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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

19. November 2017 | 02:30 Uhr

Ganz am Anfang : Plau: Flüchtlingshilfe angelaufen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Im Luftkurort sind die ersten 15 Flüchtlinge angekommen. Bis zu 80 hat der Landkreis avisiert. 40 Bürger engagieren sich im Helferkreis und organisieren Kleiderspenden für die Ankömmlinge.

svz.de von
erstellt am 22.Dez.2015 | 08:20 Uhr

Mitte vergangener Woche sind   nun auch in  Plau am See die ersten  Flüchtlinge angekommen. 15  sind es - Syrer, Christen, Muslime, Familien.  22 Tage  waren sie unterwegs, mit  nicht viel mehr als ihrer Kleidung  auf dem Leib.  Insgesamt  hat der Landkreis bis zu 80 Ankömmlinge avisiert. Welcher Nationalität sie sein werden?  Momentan weiß das niemand. 

„Wir  stehen noch ganz am Anfang“, sagt Pastor Stephan Poppe, der  von  Beginn an  in die Hilfen, die gemeinsam  mit der Stadt  organisiert werden,  involviert  ist. Und die laufen bereits. Spontan hatten sich 40 Helfer  zum ersten  Treffen  des   Helferkreises   eingefunden,   haben einen Kleiderkammer eingerichtet, sind dabei, notwendige Fahrdienste zu organisieren,  eine Fahrradwerkstatt,  40 freiwillige Helfer sind  für den Moment natürlich zuviel, weiß Poppe. Er weiß aber um manchmal  ganz schnelle Entscheidungen  und die Zwickmühle, in der der Landkreis diesbezüglich steckt.  „Unsere 15 Flüchtlinge  waren   für eine Woche  im Erstaufnahmelager  Horst,  dann  wurden  sie Plau zugewiesen.  Bei aller Kritik an der Informationspolitik des Landkreises, ich denke  es ist unrealistisch, 14 Tage oder gar  vier Wochen  früher  mehr gesicherte Struktur und Transparenz  über Anzahl oder Herkunftsland  zu erwarten.“

Fest steht, Plau  soll  mehr Flüchtlinge aufnehmen. Um die 80.   Der Landkreis  hat zu diesem  Zwecke ein  ehemaliges  Hotel  etwas außerhalb der Stadt   angemietet und  – da  das auf   so viele Gäste nicht ausgelegt ist,  in der Kürze der Zeit  aufgebettet. In Zweibettzimmern stehen  jetzt   zusätzlich ein oder zwei Doppelstockbetten.  Alles andere  als Hotelniveau also! „Aber es ist ordentlich, keine Massenunterkunft  mit Gemeinschaftsdusche, die   möglicherweise  Konfliktpotenzial  in  sich birgt. Die Leute müssen sich selbst verpflegen, haben eine Gemeinschaftsküche.  Man  kann es hier eine  ganze Weile aushalten“, sagt Stephan Poppe. 

Wie lange? Auch das weiß niemand. Kommt darauf an,  ob  die Flüchtlinge ihren Aufenthaltsstatus bekommen, wie lange  das dauert,  ob  Wünschen nach Familienzusammenführung entsprochen  wird, junge Flüchtlinge  Studienambitionen haben, die sich in Plau schwerlich erfüllen  lassen… „In die Unterkunft  wird noch sehr viel Bewegung kommen,  das  ist  sicher. Und da bin  ich froh über unsere 40  ehrenamtlichen Helfer“, gesteht Pastor  Poppe.  Helfer und Stadt werden einen sehr langen Atem brauchen. 

Neben der koordinieren den und unterstützenden Arbeit  der  vom Landkreis eingesetzten Betreuerin (den Part  hat  wie  auch in anderen Orten eine Sozialpädagogin der AWO inne)   haben die Mitglieder des Helferkreises    erste Hilfsangebote  schon auf den Weg gebracht.  Die Kirchgemeinde hat im Küsterhaus  einen  Raum    als Kleiderkammer zu Verfügung gestellt.  Erste Kleiderspenden   sind von Plauer Einwohnern bereits abgegeben  worden. Was  dringend  gebraucht wird, sind warme Kleidung und  Schuhe für Kleinstkinder, Kinder, Jugendliche wie auch Erwachsene.  „Wir als Kirchgemeinde  verfügen   über die entsprechende Infrastruktur, also stellen wir  sie zur Verfügung“, sagt Poppe.    Neben Räumen für die Kleiderkammer und andere Hilfsmittel hat  der Helferkreis  auch eine Konto-Nummer für Spenden eingerichtet, ist über eine Kirchgemeinde-Nummer  auch telefonisch  rund um die Uhr zu erreichen…  Geplant  ist,  einen Container  vor Ort aufzustellen, in den die Flüchtlinge  demnächst selbst  gespendete  Fahrräder reparieren  können,  noch zwischen Weihnachten und Neujahr  soll   der  ergänzende Deutschunterricht  anlaufen,  soll  auch an einem Fahrdienst   geschraubt werden.

Bett, Tisch, Stuhl, Handtuch, Tasse und  350 Euro/Monat – das  ist es, was die Flüchtlinge bekommen „und was ihnen gesetzlich auch zusteht“, sagt Stephan Poppe. Von dem Geld  müssen sie  sich verpflegen und den kompletten Alltag  bestreiten.  „In meinen Augen ist das nicht wirklich viel. Deshalb bin ich auch der Meinung, dass der Landkreis  diesbezüglich  viel offensiver informieren sollte. Das  würde manches Gerücht aus der Welt  schaffen.“

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