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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. November 2017 | 20:09 Uhr

Lübz : Pflegelotsen – Projekt mit Zukunft?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Sozialministerin Stefanie Drese (SPD): Finanzielle Unterstützung Ja, aber nicht zu 100 Prozent. Landkreis muss mitziehen

svz.de von
erstellt am 20.Jul.2017 | 08:50 Uhr

Karina Feser managt Familienleben, Beruf, häusliche Pflege und Ehrenamt. Die Versicherungskauffrau ist eine von insgesamt 47 ehrenamtlichen Pflegelotsen im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Das Projekt – gestartet vor gut drei Jahren – hat sich weiterentwickelt, die Netzwerkarbeit der Ehrenamtler funktioniert, die Pflegelotsen sind zu Türöffnern in ihren Kommunen geworden. Mit Jahresende aber drohe dem Projekt das Aus. Schon für das laufende Jahr wurde die finanzielle Unterstützung von 25  000  Euro nur durch Druck auf den Landkreis möglich. „Das Land stellt seine Förderung 2018 ein und der Landkreis hat keine Mittel, das Projekt zu 100 Prozent zu finanzieren. So ist unser derzeitiger Kenntnisstand“, erklärt Angelika Lübcke, Pflegelosten-Koordinatorin im Mehrgenerationenhaus Lübz. Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) widerspricht vehement, die Finanzierung seitens des Landes werde nicht eingestellt. Während ihrer diesjährigen Sommertour machte die Ministerin einen Abstecher nach Lübz, um die Problematik zu besprechen, sich einen Überblick zu verschaffen. „Wir brauchen dieses Projekt in Kombination mit den Pflegestützpunkten“, verdeutlicht die Sozialministerin.

Pflegelotsen wie Karina Feser helfen und unterstützen, machen Mut, bauen Barrieren ab, lotsen pflegende Angehörige zu den richtigen Adressen, klären über die Notwendigkeit von Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung auf... „Ich bin auch erst zum Projekt gekommen, als mein Schwiegervater pflegebedürftig wurde. Wir beraten aber nicht. Das ist ganz wichtig zu sagen. Die fachliche Beratung übernehmen die Mitarbeiter in den Pflegestützpunkten“, erzählt Karina Feser.

Überzeugt werden vom Projekt müsse die Sozialministerin nicht. „Doch das Projekt funktioniert nur gemeinsam mit dem Landkreis und in enger Zusammenarbeit mit den Pflegestützpunkten“, sagt die SPD-Politikerin. Die Ministerin wolle jetzt auf den Landkreis einwirken, dass auch in den kommenden Jahren Pflegelotsen Bestand haben, das Projekt weiterhin finanziert wird. „Das Land wird im kommenden Jahr auf jeden Fall den Kreisen Geld zur Verfügung stellen. Das kann ich bereits jetzt sagen.“

Angelika Lübcke kämpft vor allem auch für zwei Koordinatorenstellen im Landkreis – für die Standorte in Ludwigslust und Lübz. Der Kreis sei zu groß, um nur eine Stelle für knapp 50 Pflegelotsen vorzuhalten. Noch immer akquiriert Angelika Lübcke in ihrem Bereich (Altkreis Parchim) weitere Ehrenamtler. „Wir haben das Projekt sogar in Betrieben beworben. Auch dort wird das Thema immer wichtiger“, so die Koordinatorin. Von insgesamt zwölf aufgesuchten Betrieben, haben sich bereits zehn Unternehmen bereit erklärt, Mitarbeiter zu betrieblichen Pflegelotsen ausbilden zu lassen. Mit dabei u.a. Bmp Parchim, die Lewitzwerkstätten, die Trolli GmbH, die Sweet Tec GmbH... Schon im September startet die Ausbildung.

Für Lübz’ Bürgermeisterin Gudrun Stein, die für dieses Projekt stark kämpft, ist eines sicher: „Wird das Projekt nicht mehr finanziert, dann bricht ganz viel Ehrenamt in der ländlichen Region weg.“ Und das wäre fatal – vor allem für die Betroffenen, ob pflegebedürftig oder pflegender Angehöriger.

Kommentar von Sabrina Panknin: Lotsen eine Chance geben
Alle sprechen vom Bürokratieabbau, doch, wenn’s um Thema Pflege geht, wird’s problematisch. Hier ein Antrag, da ein Antrag... Ganz unbürokratisch helfen da die Pflegelotsen im Landkreis. Sie weisen pflegenden Angehörigen den Weg durch den Pflegedschungel. Und machen dabei noch Mut. Sie sind Türöffner, Multiplikatoren. Haben die richtigen Kontakte zu den richtigen Leuten. Dieses Projekt jetzt auslaufen zu lassen, wäre fatal. Zumal Vertrauenspersonen mit einem Mal wegbrechen würden. Barrieren würden erneut errichtet, die vorher mit Mühe abgebaut wurden. Jetzt sind die Politiker gefragt – auf Landes- vor allem aber auf Kreisebene – den Weg nicht wieder steinig werden zu lassen. Und zwar auf Dauer.

 

 

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