zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

23. November 2017 | 01:15 Uhr

Etappensieg : „Parallelverkehr ist Kampfansage“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Bürgerinitiative „ProSchiene“ feiert mit Bahnhofsfest in Lübz Fortbetrieb des Eisenbahnverkehrs zwischen Parchim und Malchow.

von
erstellt am 15.Dez.2014 | 20:45 Uhr

Mit einem Bahnhofsfest in Lübz hat die Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“ am Sonntag gefeiert, dass zwischen Parchim und Malchow weiter Züge fahren, zwar nicht mehr wie bisher mit der ODEG, aber mit Triebwagen der „Hanseatischen Eisenbahngesellschaft“, die bereit war, die Verbindung besonders kostengünstig aufrecht zu erhalten (wir berichteten). Täglich verkehren deren barrierefreien Triebwagen jetzt zwischen Lübz und Parchim siebenmal und zwischen Lübz und Malchow viermal. „Heute ist ein besonderer Tag. Wir sind froh, dass die Bahnhofslichter weder in Lübz noch in Passow, Gallin, Karow und Alt Schwerin ausgegangen sind. Diese von der Landesregierung geradezu ersehnte Lösung ist krachend gescheitert“, sagte Clemens Russell, Sprecher der BI. „Das haben wir der Hanseatischen Eisenbahngesellschaft, ihrer Geschäftsführung und ihren Mitarbeitern zu verdanken.“ Verkennen dürfe man jedoch auch nicht, dass die ODEG in den vergangenen Jahren „einen hervorragenden Fahrbetrieb sichergestellt (...) und eine großartige Leistung hingelegt“ habe.

Nach genauer Analyse der Fahrpläne von Bus und Bahn müsse man feststellen, dass es momentan ein totales Kampfangebot mit noch nie dagewesenem Parallelverkehr gebe. Russell: „Idiotie! Zahlreiche völlig unnötige Parallelfahrten genau zur gleichen Zeit, nur weil von den Busmitteln nichts an die Bahn gegeben werden soll. Das ist ein Skandal und deshalb lohnt es sich weiterzukämpfen!“ Busse benötige man als leistungsfähige Zubringer zu den Zügen und für die Feinverteilung auf dem Land. Richtig eingesetzt seien sie Partner der Bahn und keine Konkurrenten. Die Verwaltung im Landkreis müsse endlich aufwachen. ProSchiene wolle die Übernahme der Trägerschaft des Zugbetriebs durch den Landkreis. Dieser Betrieb oder die eventuellen Busersatzleistungen dürften jedoch nicht aus der Kreisumlage finanziert werden. „Liebe Vertreter von Kommunen und Gemeinden, lassen Sie sich nicht von diesen Drohszenarien ins Bockshorn jagen“, so Russell. „Die Prignitzbahn in Nordbrandenburg wurde gerettet, weil sich die Landräte massiv ins Zeug gelegt haben und von Anfang an die Unsitte der Bus-Parallelverkehre eingestellt wurde.“

Am vergangenen Mittwoch demonstrierte die BI vor dem Solitär in Parchim. Dabei sei ihr aufgefallen, dass Landrat Rolf Christiansen die Bahnpolitik der Landesregierung eine Katastrophe nenne. Der stellvertretende Landrat Wolfgang Schmülling habe Russell und die BI aufgefordert, ihren Kampf fortzusetzen. „Und der Beigeordnete Andreas Neumann erklärt klipp und klar: Das Abhängen von ländlichen Regionen ist eine politische Schweinerei“, sagt der BI-Sprecher. Außerdem setze sich der Beigeordnete Günter Matschoß bei vielen Gelegenheiten für den Erhalt der Südbahn ein. Diese vier gestandenen Verwaltungsmänner müssten jetzt Farbe bekennen. Auch ihnen gegenüber wurde Russell deutlich: „Lasst Euch nicht von Rahmenbedingungen, vermeintlichen Sachzwängen und spitzfindigen juristischen Bremsmanövern aus der Feder dieser böswilligen Verwaltungsjuristen im Verkehrsministerium in Eurem Handeln bestimmen! Ihr seid keine Roboter, sondern Gestalter. Kommt endlich zur Vernunft, meine Herren. Findet Lösungen und beschwört nicht die Probleme!“ Bahnpolitik sei auch ein Thema für den Landkreis, so schwer dies vielleicht Beamten in der Verwaltung zu vermitteln sei. Die Bürger wollten von A nach B egal, wer Träger ist. Heute um 16.15 Uhr werde die BI erneut vor dem Landratsamt in Ludwigslust in der Garnisionsstraße demonstrieren, um ihre Ziele vor der Kreistagsdebatte nochmals zu verdeutlichen.

Die vom Land nun „massiv durchgepaukte Buslösung“ sei ein „verkehrspolitisches Unding“ und eine eindeutige Kampfansage der SPD-/CDU-Landesregierung an die Bürger in den Landkreisen: „Tiefer können Sellering & Co nicht mehr fallen.“ Die hervorragende Zusammenarbeit innerhalb der BI wie auch zum Beispiel mit dem Amt Eldenburg Lübz sei eine Kraft, die die Gegner eindeutig unterschätzt hätten. Lübz’ Bürgermeisterin Gudrun Stein, die mit zu den scharfen Gegnern der Bahneinschränkung gehört und am Sonntag ebenfalls wieder Gast auf dem Bahnhof war, beklagt die nach ihrer Meinung mangelnde Kommunikationsfähigkeit des Landes und sieht unter anderem das schnelle Sterben der Strecke Parchim-Rehna, sobald die Verbindung Parchim-Malchow gekappt werde. Auch ihr Amtskollege Bernd Rolly nahm an der ersten Tour der Züge der Hanseatischen Eisenbahngesellschaft teil. Bei den Demonstrationen der BI vor der Staatskanzlei in Schwerin sei Gudrun Stein von den Äußerungen des Verkehrsministers erschüttert gewesen. Er habe das nicht mehr vom Tisch zu wischende Engagement der Bevölkerung mit inakzeptablen Äußerungen belegt. Nach der Meinung von Kreistagsmitglied Barbara Borchert gebe es unter anderem auch in der SPD-Fraktion „Gemurmel“ bezüglich des weiteren Vorgehens. Das Ping-Pong-Spiel zwischen Kreis und Land müsse endlich aufhören. Die Kreise seien angehalten, eindeutige Beschlüsse zu fassen. Bei der heutigen Kreistagssitzung gibt es Gelegenheit dazu.

Nach Aussage von Timo Hahn, Geschäftsführer von Regio Infra, zu der die Hanseatische Eisenbahngesellschaft gehört, sei ein Parallelverkehr wie der jetzt installierte gar nicht zulässig. Sein weiteres Vorgehen wolle das Unternehmen auch von den heute gefassten Kreistagsbeschlüssen abhängig machen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen