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23. November 2017 | 16:12 Uhr

Plau: Lebenswert für alle Generationen

vom

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erstellt am 19.Mär.2012 | 05:26 Uhr

Plau am See | Wolfram Kirschnick lehnt sich im grünblauen Sessel zurück und nimmt einen Schluck aus seiner Kaffeetasse. Sein Blick ruht auf dem Tulpenstrauß auf dem Tisch, schweift über die Bilder an den Wänden. "Das ist mein Elternhaus", sagt Kirschnick stolz. Er mag es rustikal: Im Wohnzimmer liegt ein dicker, gemusterter Teppich auf dem Laminatboden. An der Wand steht eine massive Anbauwand in Kirschholzoptik. An dicke Bücher lehnen sich die Bilder seiner Liebsten. In der Vitrine reihen sich Gläser aneinander. In diesen Wänden hat Wolfram Kirschnick schon als Kind gelebt. Hier ist er aufgewachsen, hat seine eigene Familie gegründet und großgezogen. Hier fühlt er sich wohl - genauso wohl, wie in seiner Heimatstadt Plau.

Mit seiner Frau Thea lebt er noch heute in der Bergstraße. Seine drei Kinder hat es hingegen längst in andere Städte verschlagen - nach Waren und Berlin. "Der Arbeit wegen", sagt Kirschnick und nippt an seiner Kaffeetasse. "Wenn sie woanders mehr verdienen können, dann gehen die jungen Leute eben weg. Das kann man ihnen nicht verdenken", sagt er. Er aber wollte der Seestadt nie den Rücken kehren. Musste er auch nicht. Jahrzehntelang war er bei der Bahn beschäftigt, heute ist er in Plau als Stadtführer und Burgvogt bekannt. Tausenden Touristen zeigt er die Vorzüge seiner Perle am Plauer See. "Plau ist mehr als lebenswert. Wenn ich im Urlaub war, bin ich froh, wenn ich ich wieder hier zu Hause bin", sagt er und lacht. "Ich würde mich in einer Großstadt nicht wohlfühlen", sagt er. Die vertraute Atmosphäre der kleinen Seestadt hingegen, die möchte er nicht missen.

Die Kleinstadt sei ideal für alle Generationen. Gerade für Familien lohne sich ein Leben in Plau, findet Kirschnick. "Die Kinderbetreuung hier ist fantastisch", sagt er. Zwei Kindertagesstätten, eine Grund-, eine Regionalschule - hier sei der Nachwuchs gut aufgehoben, sagt der Plauer. Gleiches gelte für die hiesigen Sportvereine. "Die Möglichkeiten sind gegeben, den Kindern hier etwas zu bieten", sagt er. Nur abseits davon, da sieht es finster aus. Für Jugendliche gibt es nur wenig Angebote - abgesehen vom Kinder- und Jugendzentrum. "Es ist gut, dass die Stadt hier noch Geld zugibt", sagt Kirschnick. Er sieht Nachholbedarf. "Das Angebot ist nicht, wie es sein sollte", sagt er. An kulturellen Freizeitmöglichkeiten fehle es. Burghoffest, Musiksommer oder der monatliche CDU-Stammtisch - das seien gelungene Veranstaltungen. Von ihnen wünscht er sich mehr - auch für die jüngere Generation. "Aber das ist eine Frage der Finanzen", sagt Kirschnick und zuckt mit den Schultern. "Ich wünsche mir, dass sich im kulturellen Bereich etwas ändert, dass die Bürger mit einbezogen werden", sagt er. Mehr Angebote für Kinder und Familien, zum Beispiel im Plauer Kino, das wäre ein Anfang, sagt der Plauer.

Ausweichmöglichkeiten finden junge Leute und Familien oftmals in benachbarten Städten wie Parchim oder an der Seenplatte. Hier locken Kino, Theater, Disko oder Ausflugsziele wie Bärenwald und Müritzeum - Dinge, die in Plau, wenn überhaupt, nur bedingt zur Verfügung stehen. Doch in andere Städte zu gelangen, ist oftmals gar nicht so einfach, zumindest wenn das Auto fehlt. In Sachen Verkehrsanbindung hat Wolfram Kirschnick Defizite ausgemacht vor allem bei der Schifffahrt. "Dass Bad Stuer von Plau aus nicht angefahren wird, stößt bei vielen Plauern auf Unverständnis", sagt er. Auch mangelnde Absprachen im Personennahverkehr machen es Seestädtern schwer. Problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Waren oder Malchow - Fehlanzeige, sagt Kirschnick. Die Anbindungen zwischen Bus und Bahn stimmen nicht, sagt Kirschnick. Wer da nicht rechtzeitig am Gleis sei, warte zwei Stunden auf den nächsten Zug.

Das sei aber nicht die entscheidende Baustelle: Um junge Leute und Familien langfristig in der Stadt zu halten, sei die Arbeitssituation entscheidend, sagt Wolfram Kirschnick. Da kann die Kinderbetreuung noch so gut sein: Ohne Job kehren junge Eltern der Stadt den Rücken. Wenn sie sich aber für die Seestadt entscheiden, werden sie es nicht bereuen. Denn verstecken brauche sich Plau nicht. Neben der idyllischen Natur rund um den Plauer See kann auch der historische Stadtkern vielerorts glänzen. "Die Altstadt hat gewonnen. Da hat sich vieles zum Guten gewendet. Der Rest sind Kleinigkeiten", sagt Wolfram Kirschnick. Er selbst jedenfalls will in Plau bleiben. Als Stadtführer will er bei Touren durch Plau die Vorzüge seiner Heimat anpreisen und Besucher auf den Geschmack bringen. Und vielleicht wird aus einigen Urlaubern mehr - vielleicht die Plauer von morgen.


Drei schöne Städte müssen nachsitzen: Plau am See/ Goldberg/ Lübz

Es lässt sich leben in Plau, Lübz und Goldberg. Das ist vereinfacht zusammengefasst ein Ergebnis unserer großen Lebenswert-Umfrage, bei der Sie Ihre Heimatstadt oder Ihre Heimatgemeinde bewertet haben. Etwa 2000 Leserinnen und Leser machten mit – eine ansehnliche Datenbasis.


Wäre die Stadt Plau am See eine Schülerin, würde sie für ihre Familienfreundlichkeit von gut der Hälfte aller Teilnehmer die Note 3 bekommen. Nur Wenige vergaben eine 2 oder besser. Rund 40 Prozent meinen sogar, die Seestadt habe in Sachen Familienfreundlichkeit dringenden Nachholbedarf und vergaben Noten von 4 bis 6. Etwas besser platzierte sich Lübz: Der Großteil der Umfrage-Teilnehmer attestiert der Eldestadt bei der Familienfreundlichkeit ein gut bis befriedigend. „Für die Jugend gibt es zu wenig Angebote“, bemängelt eine Bankkauffrau aus Lübz. „Die kulturellen Veranstaltungen in der Stadt sind einfach zu wenig“, pflichtet Wolfgang Krüger bei. Nicht zuletzt deshalb kehre die junge Generation der Stadt den Rücken. „Die Politik redet viel und tut nichts. Viele Jugendliche würden vor Ort bleiben, wenn Politik auch reagieren würde“, meint Manfred Gretzler aus Lübz.


Auch für die Goldberger ist die Familienfreundlichkeit ihrer Stadt nur Mittelmaß: 60 Prozent der Teilnehmer vergeben Note 3. Noch schlechter fiel die Bewertung des schulischen Angebots in der Mildenitzstadt und seinen Ortsteilen aus: Am häufigsten wurden hier die Noten 4, 5 und 6 vergeben. Ganz anders sieht das in Lübz aus: 85 Prozent der Umfrage-Teilnehmer bewerten die Schulen mit gut bis sehr gut. Plau ordnet sich im Mittelfeld ein: Von Note 1 bis 6 wurde alles vergeben. Im Schnitt bewerten die Teilnehmer das schulische Angebot mit Note 3. „Hinsichtlich der Einwohnerzahl betrachte ich die Präsenz einer Realschule als angemessen. In der Kinderbetreuung sollten verbliebene autoritäre Strukturen weichen“, empfiehlt der Plauer Heinz-Willfried Mansfeld.


Auch in Sachen Kinderbetreuungsangebote sehen unsere Plauer Studien-Teilnehmer Nachholbedarf: Sie vergeben zu 50 Prozent die Noten 2 und 3, aber auch Vierer und Fünfer stehen auf dem Zeugnis. Der Klassenprimus in dieser Rubrik ist Lübz. Die Eldestadt kann mit ihren Angeboten an Kitas und Tagesmüttern überzeugen, bekommt zu 95 Prozent die Noten 1 und 2. Auch Goldberg kann in der Kategorie punkten. 30 Prozent vergeben Note 1, weitere 30 Prozent Note 2. „Außerhalb von Vereinen gibt es aber kaum Angebote für Kinder. Die Bürgersteige sind teilweise im schlimmen Zustand, besonderes im Winter, um sie z. B. mit Kinderwagen oder Rollstuhl zu befahren“, bemängelt ein 35-jähriger Altenpfleger aus Goldberg. Schön hingegen sei das alljährliche Kinderfest des GKC, fügt er hinzu. Das Betreuungsangebot in der Mildenitzstadt könne sich hingegen sehen lassen, sagt eine Erzieherin. „Zwei Schulen, zwei Kindergärten, ausreichend Plätze, aber zu wenig Einwohner“, urteilt sie.

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