Kontakt : Putenproblem und NVA-Erbe

Gespräch über die Sorgen und Nöte der Region: IHK-Präsident Hans Thon, Bürgermeister Peer Grützmacher , Marko Kinski, der leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Goldberg-Mildenitz und IHK-Hauptgeschäftsführer Siegbert Eisenach.
Gespräch über die Sorgen und Nöte der Region: IHK-Präsident Hans Thon, Bürgermeister Peer Grützmacher , Marko Kinski, der leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Goldberg-Mildenitz und IHK-Hauptgeschäftsführer Siegbert Eisenach.

Die IHK war vor Ort in Goldberg. Es gab ein Gespräch über die Sorgen und Nöte der Region.

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01. März 2018, 05:00 Uhr

Dem Vernehmen nach ist es ziemlich einfach. Der Grund für all die Probleme, mit denen sich die Stadt und das Amt Goldberg-Mildenitz herumschlägt, ist die Armee. Die früheren Standorte der NVA und Garant für Arbeitsplätze in Goldberg und Karow, sie seien dafür verantwortlich, dass die Menschen nach der Wiedervereinigung weg sind und heute nicht mehr wiederkommen. Das Gelände in Goldberg? Würden sie gerne bebauen, feine Ferienhäuser direkt am Goldberger See. Geht aber nicht. Der ansässige Putenbauer will nicht weg. Und dann seien da noch die Schießübungen in Karow, etwa zwei Kilometer von Goldberg entfernt. Die Konsequenz: Der Traum von Ferienhäusern zerplatzt mit den Puten und den Schüssen. Niemand wolle dort Urlaub machen, geschweige denn wohnen. Und so bliebe der See, der die Leute in die Region locken soll, nicht viel mehr als ein schönes Motiv.

Gesagt hat das der Goldberger Bürgermeister, Peer Grützmacher, beim Gespräch mit zwei Vertretern der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin, Hauptgeschäftsführer Siegbert Eisenach und Hans Thon, dem Präsidenten. Die Wahrheit ist natürlich komplexer. Marko Kinski, der leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Goldberg-Mildenitz, umschreibt es mit folgenden Worten: Es gibt in der Gegend nur wenige Arbeitsplätze, die Betriebe brechen weg oder sind längst weggebrochen, die jungen Leute gehen weg, es kommen logischerweise keine nach, das Durchschnittsalter der Einwohner steigt mit jedem Jahr. Es wirkt, als könne er verstehen, dass sich Investoren oder Privatpersonen schwer tun, hier etwas aufbauen zu wollen – oder zu können. Eisenach, der Hauptgeschäftsführer, bezeichnet die Verkehrsanbindung der Gegend als suboptimal.

„Die Kommune ist, lax gesagt, schwach auf der Brust“, sagt er. Schade sei das, immerhin zählt sie zur Metropolregion Hamburg und von der Alster mit ihren reichen Bewohnern und Gästen bis hierhin, rechnet Eisenberg vor, sind es gerade einmal 150 Kilometer. Da müsse doch etwas gehen.

Kinski und Grützmacher erwidern: Eine bessere Anbindung wird es die nächsten zehn bis zwanzig Jahre nicht geben. Eine Ortsumgehung sei laut Dringlichkeitstabelle des Verkehrsministeriums in Schwerin nur an hinterer Stelle. Bis dahin rollen und donnern die Lastwagen weiter durch die Innenstadt. Mit Tempo 50. Sie wollen gerne die 30 sehen, damit es ruhiger wird und per Verkehrskontrolle Geld in die so klammen Kassen gelangt. Aber Kinski winkt ab, das würde in nächster Zeit nichts.

Er könne ja mal boshaft sein, sagt IHK-Chef Eisenach mit einem Lächeln. „Wenn in den letzten 25 Jahren mehr Geld in den Ort gesteckt worden wäre, dann wäre es besser.“ Gegenworte bekommt er nicht. Es sei nun mal alles sehr schwierig hier. Einig sind sich am Ende alle: In Goldberg und seiner Peripherie muss viel passieren.

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