landtagswahl - die direktkandidaten : Region entwickeln statt abwickeln

Für seine Wahlkampf-Touren hat sich Clemens Russell extra ein Elektro-Auto gemietet. Der Elektro-Mobilität gehört seiner Meinung nach die Zukunft. Sie solle neben Rufbussen auch als Zubringer für die Südbahn genutzt werden.
Für seine Wahlkampf-Touren hat sich Clemens Russell extra ein Elektro-Auto gemietet. Der Elektro-Mobilität gehört seiner Meinung nach die Zukunft. Sie solle neben Rufbussen auch als Zubringer für die Südbahn genutzt werden.

Clemens Russell kandidiert als parteiloser Direktkandidat für Die Linke. Kampf um die Südbahn macht ihn zum politischen Quereinsteiger

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21. August 2016, 12:00 Uhr

Es gibt wohl keinen Namen, der enger mit dem Kampf um die Südbahn verbunden ist als der des politischen Quereinsteigers Clemens Russell. Unpolitisch war der 62-Jährige auch vor dieser streitbaren Zeit nicht. Doch ist es gerade sein Engagement in der Bürgerinitiative für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Ost-West-Verbindung auf der Schiene, die den Parteilosen bewog, sich als Direktkandidat für die Linke um ein Mandat im Landtag zu bewerben. Denn eines kann und will Russell nicht leugnen: Er sieht in der Zerschlagung der Südbahn das Symbol einer gescheiterten Politik für vieles, was im ländlichen Raum geschehen ist.

Russell möchte vieles anders und besser machen, die Region entwickeln anstatt sie abzuwickeln. Soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Infrastruktur, öffentlicher Personennahverkehr, Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, medizinische Versorgung, Fachkräftesicherung, Breitbandausbau, Attraktivität der Region – das Feld politischer Herausforderungen sieht er breit bestellt. Nach Schwerpunkten gefragt, stellt Russell Bürgerbeteiligung ganz klar voran. Wie immens wichtig sie sei, sehe man bei Südbahn und Windkraft. Die Akzeptanz auf überregionale Planung sinke mit steigender Masthöhe, sagt er, und „unsere Region leistet einen großen Beitrag zur Energiewende. Die Windräder umstellen Gemeinden, die jeden Euro dreimal umdrehen. Deshalb müssen sie am Planungprozess und an der Wertschöpfung beteiligt werden“ . Fokus legt der Benziner auch auf den sozialen Zusammenhalt. Nach seiner Meinung gibt es zu viel Ungleichheit und Ungerechtigkeit. Sozialen Zusammenhalt sichern und entwickeln müsse zur Pflichtaufgabe der Gemeinden werden – im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung und natürlich mit auskömmlicher Finanzierung. Mehr stationäre und ambulante Angebote für Kinder und Jugendliche – dafür will er sich einsetzen. Eine bessere Ärzteversorgung der ländlichen Region steht auf seiner Agenda, denn für ihn stimmt das Verhältnis 43 600 Einwohner im Wahlkreis und nur zwei Kinderärzte ganz und gar nicht. Clemens Russell findet es sehr gut, dass viele Firmen bereit sind, Flüchtlingen einen Arbeits- oder Praktikumsplatz zu bieten: „Daraus kann eine Win-Win-Situation werden. Diesen Weg, den Jobcenter und IHK professionell gehen, würde ich unterstützen.“

Egal, ob die Linke im Landtag Opposition bleibt oder möglicherweise auch koaliert, wenn er in den Landtag kommt, will er als erstes ein vernünftiges Südbahnkonzept auf den Tisch legen und dann um das Geld für dessen schnelle Umsetzung kämpfen.

Der Privatmann Clemens Russell ist übrigens Westberliner und lebt seit 1977 mit der in der Schweiz geborenen Bildhauerin Claudia Ammann zusammen. Gemeinsam haben sie drei Kinder, vier Enkel und wenn Familie oder Freunde daheim in Benzin zu Besuch sind, werden bei Tisch schon mal drei Sprachen gesprochen. Beruflich erledigt der studierte Soziologe, der viele Jahre bei der EU gearbeitet hat, momentan zwei Jobs: Seine sind das Netzwerkmanagement in der Behindertenhilfe MV genauso wie ein Projekt im Auftrag der brandenburgischen Regierung, das Straftäter resozialisieren hilft.

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