zur Navigation springen
Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. Oktober 2017 | 00:05 Uhr

Südbahn : „Parallelverkehr ist hirnrissig!“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Erneut scharfe Kritik von Bürgerinitiative zur Erhaltung der Südbahn, aber auch Plädoyer dafür, dass sich Bus und Bahn ergänzen

von
erstellt am 02.Feb.2015 | 22:00 Uhr

So viele Besucher wie noch nie – weit über 100 – machten sich trotz Kälte und Schneeregen auf zur jüngsten Demonstration „Rote Laterne“ der Bürgerinitiative (BI) auf dem Lübzer Bahnhof. Gekommen waren diesmal auch Bertram Bednarzyk und zwei Mitglieder der sonst größeren Band „Country Buffet“, um mit Banjo, Akkordeon und Geige unter anderem das selbst komponierte Lied „Warum fährt die Südbahn nicht?“ zu spielen. „Wir beschreiben darin eine Situation, die hoffentlich nie eintreten wird“, so Bednarzyk. „In Lübz und drum herum gibt’s keine Bahn, die Linie einfach abgesetzt, den Wunsch des Volkes schwer verletzt. Mit Bussen geht das nicht – das ist ein Wahn“, heißt es unter anderem in dem Stück. Außerdem gab es von Roland Suppra aus Plau am See Informationen über die Geschichte der Südbahn, die in der vergangenen Woche 130 Jahre alt wurde.

Im Bericht über den kürzlich in Parchim veranstalteten Neujahrsempfang habe man lesen können, dass die Stimmung in der Wirtschaft unseres Landkreises gut sei, sagte BI-Sprecher Clemens Russell: „In solchen Zeiten schließt man keine Bahnlinien oder lässt volks- wie betriebswirtschaftlich völlig hirnrissige Parallelverkehre zu!“ Gemeint sind damit die jetzt auf derselben Strecke wie die Bahn fahrenden Busse. Russell betonte erneut, dass er kein „Bahn-Fanatiker“ sei, sondern die beste Lösung darin sehe, wenn die nicht auf Schienen festgelegten Busse Passagiere aus der Fläche zur Bahn bringen.

Der von Schließung bedrohte Abschnitt der Südbahn befindet sich zwischen Parchim und Malchow. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim beabsichtige, die Trägerschaft für den Schienennahverkehr in diesem Bereich zu übernehmen – so ihm das Land die Aufgabenträgerschaft überträgt und ein öffentlich-rechtlicher Vertrag mit Schwerin sowie dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte zustande kommt. „Das ist schon mal gut“, meint Russell – ebenso wie der Punkt, dass beide Kreise an ihrer Klage gegen die Schließung festhalten.

Obwohl es „anfangs geholpert“ habe, sei grundsätzlich positiv, dass die Hanseatische Eisenbahngesellschaft (HANS) den Betrieb auf der eigentlich seit Dezember gesperrten Teilstrecke Parchim – Malchow übernommen hat. Als größtes Ärgernis bezeichnet Russell den Parallelbetrieb von Bus und Bahn, weil er die Fahrgastzahlen immer weiter verringere.

Ein weiteres Problem sieht der Sprecher in der Ausdünnung des Fahrplans. „Uns fehlen viele Züge, etwa die um 15 und 17 Uhr zwischen Parchim und Lübz“, so der Sprecher. „Schmerzhaft vermisst“ werde zudem der Zwei-Stunden-Takt zwischen Parchim über Malchow nach Waren.

Die BI fordere an allen Bahnhöfen der Südbahn zu Fuß schnell zu erreichende Bushaltestellen. Ein besonders krasses Beispiel für nicht vorhandene Kommunikation sei die Situation in Lübz, wo beide genannten Stellen mehrere 100 Meter weit auseinander liegen und es Menschen mit schwerem Gepäck etwa nicht zuzumuten sei, diese Entfernung auf eigenen Füßen zurück zu legen – erst recht nicht in fortgeschrittenem Alter. „Wir fordern eine echte Bürgerbeteiligung an der Verkehrsplanung, die diesen Namen auch verdient“, sagt Russell und richtet symbolisch an die Entscheidungsträger: „Habt keine Angst vor uns und springt endlich über Euren Schatten! Nutzt die Förderprogramme und schaut systhematisch, was in anderen Regionen funktioniert!“

Regional konkret ist die Aussage, dass Plau am See über Karow wieder an die Südbahn angeschlossen werden müsse. Nach Aussage der BI sei dadurch jährlich ein Zuwachs von schätzungsweise 70 000 Fahrgästen zu erwarten. Dieser Wert ergebe sich mit aus der Zahl der Anfragen von Besuchern, die wissen möchten, ob Plau am See auch per Bahn zu erreichen sei.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen