Arbeitslosenverband Lübz : Ohne Verbündete keine Chance

Gutes Miteinander: Der neue Vorsitzende Dr. Heiko Hahnel (r.) mit seinem Vorgänger Jürgen Lather
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Gutes Miteinander: Der neue Vorsitzende Dr. Heiko Hahnel (r.) mit seinem Vorgänger Jürgen Lather

Jürgen Lather, langjähriger Vorsitzender des Arbeitslosenverbandes in Lübz, lobt Unterstützung, blickt aber kritisch auf Entwicklung der Lage

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27. Mai 2017, 05:00 Uhr

Mit Jürgen Lather, 26 Jahre lang Vorsitzender des Arbeitslosenverbandes, Ortsverband Lübz und Umgebung e.V., der unlängst nicht zur Wiederwahl antrat (wir berichteten), ist das öffentliche Leben unserer Region um eine wichtige Persönlichkeit ärmer. „Als enger Verbündeter von Arbeitslosen haben wir – auch als kleiner Verein fest im sozialen Netzwerk verwurzelt – ein Stück gesellschaftliche Entwicklung mitgeschrieben und hautnah miterlebt“, sagt er. Die Entwicklung des Verbandes sei durch viele Erfolge, leider aber auch viele Misserfolge gekennzeichnet. Mit seinem Beratungsgrundsatz, der Hilfe zur Selbsthilfe, war und sei er weiterhin bestrebt, ein zuverlässiger Partner zu sein. „Als relativ kleiner Verband sind wir nicht der Nabel der Welt und haben durch die begrenzten Möglichkeiten nur einen geringen Einfluss auf politische Entscheidungen und die Vermittlung von Arbeitslosen auf den Ersten Arbeitsmarkt“, so der bisherige Vorsitzende.


Viele Partner auf kommunaler Ebene


Um erfolgreich arbeiten zu können, brauche der Verband Verbündete und rechtliche, ihn unterstützende Rahmenbedingungen. Dabei gehörten schon jetzt Partner auf kommunaler Ebene wie etwa die Diakonie, das DRK, der Jugendförderverein, der Lübzer Sportverein, die Parchimer Tafel, die kleine Liga des Landkreises wie auch Sponsoren regionaler Betriebe und Gewerbetreibende untrennbar dazu. „Besonders schätzen wir die Unterstützung durch die Stadt Lübz, die für uns die unentgeldliche Lohnbuchung übernommen hat“, sagt Lather. „Mit Leben angereichert und verwirklicht wurde das Erreichte letztlich aber nur durch das fleißige und oft uneigennützige Engagement unserer Mitarbeiter, Mitglieder sowie vielen Männer und Frauen, die durch Fördermöglichkeiten der Bundesanstalt für Arbeit und des Jobcenters die Möglichkeit für eine Beschäftigung erhielten.“

Als Problem sieht der langjährige Vorsitzende unter anderem die „bescheidenen finanziellen Mittel“, die zur Verfügung stehen, zumal der Gesetzgeber ständig neue, höhere Anforderungen an die Vorstands- und Geschäftstätigkeit stelle. Man könne sagen, dass für die noch zu realisierenden Aufgaben eine relativ gute, wenn auch begrenzte materiell-technische Basis vorhanden ist.


Gut gewirtschaftet:Gleichbleibende Qualität


Auch bei der erheblich reduzierten Sachkostenplanung, der Verwendung von / Suche nach neuen Finanzquellen sowie ordnungsgemäßen Abrechnung habe man dank des Fleißes einzelner Mitarbeiter eine relativ gleichbleibende, sehr gute Qualität erreicht. „Wir müssen uns aber darüber im klaren sein, dass künftig wesentlich weniger, teilweise gar keine Sachkosten mehr für die Projektarbeit zur Verfügung stehen – außer für die Schuldnerberatung im begrenzten Umfang“, so Lather mahnend. Bis heute hätten sich zwei Kommunen an der Finanzierung der Schuldnerberatung beteiligt – erneut das Amt Eldenburg Lübz und das Amt Mildenitz als ständiger Geber. Keine direkte finanzielle Unterstützung könnten die Städte Goldberg und Lübz gewähren. Erwähnen müsse man jedoch, dass die Stadt Lübz – wie schon erwähnt – die Lohnbuchung kostenlos übernommen hat und dem Verband durch den teilweisen Erlass der Miete entgegengekommen sei. „Positiv ist außerdem die gezeigte Bereitschaft der Stadtwerke Lübz und des Unternehmens Mecklenburger Wurstwaren, uns finanziell wie materiell zu unterstützen“, sagt der bisherige Vorsitzende.

Wegen eingeschränkter Förderbedingungen müsse man sich auf die Kernprojekte Möbelbörse (vier Mitarbeiter), Tafel (zwei Mitarbeiter und drei ehrenamtliche Helfer) sowie Schuldnerberatung (drei Mitarbeiter) konzentrieren.


Verwaltungsaufwand immer größer


Ihr Erhalt sei „existenzsichernde Grundlage für den Verein“, jedoch schon in seinem geringen Umfang nur noch mit enormem Verwaltungsaufwand zu halten. Dass sie bestehen blieben, sei der oft auch ehrenamtlich geleisteten Arbeit von Mitgliedern und Mitarbeitern zu verdanken. Wegen weggebrochener Förderung habe man Dr. Hahnel zufolge bereits vor längerem unter anderem die Nähstube und das Obdachlosenheim aufgegeben.

Positiv erwähnen müsse man auch, dass trotz oft unsicherer Aussichten für die Zukunft und weiterer zu führender Verhandlungen die „Feststellen“ für die Mitarbeiter der Schuldnerberatung von 2015 bis 2017 erhalten werden konnten. Diese gelte ebenso für die Förderung des Landkreises zur Sicherung des Arbeitslosentreffs. Lather bleibt kritisch. „Auch wenn wir monatlich die beschönigten Arbeitslosenzahlen vorgehalten bekommen und täglich berieselt werden – diese Werbesprüche sind untauglich, die eigentlichen gesellschaftlichen Probleme zu lösen!“, sagt er.

Ein ernstes Problem im Kampf gegen weiteren Sozialabbau bis zu Niedriglöhnen, die nicht einmal dazu reichten, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, sei nach wie vor das Desinteresse (krankhafte Resignation), was auch die Angst der Menschen unserer Region vor dem Verlust des Arbeitsplatzes betreffe, wenn sie sich an Aktivitäten beteiligen: „Sie werden früher oder später am eigenen Leib spüren, dass ihre Existenz nicht mehr gesichert ist. Deshzalb ist es wichtig, dass wir diese Situation bewusst machen und möglichst viele für weitere Aktionen gewinnen.“

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