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VS-Kita "Villa Kunterbunt" platzt aus den Nähten : Plauer Eltern stemmen sich gegen Kita-Kollaps

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Wenn sich junge Familien in Plau nicht sofort um einen Krippen- bzw. Kindergartenplatz bemühen, sobald sie ihren Mutterpass erhalten, haben sie schlechte Karten. Die "Villa Kunterbunt" droht aus den Nähten zu platzen.

svz.de von
erstellt am 28.Jun.2013 | 05:21 Uhr

Plau Am See | Wenn sich junge Familien in Plau nicht sofort um einen Krippen- bzw. Kindergartenplatz bemühen, sobald sie ihren Mutterpass erhalten, haben sie schlechte Karten. Daniela Dobbratz, Elternratsvorsitzende der VS-Kita "Kunterbunt" in Plau am See, weiß, wovon sie spricht. Sie hat es selbst durch. Ben, ihr Jüngster, ist gerade zehn Monate alt. Im August möchte sie wieder arbeiten gehen, braucht für Ben also einen Krippenplatz. Um den hat sie sich zwar beizeiten bemüht, doch die Volkssolidarität, Träger der Kita an der Burg, in die schon ihre beiden Mädchen gingen und mit der sie immer sehr zufrieden war, kann ihr keinen Platz bieten, geschweige denn zusichern. Warum? Die Kapazität der Einrichtung, die bei 80 Plätzen liegt, ist ausgeschöpft. Das Haus droht aus den Nähten zu platzen.

Neu ist die Situation nicht: Wegen akuten Platzmangels war schon vor Jahren eine Gruppe aus der Villa aus- und im Burghofgebäude einquartiert worden. Es sei eine "Übergangslösung", hieß es damals. Und wahrscheinlich waren die Verantwortlichen einst wirklich davon überzeugt, denn für Plau waren - wie für die gesamte Region - sinkende Kinderzahlen prog nostiziert worden. Trotzdem wurde die Auslagerung zur Dauereinrichtung. "Das ist zehn Jahre her, seitdem wächst die Zahl von Kindergarten-Anmeldungen immer weiter und wird mit dem neuen Gesetz, das im August in Kraft tritt und Eltern einen gesetzlichen Anspruch auf einen Krippenplatz zusichert, nicht weniger", ist Daniela Dobbratz überzeugt. Die vielen Eltern, die in den vergangenen Jahren vergeblich bei der VS anklopften oder wie die Elternratsvorsitzende lange auf einen freigewordenen Platz warten mussten, könnten es bestätigen.

Seit wenigen Wochen nun gibt es in der Plauer Elternschaft wilde Spekulationen. Weil die Stadt umfangreiche Sanierungs- und Umbauarbeiten an der Burganlage plant, nur noch auf die Genehmigung der beantragten Fördermittel wartet, um anschließend loszulegen, wird die ausgelagerte Kita-Gruppe umziehen müssen. "Heim" in die Villa "Kunterbunt" geht nicht. Da ist kein Platz. "Aus all den Mutmaßungen zu den Plänen der Stadt kristallisierte sich das Vorhaben heraus, dass unsere Burghofkinder mit auf das Schulgelände sollen", sagt Daniela Dobbratz. Offizielle Erklärungen der Stadt sind den Eltern nicht bekannt, doch hat man munkeln hören, dass eine erneute Statistik Plau und Umgebung immer weniger Kinder verheißt, weshalb die Grundschüler bald hoch in die Klüschenbergschule und die Kindergartenkinder in die Grundschule ziehen sollen. Bis dahin soll eine vorübergehende Lösung geschaffen werden.

Nicht nur der Elternrat, auch die Mehrheit der Eltern ist skeptisch. Wegen der zu befürchtenden Langlebigkeit der Übergangslösung einerseits. Vor allem aber, weil sie für die Idee mit dem Schul-Ringtausch nur wenig bis gar nichts übrig haben. "Wer bereits Kinder in der Grundschule hat oder hatte, kennt das Gelände und weiß, dass es da gar keine geeigneten Räumlichkeiten für eine Kindergartengruppe gibt", sagt die Elternratsvorsitzende. Noch viel schwerwiegender empfinden die Eltern jedoch den Interessenskonflikt zwischen einem Kindergarten und einer Grundschule. Da brauche man sich nur die komplett unterschiedlichen Wach- und Ruhezeiten anzuschauen, um zu erkennen, dass das nicht harmonieren kann.

Als das Bauvorhaben der Stadt bezüglich der Burg laut wurde, waren die Eltern aktiv geworden. Um ihrem Unmut eine Stimme zu geben, vor allem aber auch, um die Plauer Einwohner auf die Problematik aufmerksam zu machen, haben sie im Januar eine Unterschriftensammlung initiiert. 268 sind bis heute zusammen gekommen. Daniela Dobbratz: "Es geht hier um unsere Kinder und es kann nicht sein, dass immer wieder neue Notlösungen auf ihre Kosten gesucht werden. Wir haben nichts gegen ein neues tolles Touristenzentrum und auch die Baufälligkeit des Burghofgebäudes ist unbestritten. Doch bevor da hinein fünf Millionen Euro investiert werden, sollte für Plaus Kinder ein Kindergarten gebaut oder geschaffen werden, der groß genug ist und heutigen Standards entspricht. Dann hätten wir endlich eine dauerhafte Lösung."

Der Verwaltung ist die Situation in der "Villa Kunterbunt" sehr gut bekannt. Die Stadt, sagt Plaus Bürgermeister Norbert Reier, könnte indes an der Grundschule die Voraussetzungen für eine langfristige Lösung schaffen. Mit der notwendigen Zustimmung des Landkreises. Andere Lösungen, wie den vor etwa vier, fünf Jahren ins Auge gefassten Anbau an die Villa, seien bisher gescheitert. "Wenn die Stadt einen entsprechenden Antrag stellt, muss die Auslastung der Einrichtung für die nachfolgenden 20 Jahre gewährleistet sein. Das war damals nicht der Fall. Somit hätte es keine Fördermittel gegeben; doch ohne die können wir nicht bauen."

Heute sei die Situation eine andere. Für Plau seien die sinkenden Kinderzahlen nicht zutreffend gewesen. Auch wenn das - zumindest teilweise - an der Schließung von Kindergärten in den umliegenden Orten liegt.

Unabhängig davon, dass auch der Landkreis den Standort Grundschule zur Aufnahme der Kita-Kinder für geeignet hält, wertet Bürgermeister Reier die Bedenken der Eltern als unbegründet. "Ich sehe kein Konfliktpotenzial bei der Betreuung von Kita- und Grundschulkinder an einem Standort", sagt er. Bei der ausgelagerten Kita-Gruppe handelt es sich um die Großen, die sich in ihrem letzten Kita-Jahr ohnehin auf die Schule vorbereiten. Bei der Stadt hält man alternativ durchaus auch einen Kita-Neubau für möglich, um dem drohenden Kita-Kollaps zu entgehen. Man weiß, dass Flickwerk und Anbauten kaum zielführend sind. "Neben der Variante Grundschule können wir als Stadt dem Träger Platz für einen Neubau auch günstig im Entwicklungsgebiet an der Quetziner Straße anbieten. Und ich will offen sein, wir bleiben auch nicht bei der Volkssolidarität stehen, es sind auch andere Träger gefragt." Übermäßig viel Engagement verheißt die Auskunft der Geschäftsführerin des Volkssolidarität-Kreisverbandes Parchim, Ruth Tietz, nicht. Auf die Frage, wie man das Problem der Überkapazität in der "Villa Kunterbunt" in den Griff bekommen möchte, sagte sie: "Das können wir noch nicht abschließend beantworten. Wir wissen um die Situation, suchen momentan aber noch nach einer Lösung."

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