zu partizipieren. Reier antwortete, dass es angesichts der hohen Verschuldung der Stadt problematisch sei, neu zu investieren: "Ich halte von wirtschaftlichen Risiken nichts. Wir verpachten Grundstücke an Investoren von Solaranlagen. Windenergieanlagen haben wir wegen des Tourismus ausgeschlossen. Für die Solaranlage auf der ehemaligen Deponie an der B 103 bekommen wir jährlich 10 000 Euro Pacht."

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