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Auszeichnung in Plau : Projekt trifft den Nerv der Jugend

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Aphasiker-Zentrum Mecklenburg-Vorpommern e.V. vom Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung in MV geehrt


Mehr als 200 Schülerinnen und Schüler der Landkreise Ludwigslust-Parchim und Mecklenburgischen Seenplatte nahmen seit Jahresanfang am Projekt: „Aphasie - die verlorene Sprache“ teil und können jetzt ihr Wissen als Multiplikatoren in Sachen Aphasie/Verkehrsunfallprävention weitergeben. Mit dem Projekt informiert das Aphasiker-Zentrum Mecklenburg-Vorpommern e.V., ein gemeinnütziger Verein mit Sitz am Mediclin Reha-Zentrum Plau am See gemeinsam mit Betroffenen die Schüler über Aphasie und Halbseitenlähmung als mögliche Folgen eines Verkehrsunfalls.

Das Projekt wird unterstützt vom Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung in MV und wurde auf dem 9. Landespräventionstag MV von Birgit Hesse, Ministerin für Bildung, Kultur und Wissenschaft M-V, ausgezeichnet.

Anja Richter, Sprachwissenschaftlerin, erklärte, was Aphasie ist: „Es ist eine Sprachstörung, die z.B. nach einer Schädel-Hirn Verletzung oder nach einem Schlaganfall entstehen kann. Ganz plötzlich werden automatisch genutzte sprachliche Fähigkeiten, wie Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben, zu harter Arbeit. Eine Aphasie ist eine Sprach-, keine Denkstörung. Von Aphasie betroffen zu sein, fühlt sich an, „wie ein Vogel im Käfig“, und außerhalb des Käfigs läuft das Leben weiter: www.aphasie-mv.de

Ein Verkehrsunfall kann jeden treffen, die Gefahr ist aber in den entsprechenden Risikoaltersgruppen der jungen Verkehrsteilnehmer nur unterschwellig präsent. Videos, Plakate und Flyer zum Thema Verkehrsunfall schockieren oft nur kurzzeitig. Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma begleitet Betroffene oft lebenslang und berührt das gesamte Lebensumfeld: Freunde, Familie, Beruf. Im Projekt des Aphasiker-Zentrums MV e.V., geben Betroffene ungefiltert eigene Erfahrung an Schüler weiter. Andrea Beyer, die das Projekt, von der Geburtsstunde an als Betroffene begleitet, berührt mit ihrer persönlichen Geschichte. Sie ist Referendarin für Deutsch und Geschichte, als sie auf dem Weg zu einer Fortbildung einen schweren Verkehrsunfall hat, der ihr Leben schlagartig verändert. Heute begleitet sie das Projekt im Ehrenamt und gibt ihr Wissen weiter. Das Kennenlernen macht für die Schüler spürbar, was es heißt, plötzlich von einer Aphasie betroffen zu sein und sich mit diversen Einschränkungen arrangieren zu müssen, wie zum Beispiel, einhändig eine Mahlzeit zubereiten, einen Reißverschluss mit einer Hand zu schließen, mit Worten zu kämpfen, wenn keiner zuhört.

In der Weiterentwicklung des Projekts finden Schulungen für Betroffene statt: „Aphasiker als Tutoren – Mentaltraining am Tablet“. Andrea Beyer erklärt stellvertretend für alle anderen, die das Projekt ehrenamtlich begleiten: „Wir sind so stolz. Die Auszeichnung ist eine große Anerkennung unserer Arbeit.“ Alle Tutoren freuen sich auf ihren nächsten Einsatz in der Schule.

Ingrid Freier, Leiterin des Aphasikerzentrums MV in Plau am See, ist stolz auf die Anerkennung der Leistung. „Viele Jahre schon führen wir unser Projekt erfolgreich in Schulen hier im Landkreis aber auch im Nachbarlandkreis mecklenburgische Seenplatte durch, und die Schulen fordern uns immer weder an“, sagt sie und betont, dass auch für die Betroffenen die ehrenamtliche Tätigkeit einen große Anerkennung bedeutet.

Das Besondere am Projekt sei tatsächlich, dass Schüler direkt mit Betroffenen ins Gespräch kommen können. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass durch das direkte Zusammentreffen bei den Schülern viel mehr haften bleibt, einfach, weil sie begreifen. Begreifen, dass die Folgen eines Unfalls durchaus nicht nur kurzfristig sind, sondern die Opfer oftmals viele Jahre damit zu kämpfen haben und sie ihr Leben neu ordnen müssen“, so Ingrid Freier.

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