Gift in Energiesparlampen: Lübz setzt auf LED-Technik : Quecksilberalarm zu wenig beachtet

Auf dem Lübzer Bauhof abgegebene Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen
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Auf dem Lübzer Bauhof abgegebene Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen

Unabhängig von der Diskussion mit oft in alle Richtungen gehenden Meinungen, wie gefährlich Energiesparlampen wirklich sind, folgen immer mehr Verbraucher den Erkenntnissen von Spezialisten, die die Giftigkeit belegen.

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07. September 2012, 10:38 Uhr

lübz | Unabhängig von der Diskussion mit oft in alle Richtungen gehenden Meinungen, wie gefährlich Energiesparlampen nun wirklich sind, folgen immer mehr Verbraucher den Erkenntnissen von Spezialisten, die die Giftigkeit durch Versuche im Labor belegen. Zu ihnen gehört zum Beispiel Gary Zörner vom Labor für chemische und mikrobiologische Analytik in Delmenhorst, der seine eindringlichen Warnungen erst in dieser Woche im Fernsehen auch vor zahlreichen Zuschauern aus dem Lübzer Raum erneuert hat. Sie betreffen nicht nur den Betrieb der Lampen, bei dem neuesten Untersuchungen zufolge Quecksilberdämpfe zwischen Gewinde und Glaskörper austreten, sondern auch die Entsorgung, die häufig nicht vorschriftsmäßig erfolge. Zerbricht eine Energiesparlampe, was zum Beispiel auch leicht beim unsachgemäßen Einsammeln passiert, verdampfe das in ihr enthaltene, hochgiftige Quecksilber sofort. Wer es einatmet, könne schwer krank werden, nach bisherigen Erkenntnissen besonders Hirn- und Nierenschäden davontragen. Fatal seien Ratschläge, die Scherben mit einem Handfeger zusammen zu kehren und in den Hausmüll zu werfen oder sie mit einem Staubsauger zu beseitigen - noch schlimmer, weil er das Gift durch den Motor im gesamten Raum verteilt.

Jedes Jahr landen hunderttausende Energiesparlampen im Hausmüll, was wegen der hohen Giftigkeit verboten ist. Dabei seien die Hersteller - nicht die Händler - dazu verpflichtet, die alten Lampen zurück zu nehmen. In Lübz hat die Parchimer Entsorgungs GmbH (PEG) auf dem Gelände des Bauhofes neben Containern für Elektronikschrott, nicht mehr funktionierende Haushaltsgeräte und Grünabfall unter anderem auch einen stabilen Drahtkäfig aufgestellt, in dem alte Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen abgelegt werden können. Zumindest bis gestern war kein darin liegendes Exemplar zerbrochen. Nach Aussagen von Bauhofmitarbeitern werde das Angebot nur mäßig angenommen. "Es wird genutzt, aber es könnte besser sein", bestätigt Gisela Gesell, Geschäftsführerin der PEG. "So gut wie sicher ist, dass vieles noch im Hausmüll landet." Angenommen werden die genannten Dinge jeden Freitag von 13 bis 19 Uhr.

Die Unterbringung in dem Drahtkäfig entspreche Gisela Gesell zufolge den Vorschriften. Die PEG sei nur eine Zwischenstelle. Ist der Sammelbehälter voll, verständigt sie das "Elektro-Altgeräte-Register" (EAR) - eine Einrichtung analog dem Dualen System - die verschiedene Firmen mit der Abholung beauftrage. Demzufolge gebe es dafür keine festen Termine. Neben Lübz unterhält die PEG Annahmestellen in Parchim, Kobrow und Plate.

In öffentlichen Verwaltungsgebäuden in Lübz etwa gibt es keine Energiesparlampen, sondern nur Leuchtstoffröhren, wie sie seit Jahrzehnten überall zu finden sind. Auch sie enthalten Quecksilber und zudem Argon, das Fachleute jedoch als weitaus weniger problematisch ansehen und die Röhren sind Versuchen zufolge dichter als Glasbirnen mit Metallsockel. Wegen des Quecksilbers ist jedoch auch bei ihnen höchste Vorsicht geboten, wenn es ums Zerbrechen geht. Darauf angesprochen, wohin die Entwicklung seiner Meinung nach gehen wird, sagt Thomas Rosenfeldt, als Bürgeramtsleiter auch für die Bereiche Ordnung und Sicherheit zuständig: "Von dem, was gegenwärtig verfügbar ist, sehen wir als Stadt LED-Technik als die beste Variante an. Sie ist von der Entwicklung her so weit, dass sie gleichwertig funktioniert und außerdem sehr lange hält. Allerdings ist sie auch sehr teuer - zumindest noch. Ein flächendeckender Einsatz kommt daher nicht in Frage. Wenn ich in der momentanen Haushaltssituation den Stadtvertretern zum Beispiel sagen würde, dass ich 100 000 Euro oder mehr brauche, um alle Lampen in der Verwaltung umzurüsten, dürften sie sich mit der Bewilligung schwer tun. Noch ganz andere Summen ergeben sich zum Beispiel in Schulen."

Bei einer Sanierung hingegen, durch die eh alles auf den neuesten Stand gebracht werde, sollte man auch die Umstellung der Beleuchtung einbeziehen. Die Stadt hat dies zum Beispiel in der Scharnhorststraße getan. Dort sorgt bereits LED-Technik für Licht. In Debatten über die Straßenbeleuchtung habe man sie als einzige zukunftsfähige Alternative anerkannt. Dass auch hier die Umrüstung der ganzen Stadt objektiv betrachtet nicht auf einmal funktionieren kann, verdeutlicht folgender Fakt: Der Umrüstsatz für eine einzige Straßenlaterne kostet mehrere 100 Euro.

Auch Thomas Rosenfeldt sind Energiesparlampen nicht mehr geheuer. Er hatte sein ganzes Haus damit ausgestattet, jetzt finden sich in allen Fassungen wieder Glühbirnen - rechtzeitig vorm Verkaufsverbot noch in großen Mengen eingelagert. "Ich frage mich, wie es möglich war, solch einen Artikel auch noch zwangsweise einzuführen, wenn er schon von den Inhaltsstoffen her so giftig ist, was zumindest den Verantwortlichen in vollem Maß bekannt war", sagt der Amtsleiter. "Das ist verantwortungslos und für mich nichts anderes als rücksichtslose Wirtschaftsförderung. Außerdem ist interessant, ob alle Länder in der EU ebenso konsequent wie Deutschland verfahren, was das Ende der Glühbirne betrifft."

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