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Erwin Sellering auf Dialogtour in Goldberg : Reden ist Silber, Zuhören ist Gold

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Goldberg war die zweite Station auf Erwin Sellerings „Dialogtour“. Fragekarten machten den Bürger das Einmischen leichter.

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Jede Menge hochkomplexer Zusammenhänge. Vom Flüchtlingsproblem und Nato-Bündnisverpflichtung über Schulstandorte, Umgehungsstraßen und Biomassetransporte – in zweieinhalb Stunden lässt sich die Welt nicht ändern, auch nicht die regionale. Der große Strauß der Themen, der seitens der Bürger und Bürgerinnen in der Goldberger Husemannschule zusammengestellt wurde, ließ sich im gegebenen Rahmen aber auch kaum inhaltlich ausreichend vertiefen. Es zählte in erster Linie wohl doch die Geste. Ein Spiegel nach dem Motto „Wo den Bürger der Schuh drückt“ war diese Veranstaltung in jedem Fall.

Um 18 Uhr begann der Goldberger Dialogtermin, eine halbe Stunde später als ursprünglich angekündigt. Wie anlässlich der ersten Station der Tour in Eggesin (Kreis Vorpommern-Greifswald) lag auf jedem Stuhl eine Karte bereit, die Teilnehmer konnten ihre Frage(n) an Sellering darauf notieren. So ließ sich das Fragevolumen auf Themen konzentrieren, das Verfahren sollte aber auch, so SPD-Landesgeschäftsführer Marcus Unbenannt, die in einem solchen Plenum weniger redefreudigen Bürger animieren, sich zu äußern. Der Kugelschreiber dazu mit SPD-Aufdruck signalisierte, dass es sich hier um eine Veranstaltung der Sozialdemokraten handelte. Erwin Sellering betonte daher auch zu Beginn, dass er hier in seiner Eigenschaft als Landesvorsitzender der SPD stehe, weniger als Ministerpräsident. Realistischerweise konnte er die Repräsentanz des hohen Amts aber kaum an der Garderobe abgeben und sicher sahen auch einige seiner  Dialogpartner in Sellering den noch amtierenden Landesvater. Eine Teilnehmerin wünschte sich vom „Boss“ Sellering gar die Anweisung, dass die Gemeinde ihrer Flüchtlingsinitiative einmal monatlich Räume für ein Café, die bislang verweigert wurden, zur Verfügung stelle.

Dass die Dialogtour auch eine Aktion des beginnenden Wahljahres sei, verschwieg der SPD-Landesvorsitzende nicht. Dies mag der Grund dafür gewesen sein, dass der Bürgermeister von Goldberg der Veranstaltung nicht beiwohnte, ferner wohl auch nur ein Mitglied des Stadtrats anwesend war. Es ist also wieder einmal Wahlkampf. Aber es ist auch eine Zeit, in der „die Welt aus den Fugen“ (Sellering) ist. Gleich zu Beginn schlug der prominente SPD-Mann das Flüchtlingsthema an, zunächst innerhalb des ersten Teils der dreiteiligen Veranstaltung, in der Sellering, dem übrigens MdL Thomas Schwarz (Wahlkreis 32) zur Seite stand, seine programmatischen Schwerpunkte nannte, wie Stärkung „innovativer Felder“, schnelles Internet, steigendes Lohnniveau. Der ausgewiesene Windkraftfreund Sellering formulierte ebenfalls Zielvorstellungen für den „Zusammenhalt“ in der Gesellschaft wie Stärkung der Familie mit Schwerpunkt Kita und Beitragssplitting für Familien mit mehreren Kindern in der Tagesstätte, Rentenanpassung an West-Niveau, Verringerung der Zuwanderung, deutlich zügigere Bearbeitung von Asylanträgen sowie prompte Entscheidung hinsichtlich aussichtsloser Fälle.

Trotz des Kartenverfahrens verlief der zweite Teil des Abends bewegt. Der Ministerpräsident bemühte sich sichtlich, auch spontane Meldungen aus dem Plenum zum angeschlagenen „Kartenthema“ zuzulassen und das waren nicht wenige. Sachfragen, oft Zuständigkeitsfragen, wurden kurz und knapp beantwortet, längere Monologe Sellerings blieben aus, eher war es für thematisch Uneingeweihte manchmal schwierig zu folgen. Themen und Fragen waren etwa je zur Hälfte regionale und bundesweite oder internationale. Ob die SPD sich dafür einsetzen werde, dass der Krankenkassenbeitrag wieder zu gleichen Anteilen getragen werde, war eine der Fragen. Sellering bejahte. Die Behörden machten in der Flüchtlingsfrage „Dienst nach Vorschrift“ lautete ein kritischer Beitrag, der mit Applaus bedacht wurde. Sellering betonte hingegen das ebenfalls außerordentliche Engagement der Hauptamtlichen. Die Politiker müssten sich hinsichtlich der Flüchtlinge „ehrlicher machen“, so ein weiterer Beitrag, vielleicht der provokanteste an diesem Abend. Sellering, der mit dem Mikro auch ins Publikum hinein ging und an der Bürgerfront einiges an Charme einsetzte, stieß an dieser Stelle allerdings mit dem Absatz auf: Man müsse weg von dem Bild, dass „die einen die Politiker und die anderen die vernünftigen Bürger“ seien. Man müsse den Scheinwerfer vor allem auf das Positive richten, lautete seine Botschaft an anderer Stelle. Hier lugte auch ein Stück Menschlichkeit aus dem Rollendress hervor.

Das Gewiefte der eloquenten politischen Rede, die über das eigentlich Gemeinte des Bürgers gerne mal schneidig hinweg argumentiert, gerät häufig zum Ärgernis. Aber sie ist die Sprache des politischen Alltags. Sellering versuchte immerhin verständlich zu sein. Manche Antwort fiel naturgemäß etwas sehr allgemein aus, manche Frage wurde auch an Thomas Schwarz weitergereicht, etwa die nach der Kappung der Südbahn Parchim-Malchow. Gut zwei Stunden bis zum dritten Teil waren eine bemessene Zeit, nicht alle Karten konnten „bearbeitet“ werden, aber im dritten Teil des Abends konnten Sellering noch spezielle Anliegen individuell vorgetragen werden.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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