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20. Oktober 2017 | 20:10 Uhr

Musiksommer geht zu Ende : Plau als Musikmetropole

vom

Der Plauer Musiksommer war wieder sehr gut besucht. Nationale und internationale Musiker hat es nach Plau gezogen. Wir blicken zurück auf ein an Höhepunkten reiches Jahr, das für viel Applaus beim Publikum sorgte.

svz.de von
erstellt am 23.Okt.2012 | 10:03 Uhr

Plau am See | Der Plauer Musiksommer geht zu Ende. Hier ein kleiner Rückblick: Beim Eröffnungskonzert des Plauer Musiksommers hatte zunächst traditionsgemäß alles, was in Plau streicht, zupft oder singt Gelegenheit zum Mitmachen, Professorin Heide Geck führte bei der Schulmeisterkantate von Telemann mit großem Schwung alle zusammen, die volle Kirche gab tosenden Beifall. Danach kam es Schlag auf Schlag. Es waren ja nicht nur die Musiksommerkonzerte selbst, dazu kamen noch viele Sonderkonzerte an den Wochenenden. Wo hatte Kantor Jörg Reddin bloß die vielen, man muß schon sagen, Weltklassekünstler her? Aus Warnemünde, Rostock, Leipzig, Halle, Düsseldorf, England kamen Organisten, Trompeter, Sänger, Chöre, ein Streichquartett, ganze Orchester mit originaler Barockmusik, Cembalisten, Cellisten, Pianisten, Saxophonisten, Schlagwerker. Die Nußbücker-Orgel wurde höchst virtuos bespielt mit Klängen aller Zeiten, vom Frühbarock bis zum Jazz, unglaublich, was die einzelnen Künstler ihr an teils absolut schrägen, schockierenden, andrerseits nie gehörten farbigen Registrierungen entlockten, ob konventionell, experimentell, improvisatorisch, solistisch, kammermusikalisch oder einfach großartig. Man war immer wieder aufs neue hingerissen von den vielfältigen Möglichkeiten dieses schönen Instrumentes.

Man weiß nicht, was man als Höhepunkte besonders erwähnen will. Auf jeden Fall waren die Chorkonzerte für die Zuhörer ein ganz großes Erlebnis. Das Leipziger Vokal-Konsort (lauter geschulte junge Stimmen) mit seinem John-Lennon-Revival, einem bravourösen Pianisten und einem Jazzsänger, der mit seiner Stimme eine Artistik entwickelte, die wirklich an die Grenzen des Menschenmöglichen ging bis hin zu vokal dargestelltem Schlagzeug . Der Landesjugendchor Sachsen-Anhalt, bot Altes und Neues in himmlischer Klarheit und Reinheit. Oder das Sonderkonzert mit den Rostocker Barocksolisten mit einer Vivaldi- und zwei Bachkantaten, darunter mit "Jauchzet Gott in allen Landen" die Solo-Soprankantate schlechthin. Das Herz will einem aufgehen in der Erinnerung an all die wunderbaren Erlebnisse.

Damit nicht genug: Das Ergebnis der deutsch-russischen Begegnung mit dem Konzert der acht Wunderkinder aus Weimar und St.-Petersburg: Unglaubliches war da zu hören, wunderbar auch zu erleben, wie diese Jugendlichen innerhalb von drei Tagen zusammenfanden. Dazu passen die internationalen Plauer Klaviertage mit Christiane Klonz und vier anderen Großmeistern ihres Faches in der Stuerer Kirche, Feuerwerke pianistischer Fingerfertigkeit und Bravour. Nicht vergessen sei die hervorragende Bläserarbeit des mecklenburg-vorpommerischen Posaunenwarts Martin Huß vor der Haustüre in Barkow, deren Ergebnisse phänomenal-schwungvoll-präziser Bläsermusik in begeisternden Konzerten vorgeführt wurden.

Andere kulturelle Kleinodien: Hauskonzerte, Kammermusiken in der Silbermühle, "Orgel-Schrott-Konzert" in Broock, Theatervorstellungen und Kunstvernissagen - alles in und um eine Kleinstadt mit 6000 Einwohnern. Man hat im Rahmen der großartig geförderten und pompös beworbenen mecklenburg-vorpommerschen Musikfestspiele Orgelkonzerte im Schweriner Dom gehört, die den Plauern nicht das Wasser reichen konnten.

Wie man hört, hat sich jetzt ein privater Verein gegründet "Die Mecklenburg-Gesellschaft - Kultur in der Region", nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung und Unterstützung der bestehenden Aktivitäten. Man könnte sich ja zum Beispiel vorstellen, dass ein Wachküssen des wunderschönen Plauer Kinos aus seinem Dornröschenschlaf möglich wäre. Es muss ja nicht gleich eine Filmbiennale mit Prominenz sein. Ideen können eingebracht werden, viel Geld ist für erste Sanierungsschritte nicht vonnöten. Aber ein wiederbelebtes Kino mit all seinen - durchaus nicht nur filmischen - Möglichkeiten könnte wirklich ein Schritt auf dem Weg sein von Plau als der Musikmetropole von Südwestmecklenburg zur "Kulturmetropole von Südwestmecklenburg".

Als Glücksfall ohnegleichen gibt es jetzt seit eineinhalb Jahren in Plau einen Kantor - Jörg Reddin - der mit riesigem Schwung und Engagement bewirkt hat, dass man hier in den Genuß von Konzerten allerhöchsten Niveaus kommen konnte. Ist er selber doch schon ein begnadeter Organist, der eben mal für einen erkrankten Matthias Eisenberg gleichwertig einspringt, mit großen barocken oder romantischen Werken brillierte, "seine" Orgel immer wieder neu und phantasievoll vorführte, auch mal für Kinder ein Struwwelpeter-Arrangement auf der Orgel bot, an einem Sonntag der offenen Kirchenmusik abends noch einen romantischen Liederabend mit seiner wunderbar schmiegsamen Baritonstimme gab, ganz abgesehen von seiner Chorarbeit mit der Plauer Kantorei, die man mit wirklich neuen reinen Tönen vernehmen konnte.

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