Pinselstrich für Pinselstrich entsteht die Ouvertüre

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Erschrocken: Mit weit aufgerissenen Augen schaut dieses Eichhörnchen den Pfau neben sich an.

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05. Januar 2013, 01:34 Uhr

Goldberg | Majestätisch erhebt sich der Pfau aus dem Bild, zeigt seine gesamte Farbenpracht - Grün, Gelb, Organge, Blau. Filigran schlängeln sich die Federn über die Leinwand, bedecken mehr als die Hälfte des meterlangen und meterhohen Kolosses. Den Kopf ein wenig zur Seite geneigt, scheint der Pfau die Aufmerksamkeit und Bewunderung der anderen Tiere zu genießen. Sie liegen dem Vogel zu Füßen. Einzig das kleine Eichhörnchen schaut erschrocken das prächtige Federvieh mit weit aufgerissenen Augen an. Der Braunbär und auch der Fuchs zu seinen Fängen aber scheinen zu lächeln.

Die Farben der Tiere spiegeln sich auch auf dem weißen Kittel des Künstlers wieder. Noch immer trägt Peter Schmidt-Schönberg dieses Kleidungsstück, noch wird er ihn anbehalten, denn noch ist seine Arbeit nicht getan. Überall auf dem Kittel finden sich Sprenkel. Gelb, Rot, Blau, Grün - die unterschiedlichsten Farben verschönern das einfache Kleidungsstück des Malers aus Berlin. Sicher greift Peter Schmidt-Schönberg zu seiner Farbpalette. Dreht den Pinsel in seinen Fingern, bevor dieser in die kräftige Ölfarbe taucht und verschwindet. Die feinen Härchen des Pinsels nehmen die Farbe an, saugen sie förmlich auf, um anschließend das Weiß der Leinwand wie von Zauberhand verschwinden zu lassen. Pinselstrich für Pinselstrich nähert sich der Berliner seinem Ziel. Denn die Leinwand, die vor ein paar Wochen mit einem Extra-Transporter angeliefert wurde, wird der Abschluss seiner Arbeit - seine Ouvertüre, wie Peter Schmidt-Schönberg sagt, nimmt Formen an. Sein malerisches Meisterwerk nimmt bei den Federn des Pfaus seinen Anfang, wird dort aber nicht sein Ende nehmen. "Der Pfau bestimmt das Ölgemälde, deshalb habe ich auch mit ihm angefangen. Doch nicht mit dem Corpus, sondern mit den Federn", erklärt Peter Schmidt-Schönberg seine Vorgehensweise. Tierärztin Petra Zosel aus Goldberg engagierte schon vor mehr als einem Jahr den Berliner Maler, um ihre neuen Praxisräume verschönern zu lassen. Doch die bemalten Wände reichen der Tierärztin nicht aus, sie wünscht sich aus dem Pinsel von Peter Schmidt-Schönberg noch ein Ölgemälde.

Bis ins kleinste Detail ausgefeilt, präsentiert sich die Skizze für das Ölgemälde auf einer Staffelei. Der Vorentwurf hilft dem Künstler die Tiere detailgetreu auf die Leinwand zu bringen. Doch nicht alles bleibt, wie auf der Skizze gezeichnet. "Manchmal entdecke ich beim Arbeiten an der Leinwand neue Dinge. Es kommen Tiere hinzu oder es verschwinden wieder welche - je nach Platz und Proportionen", erklärt der Berliner. Hier und da blitzt noch ein bisschen Weiß hervor. Doch nicht mehr lange, dann ist die Leinwand, der meterlange und meterhohe Koloss, voll mit Farbe. Dann beginnt für Peter Schmidt-Schönberg aber die eigentliche Arbeit. "Wenn alles fertig ist, fange ich an zu malen. Dann muss ich die Übergänge zwischen den Tieren machen. Alles muss passen und stimmig sein. Das ist wie beim Komponieren einer Oper, die Stimmung macht das Gesamtwerk aus", verdeutlicht der Künstler seine weiteren Schritte.

Eigentlich ist sie der Anfang, doch für Peter Schmidt-Schönberg ist seine Ouvertüre der krönende Abschluss. Sie ist die Zusammenfassung seines ganzen Wirken und Schaffens in den vielen vergangenen Monaten in der neuen Goldberger Tierarztpraxis. Seine Ouvertüre, das Ölgemälde, ist die Einleitung, deshalb wird die Leinwand auch im Warte bereich der Tierarztpraxis an der Wand hängen. Peter Schmidt-Schönberg liebt nicht nur die Malerei, sondern auch die Musik. Beides gehört für ihn zusammen, deshalb nennt er sein großes Meisterwerk auch Ouvertüre. "Manchmal fühle ich mich wie Rossini", erzählt der Berliner mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Gemeint ist Giacchino Rossini, Komponist der Oper "Die diebische Elster". Genau um diese Geschichte geht es nämlich. "Rossini wurde vom Direktor der Mailänder Scala über dem Opernhaus in einer Kammer eingesperrt, damit er endlich die Ouvertüre zur Oper fertig schreibt. Sozusagen im Exil hat Rossini dann die Ein leitung komponiert und die Notenblätter unter der Tür durchgeschoben. Der Kopist hat von Hand alle Stimmen her ausgesucht und kopiert, damit die Uraufführung der Oper noch am selben Abend stattfinden konnte", erzählt Peter Schmidt-Schönberg. Ähnlich geht es auch ihm. Seit einigen Wochen verweilt der Berliner in den ehemaligen Praxisräumen, um seine Einleitung fertigzustellen. "Meine absolute Deadline ist der 9. März. Bis dahin muss ich wirklich mit allem fertig sein", so der Maler mit einem spitzbübischen Lächeln. Dann erfolgt auch die offizielle Eröffnung der neuen Praxisräume. Für Peter Schmidt-Schönberg endet dann aber sein Aufenthalt in einer Kleinstadt. Der Maler zieht wieder nach Berlin, in seine geliebte Großstadt und zu seiner Frau, die viele Monate auf ihren Künstler verzichten musste. Seine Augen strahlen, wenn er von seiner Ehefrau, einer Pianistin, spricht. "Wir haben uns am 1. Dezember wiedergesehen, wenn auch nur kurz. Sie hatte Geburtstag, wie die Callas", erzählt der Maler.

Noch immer präsentiert sich der Pfau majestätisch auf der Leinwand, die Farben leuchten in den unterschiedlichsten Tönen. Nicht alles ist naturgetreu, doch darauf kommt es dem Künstler nicht an. Schließlich handelt es sich um eine Fabel, wie die Wände in der Tierarztpraxis. Doch eines hat dem Berliner wirklich gefehlt. "Die Wand ist wirklich mein Element. Doch während meiner Arbeit habe ich gemerkt, dass die Ölmalerei mein Zuhause ist. Es ist eine andere Art von Malerei, das ist wie Operngesang. Das Bild geht mir durch die Farben dann ganz anders aus dem Pinsel."

Ein Geheimnis trägt der Maler noch in sich, das wird auch vorab nicht verraten. "In der Tierarztpraxis gibt es eine Säule, die ich wirklich ganz zum Schluss malerisch gestalten werde. Doch was, das bleibt mein Geheimnis." Peter Schmidt-Schönberg lächelt verschmitzt, denn die Säule scheint in seinem Kopf bereits fertig zu sein, doch gelüftet wird das Geheimnis erst ganz zum Schluss, dann wenn der Berliner am Ende seiner malerischen Reise in Goldberg angekommen ist. Dann packt er Pinsel, Staffelei, Farben, Tücher, Kittel und viele Dinge ein. Doch vergessen wird er Goldberg wohl nicht. Aber der Ruf seines Zuhauses ist stärker. "Ich vermisse Berlin auf jeden Fall. Ich bin damals nicht ohne Grund aus einer Kleinstadt in Hessen nach Berlin gegangen", erklärt Peter Schmidt-Schönberg. Die Zeit in Goldberg war dennoch für den Künstler besonders. Denn hier hat er etwas ganz Besonderes geschaffen. Pinselstrich für Pinselstrich entstanden Löwen, Bären, Hunde, Vögel, Tiere aller Art - für ihr harmonisches Zusammenspiel ist einer verantwortlich: ihr Komponist Peter Schmidt-Schönberg aus Berlin.

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