Premiere : Plau am See kurz im Mittelalter

Die Reiter-Shows begeisterten die auch bei 30 Grad in praller Sonne ausharrenden Zuschauer, die zu tausenden nach Plau am See kamen, um das Mittelalter-Spektakel zu erleben.  Fotos: Ilja baatz
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Die Reiter-Shows begeisterten die auch bei 30 Grad in praller Sonne ausharrenden Zuschauer, die zu tausenden nach Plau am See kamen, um das Mittelalter-Spektakel zu erleben.

Mehrere tausend Besucher kamen zu dreitägigem Spektakel rund um den Wehrturm und waren begeistert.

svz.de von
27. Juli 2014, 22:00 Uhr

Sie verstecken sich nicht. Deshalb: Wenn Udo Freier und seine Kollegen kurz vor Beginn der Show wieder die volle Ausrüstung anlegen, bleiben viele Besucher vor ihren Zelten stehen und schauen dabei wie gebannt zu. Alle gehören zum „Freye Templer Septentrio“ und haben es zu ihrem Hobby gemacht, als Ritter aufzutreten. Nicht halbherzig, sondern in der der Jahrhunderte alten exakt entsprechenden Kluft und mit Schlägen vom schweren Eisenschwert im Zweikampf. Schutz dagegen bieten unter anderem ein den Oberkörper komplett bedeckendes Kettenhemd mit darunter angezogenem, Druck abfederndem, mehrlagigem Puffer aus Leinen, Kettenhaube und Stahlhelm – wie auch die Ketten aus dickem Eisen. Mit den Schwertern kommen so pro Mann gut 30 Kilogramm zusammen – bei rund 30 Grad in der Sonne wie an diesem Tag schon ohne große Bewegung eine Herausforderung.

Der gebürtige Mecklenburger Olaf Schulz, vor eineinhalb Jahren aus Niedersachsen wieder in seine Heimat gezogen, organisiert seit gut 20 Jahren mittelalterliche Ritterspiele an ganz Deutschland. Auf der rund 7000 Quadratmeter großen Anlage rund um den Wehrturm war es in Plau am See von Freitag bis gestern nach etwa einjähriger Planung das erste Mal. Der Organisator ist zufrieden. Mehrere tausend Besucher – die genaue Zahl wird noch ermittelt – sind zum Veranstaltungsgelände mit etwa 60 Ständen und drei Bands geströmt. Auf Plau fiel die Wahl, weil Müller hier Urlaub machte und die – so er wörtlich – „hochwertige Burganlage“ sich als Kulisse geradezu anbiete.

Müller lege großen Wert auf Authentizität, was die Veranstaltung von Massen ausschließe. „Intensiv und vernünftig“ solle seine Arbeit sein. „Ich möchte Geschichte nicht nur darstellen, sondern sie nah erlebbar machen, vor allem auch Kindern erzählen“, sagt er. Sie sollten sehen, wie lange es dauert, zum Beispiel aus einem Stück Holz einen Löffel zu schnitzen (auch das gab es zu sehen), um so auch Achtung vor Werten und der Arbeit anderer zu bekommen. Dies geschehe im Alltag sehr häufig nicht, wozu auch die Entwicklung der „Wegwerfgesellschaft“ ihren Teil beitrage. Stände hatten unter anderem auch Teilnehmer aus Ungarn und Polen aufgebaut, zwischen denen sich auf dem gesamten Platz immer wieder Menschen in historischen Kostümen zeigten.

Für die Ritter Cristan von Kulfharban und Odo vom Rosenberge kann es nach eigener Aussage kein besseres Hobby als das Mittelalter geben. Wie es ihre Schaukämpfe in sich haben, belegen sie vor den nächsten mit der gemeinsamen Betrachtung der von ihnen getragenen Helme. Bei beiden haben Schwertklingen tiefe Eindrücke hinterlassen – in dickem Stahl. Kaum etwas anderes dürfte den Unterschied zwischen dem heutigen Alltag der Ritter und ihrer Freizeit drastischer belegen: Sie sind IT-Techniker – Servicekräfte für Computeranlagen.

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