Heftige Unwetter : Plau am See erneut überflutet

Die Sandstraße in Heidenholz, die zu den Bungalows führt,  wurde völlig ausgespült.
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Die Sandstraße in Heidenholz, die zu den Bungalows führt, wurde völlig ausgespült.

Unwetter richtet gestern Vormittag große Schäden an. Die Rettungskräfte sind rund um die Uhr im Einsatz. Laut Meteorologen sei es Zufall, dass dieser Ort zweimal betroffen ist.

svz.de von
30. Juli 2014, 22:00 Uhr

Heftige Unwetter und sintflutartige Regenschauer zogen gestern über Plau am See. „Ganze Straßen wurden überflutet. Die Feuerwehr pumpt immer noch“, erzählt Bauhof-Chefin Kathrin Weber. Die Straßen seien teilweise bis zu einem Meter ausgespült, die Burganlage stehe komplett unter Wasser. „Auch die gesamten Sandstraßen wurden ausgespült und die Gullideckel in der Stadt kamen hoch“, berichtet Weber weiter. Zahlreiche Keller und Bungalows stehen durch den heftigen Regen noch immer unter Wasser. Die Rettungskräfte sind rund um die Uhr im Einsatz und versuchen die Schäden zu beheben. „Es ist schon verheerend. So schlimm habe ich das noch nicht miterlebt“, so die Bauhof-Chefin.

Während in Lübz und anderen Orten gestern Morgen ein von vielen als erholsam empfundener Regen niedergeht – kräftig, aber nicht bedrohlich – ahnt hier niemand, welche Wassermassen Plau am See zu diesem Zeitpunkt bewältigen muss. Seit kurz nach 9 Uhr stand die Zufahrtsstraße zur Klinik unter Wasser. Dies betraf zum Beispiel auch einen elektrischen Betriebsraum im Krankenhaus, Menschen waren aber nicht in Gefahr. Möglicherweise gefährdete Patienten hatte man rechtzeitig evakuiert. Im Keller der Klinik wurde ein Trafo hochgelegt – ein bedrohlicher Zustand, aber letztlich hatte man alles im Griff. Die technische Sicherheit der Einrichtung mit ihren 20 bis 25 Beatmungspatienten war nach Auskunft des medizinischen Direktors Prof. Dr. Erich Donauer jederzeit gegeben und nicht gefährdet. Im Einsatz waren die Feuerwehren aus Plau, Retzow, Ganzlin und Karbow-Vietlübbe.

Wasser im Keller – das betraf neben Privatleuten und der Klinik zum Beispiel auch das 200-Betten-Hotel „Vila Vita“ in Dresenower Mühle. „Was den Keller betrifft, ging es für uns noch relativ glimpflich ab, weil die Ganzliner Feuerwehr ganz schnell mit Motorpumpen hier war“, berichtet Direktor Kai Laude. „Ihr kann ich nur meinen größten Dank aussprechen.“

Die Dachrinnen und auf der Anlage angelegten Speicherbecken liefen binnen kürzester Zeit über, so dass das Wasser darauf durch die Kellertür eingedrungen sei – trotz Sicherung, die genau das eigentlich verhindern soll. Doch sie sei nur 50 Zentimeter hoch, die Flut kam mit mehr. Das Brett wurde übrigens nach dem Unwetter vor etwa 14 Tagen installiert. Jetzt stand das Wasser innen doppelt so hoch.

Als ungleich größeres Problem bezeichnet Laude allerdings die Gefahr für das Gebäude, in dem die zentrale, auch für die Warmwassererzeugung genutzte Heizungsanlage steht: „Die sechs Männer der Feuerwehr haben uns gerettet. Wären sie nicht gewesen, hätte es Wochen gedauert, bis alles wieder funktionstüchtig gewesen wäre. Wir hätten schließen können – besonders angesichts des momentanen Seminarbetriebs verheerend.“ In dem Hotel zeigte die Natur nicht nur durch Wasser ihre Kraft: Zu verzeichnen waren auch zwei Blitzeinschläge, die wegen entsprechender Schutzeinrichtung jedoch keinen Schaden anrichteten.

Im Raum Plau am See und Parchim rückten die Feuerwehren zu folgenden Einsätzen am Mittwoch noch aus: 9.08 Uhr Klebe, Feldstraße, Wasser im Keller; 9.10 Uhr Plauerhagen, Quetziner Straße, Keller unter Wasser; 10.09 Uhr Matzlow in Richtung Spornitz: Umgestürzter Baum auf der Straße. Auf dem Gelände der Meciclin Plau standen die Autos auf dem Parkplatz bis zu den Rädern im Wasser. Auch Prof. Dr. Donauer dankt Feuerwehr und Polizei für ihren Einsatz. Die Unwetterwarnung sei zwar sehr spät gekommen, aber dennoch habe man alles gemeistert. Der Arzt: „So viel Regenwasser in der kurzen Zeit habe ich noch nicht erlebt.“

Vor gerade einmal zwei Wochen war Plau am See bereits Opfer eines verheerenden Unwetters. Ein schweres Gewitter richtete starke Verwüstungen an, besonders in der Seeluster Bucht. „Die Aufräumarbeiten von diesem Unwetter dauern eigentlich noch immer an“, so Weber.

Wetterexperten sprechen von keinen außergewöhnlichem Phänomen. „Es ist traurig, aber reiner Zufall, dass die Unwetter in so kurzer Zeit über Plau am See gezogen sind“, erzählt der Potsdamer Meteorologe Thomas Endrulat. Schuld an den heftigen Regenschauern am Mittwoch und den Temperaturabkühlungen hat eine Kaltfront, die aus der Prignitz Richtung Ostsee zieht. „Wenn wir eine Unwetterwarnung herausgeben, dann gilt sie meist für einen ganzen Landkreis“, so der Experte. Das sich Unwetter nur punktuell an einem Ort so heftig auswirken, sei ein typisches meteorologischen Phänomen. „Eine Quellwolke ist endlich, sie ist rund zehn Kilometer breit. Und nur die Orte unter dieser Wolke bekommen alles ab“, so der Experte. Ein paar Kilometer weiter kann ein leichter Landregen über die Orte ziehen. Der Meteorologe gibt für die kommenden Tage schon Entwarnung. „Es wird wieder sonniger und wärmer.“

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