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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

11. Dezember 2017 | 03:13 Uhr

Zukunft : Produktionsschul-Abschluss lohnt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Feierliche Zeugnisausgabe an 16 Absolventen in Greven. Sechs von 20 Schülern gelingt ein Notendurchschnitt von 2,15. Damit gelang es ihnen, die Tür in ihre berufliche aufzustoßen.

Endlich einmal meinte es das Wetter zum Sommerausklang so gut, dass die Produktionsschule Westmecklenburg mit den Standorten Greven und Schwerin ihre Tradition der feierlichen Zeugnisausgabe unter freiem Himmel wieder aufleben lassen konnte. Im historischen Gutspark von Greven hatten sich dazu neben den Jugendlichen und ihren Lehrern, Betreuern und Werkstatt-Pädagogen auch zahlreiche Gäste u. a. aus Berufsberatung, Jugendamt, Kommune, Wirtschaftsbeirat aber auch Eltern und zukünftige Arbeitgeber versammelt.

Zum Auftakt der Zeremonie sprach Produktionsschulleiterin Sabine Trepke von einem „sehr harten gemeinsamen Jahr“ und zitierte den Dichter Ernest Hemingway mit den Worten: „Niemand weiß, was in ihm steckt, solange er nicht versucht hat, es herauszuholen!“ Damit sprach sie sowohl die 16 erfolgreichen Absolventen an als auch diejenigen, welche noch „so ihre Probleme hatten mit der Ernsthaftigkeit im Wahrnehmen ihres Rechts auf Bildung“, insbesondere mit dem „Durchhalten über den ganzen Tag“ – womit sie den für viele der zuvor auf diversen Bildungswegen gescheiterten Mädchen und Jungen ungewohnt „strukturierten“ Produktionsschulalltag meinte und die unabdingbare „Achtung der Arbeit anderer“.

Für Nancy, Patrick, Marcus, Arne, Yevheniy, Max, Jules, Florian, Dominik, Brian, Olek, Johanna, Michel, Dennis, Kevin und Alexander jedoch galt, was ihnen Sozialministerin Birgit Hesse jeweils in einem persönlichen Glückwunschschreiben bescheinigte: „Ihr habt Eure Abschlussprüfungen gemeistert und Euch damit neue Wege eröffnet. Dazu gratuliere ich ganz herzlich!“
Die Produktionsschule schaffe „eine andere Art der Schulzeit“, bei der sinnvolle und kundenorientierte Arbeit in verschiedenen Werkstätten unmittelbar zeige, wofür man Erlerntes in der Praxis gebrauchen kann, führte die Landesministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales weiter aus. Schließlich hatte sie erst im April ausführlich die Gelegenheit genutzt, sich anzuschauen „wie und wo Ihr gelernt und gearbeitet habt“ (SVZ berichtete).

Dabei war die Ministerin auch der 17-jährigen Johanna im Werkstattbereich Vermarktung-Veredlung-Hauswirtschaft begegnet, welcher (allein schon durch seine tägliche Zubereitung von Frühstück und gemeinsamem Mittagessen) der wohl unmittelbarsten Qualitätskontrolle unterliegt. Anderthalb Jahre hatte Johanna hier gelernt, gearbeitet und in der betreuten Wohngruppe des Kinder- und Jugendparks Greven gewohnt und dabei ihre Betreuer und Werkstattpädagogen aus ganzer Linie überzeugt. Mit den besten Wünschen von Monika Zachow und Achim Wulf startet die offensichtlich glückliche junge Frau, die noch in diesem Monat 18 wird, in einen neuen, selbstständigen Lebensabschnitt mit eigener kleiner Wohnung und einer kooperativen Berufsausbildung zur Beiköchin bei der DAA und dem Landgasthof „Zur Schwinzer Heide“ in Wendisch Waren.

Bei der Zeugnisausgabe in Greven hatte Schulleiter Dr. Egbert Dähn von der Crivitzer Regionalschule außerdem noch ein ganz besonderes Vergnügen, indem er sechs der zuvor genannten 16 diesjährig erfolgreichen Produktionsschulabsolventen die Urkunden über ihre – wohlgemerkt mit einem Gesamtdurchschnitt von 2,15 – bestandenen Prüfungen zur Mittleren Reife aushändigte. Dabei hob er ausdrücklich das Engagement dieser sechs hervor, welche – im Unterschied zu 20 ihrer Mitschüler, die zum Verfahren zugelassen waren – die Hürden aus schriftlichen und mündlichen Prüfungen überwanden. Dr. Dähn leitet seit Bestehen der Produktionsschule Westmecklenburg die mit Crivitzer Regionalschullehrern besetzte Prüfungskommission zum Erlangen eines in jeglicher Hinsicht gleichwertigen Schulabschlusses für externe Nichtschüler.

Nicht von ungefähr hatte Sozialministerin Hesse nach ihrer Visite in Greven eingeschätzt, es gehörten Mut und Entschlossenheit dazu, sich auf dem Wege des produktiven Lernens an einer Produktionsschule neue Chancen zu erarbeiten. „Den ersten großen Schritt habt Ihr jetzt getan – für alle weiteren wünsche ich Euch viel Glück und Erfolg“, gab sie den Jugendlichen mit auf den Weg in Ausbildung und Arbeit.




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