Neujahrsempfang : „Plau zur wahren Perle entwickelt“

Zum Neujahrsempang kamen auch Gäste aus Plaus Partnerstadt Plön.
Zum Neujahrsempang kamen auch Gäste aus Plaus Partnerstadt Plön.

Tourismus und Infrastruktur waren zwei große Themen auf dem diesjährigen Neujahrsempfang. Der Burggraben und der Bahnhofsvorplatz stehen 2018 als Projekte auf Plan.

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15. Januar 2018, 21:00 Uhr

Zum Neujahrsempfang der Stadt Plau am See kamen am Sonntag zahlreiche Bürger ins Foyer der Schule am Klüschenberg. Bürgermeister Norbert Reier konnte viele Gäste begrüßen: Unter anderem die Bundestagsabgeordneten Karin Strenz und Frank Junge, Jacqueline Bernhardt (Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag) und Michael Glaser, Landratskandidat der CDU. Dass aus Plön Bürgervorsteher Dirk Krüger und  Bürgermeister Lars Winter anwesend waren, bezeichnete Reier als „Ausdruck der lebenden Städtepartnerschaft“. Übrigens war kein Vertreter des Landkreises zum Empfang gekommen.

Der Landtagsabgeordnete Wolfgang Waldmüller befasste sich als Präsident des Landestourismusverbandes in seinem Grußwort mit diesem wichtigen Wirtschaftszweig des Landes.

„Tourismusmarkt ist gesättigt“

„Wir sind vom Tourismus erfolgsverwöhnt, bewegen uns bei den Urlauberzahlen auf hohem Niveau, aber geht das so weiter? Gibt es Kapazitätsgrenzen?“, fragte der Politiker in die Runde und antwortete: „Wir sind in einer Reifephase, der Markt ist gesättigt.“ Er beklagte einen Rückgang der Innovationen, eine sich abschwächende Wachstumsrate. Für die Zukunft werde entscheidend sein, wie die Gäste im Land behandelt werden. „Wir sind nach wie vor Urlaubsland Nr. 1 in Deutschland. Aber bei der Infrastruktur besteht Nachholebedarf, meint Waldmüller. Als Beispiele nannte er die Digitalisierung, das Fachkräfteproblem und das Marketing: „Wir brauchen ein smartes Update. Die Wettbewerber – in Schleswig-Holstein etwa –  sind dynamischer und haben uns überholt. Es ist Zeit, einen generellen Veränderungsprozess im Tourismus zu starten.“

Waldmüller führte an, dass die 131 000 Beschäftigten der Tourismusbranche 18 Prozent der Beschäftigten im Land ausmachen. Sie erwirtschafteten im letzten Jahr acht Milliarden Euro Umsatz, die Betriebe zahlten 340 Millionen Steuern. Die Gäste kamen zu zwei Dritteln aus Deutschland (davon 26 Prozent aus MV), nur 2,4 Prozent aus dem Ausland. Der Tourismus sei der Beschäftigungsmotor in Mecklenburg-Vorpommern und der Regionalentwickler schlechthin, aber man brauche die Akzeptanz der Bevölkerung. Der Abgeordnete dankte Reier für eine aus seiner Sicht hervorragende Zusammenarbeit. „Uns einigt die Sache jenseits von Parteigrenzen. Hier wurde früh erkannt, dass die Infrastruktur ausgebaut werden muss“, sagte er. „Dank der Stadtvertreterbeschlüsse haben wir dabei viel auf die Reise gebracht. Plau am See hat sich zur wahren Perle entwickelt. Ich will alles tun, das es so bleibt.“

Bürgervorsteher Dirk Tast sagte in seiner Festrede, dass im letzten Jahr viele Dinge geschafft wurden. Der Ausbau des Glasfaserinternets hat begonnen, die Umgehungsstraße ist zu großen Teilen schon sichtbar und der touristische Parkplatz wurde fertig gestellt. Kritisch merkte Tast an: „Irgendwie scheint es zum guten Ton zu gehören, bei Projekten der öffentlichen Hand möglichst langsam zu arbeiten. So begannen die Arbeiten an der Umgehungsstraße 25 Jahre, nachdem die Bürgerbewegung die ersten Aktionen startete, der Internetausbau lässt mehr als fünf Jahre auf sich warten und selbst der Parkplatz wurde erst Monate nach seiner avisierten Fertigstellung für die Allgemeinheit freigegeben – und das in unserer schnelllebigen Zeit.“

Öffentliche Vorhaben vor höheren Hürden

Der Lokalpolitiker listete etliche, aus seiner Sicht bestehende Gründe auf, warum alles so lange dauere. Anders als bei privaten Vorhaben gebe es demzufolge eine Vielzahl von Dingen, die beachtet und Interessen, die gegeneinander abgewogen werden müssen. „Auch das liebe Geld muss beschafft, gegebenenfalls umgeschichtet werden“, so Tast. „Aber die Abwägung der unterschiedlichen Interessen macht eine Entscheidungsfindung nicht leicht. Während der Private nur mit sich selbst im Reinen sein muss, ist die öffentliche Hand mit allen gegensätzlichen Interessen befasst.“ Der Bürgervorsteher  bat die Einwohner, sich zu überlegen, wie sie entschieden hätten und nannte die Umgehungsstraße  als Beispiel: „Sie entlastet die Anwohner der Lübzer Chaussee, Schulstraße und Langen Straße, aber sie belastet die Einwohner des Weidensolls mehr, hat landwirtschaftliche Flächen zerschnitten und entzogen und führt möglicherweise potentielle Besucher an Plau vorbei.“

Angesichts langer Wartezeiten bei Handwerkern könne man auch in Plau am See versuchen, Wegzug durch Schaffung eines attraktiven Wohn- und Arbeitsumfeldes zu verhindern, mit angemessenen Löhnen Zuzug zu generieren und somit den Arbeitskräftemangel zu verringern. Vielleicht helfe aber auch eine höhere Wertschätzung der Arbeit dabei, den Handwerks- und Dienstleitungsberuf attraktiver zu machen. Tast beendete  seine Ausführungen damit, dass eine Vielzahl an Gründen dafür sorge, dass manches nicht so schnell geht, wie man es sich wünsche. Trotzdem führe dies nicht dazu, sich auszuruhen: „Schließlich gibt es noch Vorhaben, die beendet werden müssen, und neue, wie den Burggraben und den Bahnhofsvorplatz, die in diesem Jahr auf der Agenda stehen. In diesem Sinne wünsche ich uns ein erfolgreiches Jahr 2018!“

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