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20 Svz-fragen zum wochenende : Plaus Pastor und sein Faible fürs Segeln

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Als Kind verdiente er sein erstes Geld mit Drogen-Sammeln, heute ist Stephan Poppe Pastor von Plau / Er stellt sich den 20 SVZ-Fragen zum Sonnabend

von
erstellt am 13.Jun.2014 | 22:00 Uhr

Seit sieben Jahren ist Stephan Poppe Pastor in Plau am See. Gemeinsam mit seiner Frau und seiner zweieinhalb Jahre alten Tochter genießt er das Kleinstadtleben direkt am Wasser. „Plau ist eine Kleinstadt im allerbesten Sinne“, erzählt der Pastor. „Es kennen sich viele und das hat etwas sehr freundliches. Aber Plau ist auch groß genug, dass man trotzdem noch anonym sein kann.“ Wenn er als Pastor nicht gerade für die Gemeinde in der Region unterwegs ist und für jeden ein offenes Ohr hat, genießt Stephan Poppe die Weite des Wassers und des Himmels auf seinem Segelboot auf dem Plauer See. Heute stellt er sich den 20 SVZ-Fragen zum Wochenende.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in der Region?
Am Liebsten bin ich auf dem Wasser. Wir haben ein Segelboot, doch leider ist es viel zu wenig im Gebrauch.
Wären Sie Bürgermeister, was würden Sie sofort ändern?
Ich freue mich, dass ich kein Bürgermeister bin. Aber eine Sache gibt es, die mich immer wieder ärgert. Ich finde es nicht gut, dass Plauer Bürger in Brandenburg bestattet werden, wenn sie keine Angehörigen mehr haben. Für das Amt ist das billiger, als sie hier in Plau bestatten zu lassen. Das würde ich ändern.
Wo kann man Sie in der Region am ehesten antreffen ?
In und um die Kirche in Plau.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit Drogen-Sammeln. In Wismar gab es eine Drogen-Ankaufstelle, zu der wir als Kinder immer gegangen sind, um unsere gesammelten Arzneipflanzen dort abzugeben. Wir haben Huflattich, Holunder oder Taubnessel gesammelt, sie zu Hause getrocknet und dort wurden sie uns abgekauft. Das hat sich schon gelohnt. Drogen-Sammeln hört sich heute schön an, aber es ging um Arzneimittel.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Das weiß ich gar nicht mehr so genau. Als Kind war ich ziemlich faul und wir mussten immer im Haushalt mithelfen. Wahrscheinlich habe ich meine Geschwister bezahlt, dass sie meine Hausarbeit mit übernehmen.
Was würden Sie gerne können?
Ich wäre gern musikalisch und würde ein Instrument spielen können. Ich bin aber so unmusikalisch, das ist schade. Gitarre und Klavier spielen habe ich schon versucht, aber es funktioniert einfach nicht.
Was stört Sie an anderen?
Eigentlich versuche ich andere so zu lassen, wie sie sind. Das schätze ich auch an anderen Personen, wenn sie sich in Menschen hineinversetzen können und sie verstehen.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Über unsere kleine Tochter, sie ist jetzt zweieinhalb Jahre alt. Da gibt es sehr viel zu lachen, was sie sagt und die Dinge, die sie macht. Da kann ich jeden Tag mehrfach lachen.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Ich lade mir oft zu viel Arbeit auf und sage zu oft Ja. Dann komme ich nicht mehr hinterher. Erst ist die Begeisterung zu groß und dann endet es unvernünftig.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Ich habe keine Vorbilder in dem Sinne. Ich bewundere einen irren Menschen, Apostel Paulus. Er hat Gedanken aufgeschrieben, die bis heute Menschen bewegen. Die einen schimpfen über ihn, für andere war er der größte Mensch aller Zeiten.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Ein ganz Fürchterliches. „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus. Ein Theaterstück, das im zweiten Weltkrieg spielt und den Weltuntergang beschreibt.

Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?

Ich gucke eigentlich überhaupt kein Fernsehen. Wenn überhaupt, dann vielleicht eine Stunde im Jahr.
Wie halten Sie sich fit: Mit Gartenarbeit oder mit Sport?
Weder noch. Mein Garten ist eine Wüste und ich mache auch kein Sport im Sinne von Sport. Ich bewege mich so viel.

Wen würden Sie gerne mal treffen?
Nina Hagen. Ich habe ihre Autobiografie gelesen und es war ein umwerfend tolles Buch. Es hat mich bewegt, berührt und gereizt. Darüber würde ich mich mit ihr Unterhalten.
Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann bei auf den Tisch?
Dann gehen wir hundert Meter weiter ins Gasthaus Pagels. Und wenn auch dafür keine Zeit ist, dann bestellen wir es dort und holen es nach Hause.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönsten Erinnerungen?
Als ich studiert habe, sind wir mehrfach zur bolschewistischen Kulturkapelle gegangen. Das war schräge Blasmusik. Damit verbinde ich ganz wunderbare Erlebnisse. Damals habe ich meiner Frau gezeigt, was ich höre und mir anschaue, und sie mir, was sie mag. Es war die Zeit, als wir uns kennenlernten. Es waren lustige Abende.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne, und von wem haben Sie es bekommen?
Zur Hochzeit habe ich ein Bild von einer bekannten und befreundeten Malerin geschenkt bekommen. Ich freue mich bis heute über das abstrakte Bild.
Welchen Traum möchten Sie sich erfüllen?
Ich würde gern mit meiner Tochter eine längere Segeltour über die Ostsee machen. Noch ist sie dafür aber zu klein. Da müssen wir noch etwas warten.

Was würden Sie als Rentner machen?
Da denke ich noch nicht drüber nach. Es gibt so gewisse Dinge, da sage ich immer: Das hebe ich mir auf, wenn ich alt bin. Strickjacken tragen, in die Sauna gehen oder schlechte Musik hören.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Jemanden, der im Gefängnis sitzt. Leute, die in unserem Alltag nicht mehr vorkommen. Es sind trotzdem Menschen, die Wünsche, Träume und Erinnerungen haben und die man trotz allem nicht nur als Verbrecher sehen sollte.

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