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24. November 2017 | 12:27 Uhr

Plau am See : Parkhotel kontert Branchenschelte

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Sie brechen eine Lanze für die Gastronomie und Hotellerie: Das Team des Plauer Parkhotels Klüschenberg will der in der Kritik stehenden Branche zu einem positiveren Image verhelfen. Dabei ist der Gegenwind heftig.

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erstellt am 06.Apr.2012 | 06:44 Uhr

Plau am See | Sie brechen eine Lanze für die Gastronomie und Hotellerie: Das Team des Plauer Parkhotels Klüschenberg will der standig in der Kritik stehenden Branche zu einem positiveren Image verhelfen. Dabei ist der Gegenwind heftig: Überstunden, wenig Lohn, harte Arbeit - Jobs in Gastronomie und Hotellerie stehen immer wieder in der Kritik. Zu Unrecht, sagt Ernst Gotzian. "Natürlich gibt es schwarze Schafe", sagt der Parkhotel-Chef. Aber gleich eine ganze Branche in Verruf zu bringen, das geht ihm zu weit. "Unsere Branche ist eine hochmoderne", kontert Gotzian. Das Bild vom knechtenden Oberkellner - längst überaltert, meint der Hotelier. "Sklavenhalterische Zustände", die Kritiker in Hotels und Restaurants vermuten, gebe es in seinem Hause nicht. "Und ich wette, bei vielen anderen Gastronomen ist das auch nicht der Fall", sagt er. Selbst in der Hochsaison haben seine Angestellten eine 40-Stunden-Woche inklusive zweier freier Tage. Stehen Events wie Hochzeitsgesellschaften ins Haus, müsse zwar auch mal die ein oder andere Arbeitsstunde extra eingeplant werden, doch dafür gebe es einen sofortigen Freizeitausgleich. Fließende Arbeitszeiten seien zudem für Arbeitnehmer mit Familien attraktiv. Kurzfristige Abstimmungen im Team, Schichttausch - in der Großfamilie Parkhotel sei das kein Problem, sagt Gotzian.

Gerade das Thema Löhne steht in Verbindung mit der Gastronomiebranche immer wieder in der Kritik. Es gebe bei der Bezahlung noch Handlungsbedarf, gibt Ernst Gotzian unumwunden zu. Noch liegen die Stundenlöhne in manchen Bereichen unter 8,50 Euro. "Ich verstehe, wenn sich die Mitarbeiter mehr wünschen und auch ich kriege Magenschmerzen, wenn wir nicht allen Wünschen entsprechen können. Aber wir sind massiv an der Sache dran", sagt er. Immense Investitionen, die in der Gastronomie geleistet werden müssen, machen es den Unternehmen jedoch nicht leicht, sagt er. Doch es gibt Hoffnung: Mehreinnahmen die beispielsweise die Senkung der Mehrwertsteuer in Gastronomie und Hotellerie von 19 auf sieben Prozent in die Unternehmenskasse spülte, sind direkt an die Mitarbeiter geflossen - in Form von Lohnerhöhungen. Damit die Gehälter in seinem Haus weiter steigen, möchte der Parkhotel-Chef geplante Baumaßnahmen wie die Vergrößerung des Gastraumes hintenanstellen - zum Wohle seines Teams und seiner Gäste. "Mit freundlichen Mitarbeitern ist mehr getan als mit einem vergrößerten Zimmer", erklärt Gotzian.

Weil sein Team sein wichtigstes Kapital ist, baut er auf die hausinterne Ausbildung als wichtigen Eckpfeiler für den Unternehmenserfolg. "Wir reden nicht nur über Fachkräftesicherung, wir tun es", betont Ernst Gotzian. Im Parkhotel haben bislang an die 400 Lehrlinge ihr Handwerk gelernt. Für die Ausbildung ist das Unternehmen schon mehrfach prämiert worden - unter anderem mit dem Willy-Scharnow-Preis. Vor allem mit seinem Azubi-Flaggschiff - dem Wintertheater - setzt das Parkhotel Maßstäbe in der Mitarbeitereinbindung und -motivation.

Fördern will Ernst Gotzian aber auch diejenigen, die eigentlich nicht in seiner Branche zu Hause sind. Der Hotelier gibt Seiteneinsteigern eine Chance. "Wir bieten eine unglaublichen Breite in der Bevölkerung einen Arbeitsplatz. Das ist natürlich erstmal ein erhöhter Zeitaufwand, bis so jemand ein vollwertiges Mitglied im Team wird", sagt Gotzian. Die Investition aber lohne sich. Eine, die im Quereinstieg in die Hotelbranche kam, ist Marlies Heiden. Sie kommt eigentlich aus dem Einzelhandel, ist nun Rezeptionistin - ein Vollzeitjob. Sie ist dankbar über die unverhoffte Chance. "Wer investiert denn noch Ausbildungszeit in mein Alter", fragt die 48-Jährige. Mit ihren Arbeitsbedingungen ist sie rundum zufrieden. "Es tut gut, Anerkennung zu bekommen und etwas Neues zu lernen", sagt sie.

Beim Personal setzt das Plauer Unternehmen auf Langfristigkeit. Jobs für eine Saison - Fehlanzeige im Parkhotel. "Wer bei uns anfängt, der bleibt meist auf Dauer", sagt Stefanie Wufka. Sie selbst begann als Schwangerschaftsvertretung für Hotel-Chefin Beatrice Gotzian. "Das ist mittlerweile zehn Jahre her", sagt Wufka.

Doch auch Neuzugänge wie Stefan Weber sind am Klüschenberg gern gesehen. Seit einem halben Jahr ist er Chefkoch im Parkhotel. "Mit ihm wird die Qualitätssicherung einen neuen Stellenwert erhalten", sagt Ernst Gotzian. Bislang setzte der Hotel-Chef - selbst seit 38 Jahren Küchenmeister - die fachlich-kreativen Akzente im Restaurant-Bereich. Nun übernimmt der Nachwuchs. Mit Folgen: Stefan Weber hat frischen Wind in die Küche gebracht. Das Team ist neu motiviert. "Unsere Köche leben richtig auf. Die Fluktuation, die uns bevorstand, war schlagartig weg", sagt Gotzian. "Wir haben viel Freude an der Gastronomie und stecken unser ganzes Herzblut ins Kochen. Wenn man am Buffet steht und die glücklichen Gesichter der Gäste sieht, dann weiß man, man hat alles richtig gemacht", sagt Stefan Weber. Im Parkhotel hab er den perfekten Arbeitsplatz für sich gefunden. "Hier herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre - durch alle Abteilungen", sagt der Koch. Das Wir-Gefühl will Gotzian fördern. Denn: "Zufriedene Mitarbeiter können entsprechend aufgeschlossen auf die Gäste zugehen", sagt er. In seinem Haus gelinge das - nicht zuletzt, weil die Arbeitsbedingungen und Bezahlung eben doch nicht so schlecht seien, wie von Kritikern moniert. "Unsere Branche dient nicht dazu, als Buhmann herzuhalten", sagt Gotzian. Statt Branchenschelte wünsche er sich mehr Respekt für Gastronomen und Hoteliers. "Manchmal reicht schon ein kleines Danke."

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