Umzug : Pastor bald in giftfreiem Zuhause

Die Installateure für die Heizungsanlage und die sanitären Anlagen stehen kurz vorm Abschluss ihrer Arbeiten. Fotos: Ilja Baatz
Die Installateure für die Heizungsanlage und die sanitären Anlagen stehen kurz vorm Abschluss ihrer Arbeiten. Fotos: Ilja Baatz

Evangelische Kirche lässt Pfarrhaus in Lübz für rund 700 000 Euro umfassend sanieren / Handwerker liegen in letzten Zügen

svz.de von
08. Juli 2014, 22:00 Uhr

Geplant ist, dass Enrico Koch, Pastor der evangelischen Kirche, Ende September mit seiner Familie wieder ins alte Pfarrhaus zieht. „Wenn noch etwas Unvorhergesehenes geschieht, was niemand hofft, soll spätestens bis Ende November alles vollzogen sein“, sagt er.

Im Mai vorigen Jahres hatten Handwerker begonnen, das rund 200 Jahre alte, denkmalgeschützte Gebäude neben dem Freizeitzentrum von Grund auf zu sanieren. Die Arbeiten an der elektrischen Anlage sind abgeschlossen, die Fachleute für die Heizung und sanitären Installationen liegen in den letzten Zügen. Noch in dieser Woche soll in allen Räumen des gut 200 Quadratmeter großen Erdgeschosses ebenfalls der Beton-Estrich eingebracht werden, unter dem sich dann eine gut 20 Zentimeter starke Dämmschicht befindet, die wiederum die nochmals gedämmten Heizungsrohre und die Elektrokabel verdeckt. Im bisher als Abstellraum genutzten Anbau des Pfarrhauses – von der Straße aus gesehen rechts – wird der neue Gemeinderaum eingerichtet.

Zwar mussten die alten, handgestrichenen Biberschwanzziegel neuen weichen, doch im wiederhergestellten Fachwerk zur Straße hin finden sich passend zum Charakter des Gebäudes nahezu wieder nur alte Ziegelsteine. Den Auflagen des Denkmalschutzes ist zu verdanken, dass die Aufteilung der neu angefertigten Fenster aus Holz jetzt stimmt und noch eine dem Original entsprechende, bis ins Detail nachgefertigte Haustür eingesetzt wird.

Koch zog 2008 in das Haus ein. Diesem großen beruflichen Schritt war zunächst jedoch kein Glück beschieden: Auch durch die ständige Krankheit mehrerer Familienmitglieder, besonders der kleinen Tochter an den Bronchien, zeigten nähere Untersuchungen, dass das Haus nicht nur von Schimmel befallen, sondern auch mit schweren Giften wie PCP (Pentachlorphenol), DDT (Dichlordiphenyltrichlor-ethan) und Lindan belastet ist. Alles findet sich in dem zu DDR-Zeiten oft benutzten Holzschutzmittel Hylotox. Bei Koch und seiner Frau waren alle Stoffe im Blut nachzuweisen – wenn auch in gesetzlich noch zugelassener Konzentration. Im Sommer 2012 konnte der Pastor endlich in eine Ausweichwohnung umziehen. Rund viereinhalb Jahre waren er und seine Familie den giftigen Belastungen ausgesetzt. Auch bei der Kirche gibt es Verwaltung, die einzuhaltende Wege vorschreibt. So habe zum Beispiel auch erst der Bischof einer Alternativ-Lösung zustimmen müssen. Die Sanierung bezahlt die Kirche allein. Bewilligt hat sie dafür rund 700 000 Euro.

„Besonders für uns eingesetzt hat sich auch der mit der Kirche eng verbundene Arzt Dr. Emisch, wofür ihm zu danken ist“, sagt Koch. So werde das Landesgesundheitsamt Rostock das Haus vor dem neuen Einzug noch einmal auf eventuelle Belastungen hin untersuchen. Um auch in Zukunft mögliche Gefahren zu unterbinden, wurden die beiden oberen, früher ebenfalls genutzten Ebenen gesperrt. Für große Mengen hier lagernde Bücher und Instrumente etwa blieb nichts anderes übrig, als sie wegen der großen Giftbelastung wegzuwerfen. Die Entsorgung übernahm eine Spezialfirma. Nach oben begibt sich jetzt nur noch der Schornsteinfeger durch eine kleine Luke.

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