Einsatz für Infrastruktur in Lübz : „Region glänzt mit Höhepunkten“

Beim erfolgreichen Saisonverkehr auf der Südbahnstrecke im vergangenen Jahr steuerte Bernd Förster die ab Karow eingesetzte, 650 PS starke Dampflok.  Fotos: Ilja Baatz
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Beim erfolgreichen Saisonverkehr auf der Südbahnstrecke im vergangenen Jahr steuerte Bernd Förster die ab Karow eingesetzte, 650 PS starke Dampflok. Fotos: Ilja Baatz

Clemens Russell, Sprecher der Bürgerinitiative „ProSchiene“, sieht eine positive Zukunft für die Südbahn. Verschiedenes Engagement bildet seiner Meinung nach eine Perlenkette.

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09. Januar 2018, 05:00 Uhr

Clemens Russell, Sprecher der sich für den Erhalt der Südbahn einsetzenden Bürgerinitiative (kurz BI) „ProSchiene“, beschäftigt allgemein die wirtschaftliche Entwicklung unserer Region. Nur an Lübz und der direkten Umgebung bleibt er demzufolge nicht hängen. Vieles stehe in Zusammenhang mit der Eisenbahn, so der 64-Jährige in einem Gespräch mit unserer Redaktion: „Einen Anschluss gibt es immer dort, wo Entwicklung stattgefunden hat und deshalb beste Chancen darauf bestehen, dass dies auch weiterhin geschieht. Es ist eine Infrastruktur, die wir unter keinen Umständen aufgeben dürfen – erst recht nicht angesichts ihres guten Zustandes.“

Umso froher sei Russell daher über die mittlerweile auf Landkreisebene bestehende Arbeitsgruppe, in der die Wiederbelebung des Verkehrs auf der Südbahnstrecke zwischen Parchim und Malchow erörtert werde. Vertreter stellen das Land, der Landkreis, die BI „ProSchiene“ und der Fahrgastverband „Pro Bahn“. Darüber hinaus beteiligen sich Bürgermeister von an der Strecke liegenden Städten. „Unser Nachbarkreis Mecklenburgische Seenplatte hat es geschafft, den Bahnbetrieb auf der Teilstrecke Malchow – Waren zu erhalten, indem er die Trägerschaft dafür übernahm sowie umfangreiche Finanzverhandlungen mit dem Innenministerium und der Hanseatischen Eisenbahngesellschaft führte – eine entscheidende Wende!“, sagt Russell. Auch den Zugverkehr zwischen Hagenow und Parchim sieht er nicht mehr in Gefahr.

In der Arbeitsgemeinschaft, die jetzt die Wiederbelebung der restlichen Teilstrecke prüfe, habe man Vertraulichkeit vereinbart. Die Stimmung sei grundsätzlich positiv, was auch für die Fortführung des Saisonverkehrs in diesem Jahr gelte. Im Sommer 2017 angebotene Sonderfahrten unter anderem mit einer viel bestaunten, 650 PS starken Dampflok (wir berichteten) hatten sich als sehr beliebt erwiesen. „Wir müssen noch über ein paar Stöckchen springen, Herausforderungen bewältigen, wobei auch die Unterstützung der Ministerpräsidentin von Bedeutung ist“, meint der Sprecher.

Plau am See sei in unserer Region ein besonders wichtiger touristischer Magnet, der die Bahn überregional gesehen benötige, weshalb zahlreiche dortige Einwohner hartnäckig daran festhielten, wieder angeschlossen zu werden. Viele, die die Stadt lokaler betrachtet aus Richtung Parchim kommend erreichen möchten, befürworteten den Bus: „Dabei werden Regionalisierungsmittel ausgezahlt, die eigentlich für die Bahn bestimmt sind.“ Der breite Umstieg auf den Individualverkehr mit dem Auto sei „ein Schlag ins Gesicht ökologisch ausgerichteter Verkehrspolitik“.

Unsere Region biete eine Vielzahl von Höhepunkten, die aus dem Stand vollständig zu nennen unmöglich sei. Besonders beeindruckt hat Russell, dass das Eldenburg-Gymnasium mittlerweile zu den besten 20 Schulen Deutschlands gehöre. „Und egal, ob das Lübzer Turmfest, der Parchimer Martinimarkt, die Plauer Badewannenrallye, das Malchower Stadtfest, das Agroneum Schwerin oder die Ziegelei Benzin – alles trägt zur Attraktivität bei“, sagt Russell. „Hinzu kommen Kommunen, die sich trotz knapper Kassen auf die Hinterbeine stellen, um die Infrastruktur im sozialen Bereich zu erhalten und zu stärken. Alles reiht sich wie eine Perlenkette aneinander.“

Das große leerstehende Hotel am Lübzer Marktplatz etwa sei ein Potential, das man nutzen müsse. Dadurch ließe sich die Attraktivität nochmals steigern. Jedem müssten die vorhandenen Werte durch Natur, Kultur, Engagement, Bildungsangebote sowie der notwendige Einsatz für Infrastruktur, ältere Einwohner, Schüler und Pendler bewusst sein: „Zur Metropolregion Hamburg zu gehören darf nicht nur ein Begriff sein, sondern genau zwischen Hamburg und Berlin lebend müssen wir auf uns aufmerksam machen.“

Der Verein Lübzer Land e.V. habe sich erfreulicherweise sehr kooperativ bei der Unterstützung des Saisonverkehrs auf der Südbahnstrecke gezeigt und positiv hervorheben müsse man ebenfalls, dass zum Beispiel Platz für neues Gewerbe vorhanden sei – eine Beschreibung, in die die im vergangenen Jahr erfolgte Schließung der Wurstfabrik in Lübz nicht passe: „So etwas sollte nicht noch einmal passieren.“

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