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Aktionstag des bundesweiten Bündnisses "Umfairteilen" : Reiche sollen mehr Steuern zahlen

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"Das Geld fehlt vorn und hinten. Bei den Rentnern erkenne ich den Pflegenotstand besonders gut: Wir können ihnen nicht so helfen, wie wir wollen", sagt Petra Schröder, Altenpflegerin bei der AWO-Sozialstation Lübz.

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erstellt am 01.Okt.2012 | 10:11 Uhr

lübz | "Das Geld fehlt vorn und hinten. Bei den Rentnern erkenne ich den Pflegenotstand besonders gut: Wir können ihnen nicht so helfen, wie wir wollen", sagt Petra Schröder, Altenpflegerin bei der AWO-Sozialstation Lübz. Die AWO gehört mit dem Arbeitslosenverband, Ortsverband Lübz und Umgebung e. V., dem Mieter- sowie Blinden- und Sehbehindertenverein zu den insgesamt rund 20 Vereinen/Verbänden und Gesellschaften, die das bundesweite Bündnis "Umfairteilen - Reichtum besteuern" unterstützen. In Lübz haben die lokal aktiven Unterstützer am Sonnabend, dem deutschlandweiten Aktionstag in über 40 Städten, auf dem Marktplatz mehr als 100 Unterschriften gesammelt und von Gesprächspartnern viel Zustimmung erfahren. "Für uns ist wichtig, dass das gesamte öffentliche Leben und der soziale Zusammenhalt immer geringer werden, die Armut wächst und überall Förderung wegbricht", sagt Rainer Raeschke, der mit zu den Initiatoren vor Ort gehört. Er ist zwar auch bei den Linken politisch aktiv, doch Parteien seien in diesem Fall nicht die Hauptkräfte, sondern nur Unterstützer. Neben den Linken gehören die SPD und Bündnis90/Die Grünen dazu.

Eine zentrale Forderung lautet, einen Freibetrag von einer Million Euro als Besitz zuzulassen und alle Summen darüber mit fünf Prozent zu besteuern. "Für Deutschland mit jetzt etwa 81 Millionen Einwohnern bedeutete dies eine Summe von rund 80 Milliarden Euro. Gerecht verteilt würden auf jeden also theoretisch 1000 Euro entfallen - sechs Millionen allein für Lübz", so Raeschke. "Damit wäre zum Beispiel die seit Jahren geplante Sanierung der Regionalen Schule kein so großes Pro-blem mehr. Wir stehen jedoch ganz woanders, müssen zusehen, wie die Gemeinden finanziell ausbluten."

Fatale Fehlentscheidungen seit 1998 seien unter anderem gewesen, den Spitzensteuersatz von 53 auf 42 Prozent, die von Firmen zu entrichtende Körperschaftssteuer und auch die Erbschaftssteuer abzusenken. Für Veräußerungsgewinne sei mittlerweile gar nichts mehr zu zahlen. "Alles zusammen kaum abzuschätzende Milliardensummen, die dem Staat entgehen", sagt Raeschke. "Die Reichen werden nachweislich immer reicher, die Armen immer ärmer. Allein in diesem Jahr ist die Zahl der Vermögensmillionäre in Deutschland von 720 000 auf 960 000 gestiegen - und das in der immer wieder als negativ hervorgehobenen Krisenzeit. Fakt ist gleichzeitig, dass die Bruttolöhne allgemein sinken."

Jürgen Lather, Vorsitzender des örtlichen Arbeitslosenverbandes, bekräftige die Forderungen. Gefragt sei mehr Gerechtigkeit: "Die Menschen dürfen finanziell nicht ausbluten, wie es jetzt schon vielfach die Regel ist. Sagen muss man auch, dass es zum Beispiel Unternehmer gibt, die ihre Beschäftgten am Geschäftsgewinn teilhaben lassen, aber ihre Zahl ist vergleichsweise gering." Rainer Raeschke zufolge müsse endlich "Druck von der Straße" kommen, wobei einige Millionäre das Bündnis schon unterstützten und für die Besteuerung in genannter Form sind.

Wer sich näher über das Bündnis informieren möchte, wird im Internet nach Eingabe des Begriffes "umFAIRteilen" fündig oder kann sich bei Rainer Raeschke unter der Rufnummer 01 72/ 3 20 18 59 melden.

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