Bürgermeister im Interview : Plau will nächste Hürden nehmen

Plaus Bürgermeister Norbert Reier will auch 2016 mit Sachpolitik den Luftkurort ein Stückchen weiter bringen.
Plaus Bürgermeister Norbert Reier will auch 2016 mit Sachpolitik den Luftkurort ein Stückchen weiter bringen.

Im Gespräch mit Bürgermeister Norbert Reier über Höhepunkte 2015 und darüber, was das neue Jahr für den Luftkurort bereithält

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14. Januar 2016, 12:34 Uhr

Ein paar Tage Urlaub zwischen den Jahren hat er sich gegönnt. Zurück in der Amtsstube widmet sich Plaus Bürgermeister Norbert Reier erneut dem „Tagesgeschäft“. Redakteurin Simone Herbst bat ihn, mit dem Jahr 2015 abzurechnen und einen Blick ins neue Jahr zu wagen.

Das Jahr 2015 war für Plau wieder sehr ereignisreich. Was würden Sie herausstreichen?
Norbert Reier: Zunächst die Erweiterung unserer Kita-Kapazitäten, die mit neuem Träger, dem ILL Rostock, und einem Neubau im Entwicklungsgebiet gelungen ist. Wichtig ist hier meines Erachtens, dass das ILL den Fokus unter anderem auf die bilinguale Erziehung legt. Das ist ein Plus für unsere Kinder im Vorschulbereich.
Endlich sind wir auch mit dem Seeradweg in die Gänge gekommen, nachdem wir in den vergangenen gut zehn Jahren verschiedene Hindernisse im Naturschutz- und Baurecht aus dem Weg räumen mussten. Touristisch wird das die Stadt und die Region voranbringen. Dazu gehört auch die Fertigstellung des Gnevsdorfer Weges auf Plauer Seite, der in diesem Jahr der Ganzliner Part folgen soll. Damit ist eine bessere Anbindung des Ganzliner Ortsteils an Plau als Grundzentrum geschafft.
Stichwort Radweg: Kann der Saisonstart mit fertigem Radweg gelingen?
Nein. Sobald das Wetter offen ist, werden wir weiterbauen - mit nicht nur einer Kolonne. Wir müssen bei diesem Projekt aber auch auf anderes Rücksicht nehmen. Am Kalkofen etwa läuft derzeit der Ferienhausbau und damit einhergehend viel Schwerlasttransport. Den Radwegbau über den Zubringer Seewiesen werden wir zeitlich deshalb so takten, dass wir hier voraussichtlich ab Juli loslegen. Nicht ganz einfach wird der Abschnitt am MediClin. Wir bauen dort in Wald und Böschung, wollen das Niveau des Parkplatzes halten und müssen schauen. Rechnungslegung für den erster Bauabschnitt MediClin bis Kalkofen sowie Parkweg bis KMG-Klinik erfolgt im Oktober. Weitere 802 Meter Radweg liegen im Wald, das bedeutet FFH-Gebiet, Vogelschutz, Uferzone, Biotope. Die Realisierung sehe ich Ende 2017 - wenn wir es planerisch und baufachlich hinbekommen.
Im Dezember hat die Flüchtlingswelle Plau erreicht. Wie sehen Sie die Situation?
Bislang haben wir 30 Menschen aufgenommen. Es hat sich ein Helferkreis etabliert, der gemeinsam mit der AWO die Betreuung vor Ort organisiert. Ehrenamtlich wird unter anderem Deutschunterricht erteilt, was ich für sehr wichtig halte, Sportvereine haben ihre Unterstützung signalisiert. Als Stadt werden wir die Rahmenbedingungen bieten, damit sich die Menschen hier wohlfühlen und wir haben uns dem Landkreis gegenüber verpflichtet, die finanzielle Versorgung vor Ort zu gewährleisten, ohne dies der Kreisverwaltung in Rechnung zu stellen.
Wir hatten noch keine Flüchtlinge, aber laut Gerüchten schon jede Menge Probleme. Dazu möchte ich sagen, natürlich haben die Flüchtlinge einen anderen Glauben, eine andere Sprache, andere Lebensgewohnheiten. Sich auf deutsche Mentalität umzustellen, wird Zeit brauchen. Aber, die 152 Ausländer, die vordem in Plau wohnten und arbeiteten, bekommt im Alltag auch niemand wirklich mit.
Die Bürgermeisterwahl hat Stadt und Einwohner im ersten Halbjahr doch sehr beschäftigt. Ist Plau zu sachlicher Arbeit zurückgekehrt?
Das denke ich doch. Mein Bestreben als Bürgermeister ist es immer, ein enges Zusammenwirken zwischen Verwaltung und Vertretung zu garantieren. In der Vertretung haben wir die drei großen Parteien und den Verein Wir leben. Gemeinsam versuchen wir über Sacharbeit für die Bürger etwas zu erreichen. Die Abstimmungen beweisen, dass uns das eigentlich recht gut gelingt. Nebenher halte ich unterschiedliche Auffassungen für legitim und die Arbeit in den Ausschüssen im Vorfeld daher für um so wichtiger.
Zuletzt stimmte die Chemie zwischen Seniorenbeirat und Ausschuss für gesellschaftliche Angelegenheiten nicht mehr. Haben sich die Wogen wieder geglättet?
Ich denke, wir sind da inzwischen auf einem guten Weg. Es ist meines Erachtens wichtig, dass jeder die Arbeit des anderen schätzt. Wenn wir Lösungen in der Stadt suchen, darf das nicht einseitig geschehen, wir müssen Wege finden und wir müssen Kompromisse suchen, auch weil finanziell sich nicht immer alle Wünsche erfüllen lassen. Aber wie gesagt, wir sind auf einem guten Weg.
Plau hatte 2015 eigentlich mit dem ersten Spatenstich für die Ortsumgehung gerechnet. Der kam nicht. Wissen Sie Näheres?
Es ist nicht unser Bauprojekt, aber ich denke schon, dass die Informationen aus dem Schweriner Verkehrsministerium optimistisch stimmen. Momentan haben wir die Hoffnung, dass der Bau der Nordtangente in diesem Jahr tatsächlich in Gang kommt, denn je eher die momentane Ortsdurchfahrt entlastet wird, desto besser.
Bei der konkreten Umsetzung sind wir uns mit dem Straßenbauamt nicht ganz einig. Wir haben ein Problem mit der Schließung des Bahnübergangs Zarchliner Weg. Die Alternative Bahnübergang in Richtung Stadt wurde verworfen wegen zu hoher Kosten. Bei der Option Plauerhäger Straße wäre die Stadt finanziell beteiligt. Unsererseits läuft deshalb eine Klage vor dem Verwaltungsgericht. Kippen soll die das Ortsumgehungsprojekt aber keinesfalls.
Stichwort Breitbandausbau. Plaus Touristiker und Unternehmen möchten ihn seit Jahren. Ist das im Oktober aufgelegte Bundesförderprogramm nun der Heilsbringer?
Sie meinen das 700-Millionen schwere Dobrindt-Programm. Nein, das wird uns leider nicht helfen. Diese Förderung ist für Gemeinden gedacht, in denen private Anbieter nicht ausbauen wollen. Bei uns aber will definitiv die Telekom investieren. Wir werden daher zwei Wege gehen, mit der Telekom und der Wemacom und versuchen, eine stabile Versorgung über Kabel-Lösung oder Funklösung zu organisieren.
Damit sind wir bei 2016. Was erwartet die Stadt und die Einwohner?
In diesem Jahr stehen zwei große Jubiläen an. Wir feiern 100 Jahre Brückenfest an unserem Blauen Wunder und bereiten das Event mit dem Badewannenverein für Juli vor. Zudem wird unsere Feuerwehr 120 Jahre. Hier wird es eine Veranstaltung im Burggraben und natürlich einen Tag der offenen Tür geben.
Darüber hinaus wollen wir uns daran machen, Ruinen abzutragen. Zum einen geht es darum die alte Wäscherei abzureißen, um hier das Baufeld für unseren neuen Zentrum nahen Parkplatz freizumachen, der 2017 kommen soll. Ebenso soll die alte Kita im Entwicklungsgebiet verschwinden und der Lärmschutzwall an der B103 erweitert werden. Bei nächsten Vorhaben auf der Burg müssen wir zunächst schauen, was da denkmalpflegerisch noch auf uns zukommt.

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