Interview mit Schornsteinfeger Müller : Prosit! Auf ein gesundes Jahr 2018

Bezirksschornsteinfeger Mario Müller feiert Silvester mit Freunden.
Bezirksschornsteinfeger Mario Müller feiert Silvester mit Freunden.

Schornsteinfeger Mario Müller ist Unglücksvermeider und Glücksbringer

svz.de von
31. Dezember 2017, 16:00 Uhr

Die Angehörigen der schwarzen Zunft gelten seit alters her als Glücksbringer. Neben dem Glücksschwein, dem vierblättrigen Kleeblatt, dem Hufeisen oder dem Glückspfennig ist der Schornsteinfeger sogar ein Glückssymbol in Person. Zum Jahreswechsel sprach unsere Mitarbeiterin Monika Maria Degner mit dem bevollmächtigten „Glücksbringer“ unseres Bezirks – mit Mario Müller.

Herr Müller, wissen Sie, warum ausgerechnet der Kaminkehrer Glück bringen soll?
Mario Müller: Er bringt es ganz konkret, weil er ja dem Brand vorbeugt. In früheren Jahrhunderten brannten nicht selten ganze Städte ab. Nicht nur im Mittelalter, sondern bis in die Neuzeit hinein. Ursprünglich gab es in den Häusern sogar noch „wilde Feuerstellen“, keine Schornsteine, der Rauch wurde über den Dachboden rausgelassen. Brände waren eine Geißel. Wir sind Glücksbringer, weil wir Unglücksvermeider sind.

Leuchtet ein. Der Aberglaube besagt ja, man solle den Schornsteinfeger am Ärmel oder an seinen goldenen Knöpfen anfassen. Haben Sie das auch erlebt?
Heute trage ich nur noch selten die schwarze Kluft. Da passiert es nicht mehr. Aber als ich noch Geselle war, morgens in einen Ort ging und den ganzen Tag die Kluft anhatte, da kamen die Leute: „Guten Tag. Lass mal anfassen!“ Manche haben mir auch über die Schulter gespuckt. Das ist gefühlt sogar häufiger in der Stadt als auf dem Land passiert.

Bedeuten Ihnen persönlich Glücksbringer etwas?
Ich denke, nein. Trotzdem, als ich beim Bau einmal ein Hufeisen gefunden habe, da habe ich es über die Werkstatt gehängt. Jedes andere rostige Ding hätte ich wohl weggeworfen.

Sie sagten, Sie seien Glücksbringer, weil Sie Unglücksvermeider seien. Wie sieht es damit heute aus?
Die Brandverhütung hat für uns immer noch Priorität und sie ist notwendig. Ruß muss aus dem Schornstein entfernt werden. Heizt man zum Beispiel mit zu nassem Holz oder auch zu großen Holzstücken entsteht auch mehr Teerruß. Und Ruß ist zurückgebliebener Kohlenstoff, der sich entzünden kann. Hat man bei hoher Temperatur etwa einen Zentimeter Ruß im Schornstein, dann kann er sich entzünden, die Rußschicht bläht sich auf, die Temperatur geht auf gute 1000 Grad hoch, „wandert“ über den Schornstein hinaus und greift zum Beispiel auf das Holz des Dachstuhls über. Es gibt natürlich noch anderes, das wir in Sachen Brandverhütung kontrollieren müssen.

Also ein Glück, dass es Ihre Zunft gibt! Nehmen wir an, Sie könnten der Welt tatsächlich Glück bringen. Welche Art „Glück“ würden Sie verwirklichen?
Ich würde Frieden bringen und den Hunger beseitigen. Das Kapital ist da. Die Unterschiede zwischen Reich und Arm sind viel zu groß geworden.

Und was wünschen Sie unserem Bundesland?
Natürlich dass der Facharbeitermangel beseitigt wäre. Und dass es lohntechnisch eine Angleichung geben würde, auch um Abwanderung zu vermeiden. In unserem Handwerk beispielsweise gilt ab 2020 Lohnangleichung.

Ich sehe da eine ziemlich große Flasche Sekt stehen. Wie werden Sie und Ihre Frau den Jahreswechsel verbringen?
Mit Party natürlich! Wir treffen uns mit Freunden, aber eher im kleineren Rahmen.

Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch und viel Glück im neuen Jahr!

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