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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. November 2017 | 07:08 Uhr

wildpinkel-atlas : Pullerstrafe! Was dürfen wir noch?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Auch wenn die „Schmutzfinkenkataloge“ der drei Städte Wildpinkler nicht im Visier haben: Öffentliches Urinieren könnte teuer werden

von
erstellt am 08.Aug.2014 | 22:00 Uhr

Ein Jeder kennt das Gefühl, hat den Drang sicherlich schon mindestens einmal selbst verspürt. Doch nicht überall darf ein Jeder sich erleichtern. „Wildpinkeln“ lautet das Stichwort. Derzeit wird dies in Deutschland diskutiert. Eine sogenannte Pullerstrafe wird verhängt, wer in flagranti erwischt wird. Vor allem in größeren Städten ist das Urinieren in der Öffentlichkeit nicht gern gesehen.

Nicht gern gesehen ist es auch im ländlichen Bereich wie Lübz, Goldberg oder Plau am See. Doch hier wird das „Wildpinkeln“ etwas lockerer genommen als andernorts. „Wenn viele Feste stattfinden, haben wir das schon mal, dass sich jemand nicht auf der Toilette erleichtert. Dennoch können wir sagen, dass die öffentliche Toilette in Lübz sehr gut genutzt wird“, erzählt Ordnungsamtsleiter, Thomas Rosenfeldt, auf Nachfrage von SVZ. Generell aber ist das Verunreinigen von Straßen – worunter auch das Urinieren in der Öffentlichkeit fällt – in Lübz verboten. „Es gibt bei uns einen Höchstbetrag für alle Ordnungswidrigkeiten, der maximal 5000 Euro beträgt“, so Rosenfeldt weiter.

Wer seine Notdurft im Stadtgebiet erledigt, und dabei erwischt wird, muss auch mit einer Strafe rechnen. In Lübz gibt es ein Verwarngeld von 35 bis 50 Euro. „Wie hoch der Betrag letztendlich ist, das liegt im Ermessen des Ordnungsamtsmitarbeiters. Wer häufiger erwischt wird, muss sicherlich auch mit mehr als 50 Euro rechnen“, verdeutlicht Thomas Rosenfeldt den Sachverhalt.

Der Gang zur öffentlichen Toilette ist da sicherlich günstiger. Neben Lübz und Plau am See hat auch Goldberg ein öffentliches WC, das in der Langen Straße 63, seit genau zwei Jahren betrieben wird. Ein Toilettengang kostet hier 50 Cent. In jedem Fall günstiger. Volkmar Labahn vom Ordnungsamt Goldberg-Mildenitz kann sich nicht erinnern, jemals ein Bußgeld wegen Urinierens in der Öffentlichkeit vergeben zu haben. „Wir haben keine eigene Ortssatzung, die dies regelt. Ich wüsste jetzt nicht, dass wir schon jemals so einen Fall hatten. Aber generell ist das Urinieren in der Öffentlichkeit überall verboten – auch bei uns in Goldberg“, weist Volkmar Labahn noch einmal daraufhin.

Auch die Beamten im Bereich der Polizeiinspektion Ludwigslust handeln mit Augenmaß, versichert Sprecher Klaus Wiechmann: „Es macht schon einen großen Unterschied, ob jemand in höchster Not keine Toilette findet oder ob sich jemand betrunken in die Fußgängerzone stellt.“ Generell sei Fremdpinkeln aber im Landkreis kein Thema.

Ausdrücklich erwähnt wird das „Wildpinkeln“ in den Straßenreinigungssatzungen der drei Städte Goldberg, Lübz und Plau nicht. Hier wird lediglich von Außergewöhnlichen Verunreinigungen von Straßen geschrieben. Dennoch ist wildes Pullern alles andere als gratis. Geregelt greift hier der Paragraf 118 des Ordnungswidrigkeitengesetzes (OWiG), der Belästigungen der Allgemeinheit regelt. Nach diesem Gesetzeswerk wäre Wildpinkeln eine „grob ungehörige Handlung, die geeignet ist, die Allgemeinheit zu belästigen“ und damit alles andere als kostenfrei. Das OWiG sieht dafür ein Bußgeld in Höhe von 5 bis 1000 Euro vor.

Verwaltungsmenschen sprechen in solch einem Fall von einer Regulierungslücke. Also: Mut zur Lücke und ab in die Büsche – wenn keiner guckt.

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