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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

19. November 2017 | 02:30 Uhr

Radfahrer in Lübz : Ohne Rücksicht auf Verluste

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Zunehmendes Problem: Bei Radfahrern in Lübz gibt es oft kein Bewusstsein für Fehlverhalten. Sie bringen sich selbst und vor allem Fußgänger in Gefahr.

von
erstellt am 27.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Entweder, sie haben noch nie etwas davon gehört, dass es Verkehrsregeln gibt, die für alle gelten, die sich auf der Straße bewegen – also auch für sie – oder unter ihnen sind überdurchschnittlich oft Menschen vertreten, die nicht lesen können, weil mit eindeutigen Worten bedruckte Schilder mit unfassbarer Hartnäckigkeit missachtet werden.

Gemeint sind Radfahrer, deren oft rücksichtsloses Verhalten in Lübz immer mehr zum Problem wird. Selbst die eindeutige Aufforderung auf großen Blechtafeln, abzusteigen, scheint für die meisten nicht zu gelten. Gutes Beispiel dafür: Besonders die Baustelle in der Plauer Straße, wo der Gehweg abschnittsweise aufgerissen wurde, um neue Elektroleitungen zu verlegen (wir berichteten) hatte es ihnen offenbar angetan.

Korrekt laufende Fußgänger werden angepöbelt, wenn sie von hinten kommenden, vielleicht auch nicht mehr ganz so sicheren Radfahrern nicht sofort Platz machen. Als Steigerung wird dem Verlangen oft mit einer Klingel oder Hand-Hupe Nachdruck verliehen. Der Hinweis, dass es sich um keinen Radweg handele, den der Betreffende gerade als solchen benutzt, genügt, um als Antwort ausfallende Brüllerei zu kassieren oder sich dem hochgestreckten Mittelfinger gegenüber zu sehen.

Unabhängig von Rücksichtslosigkeit sind sich falsch verhaltende Raser auf zwei Rädern hinsichtlich der möglichen Gefahren für alle Seiten eine besonders große Gefahr - etwa dann, wenn sie in Einbahnstraßen in falscher Richtung auf den Gehwegen unterwegs sind und Hausbewohner dann unvermittelt vor die Tür treten oder ein Auto vom Grundstück fährt. Problem ist, dass in Lübz viele Gehwege unmittelbar bis an die Häuser reichen.

Laut Statistik der Polizeiinspektion Ludwigslust, zu der unter anderem das Polizeirevier Plau am See und damit auch Lübz gehört, verursachten Radfahrer 2015 genau 92 und im vergangenen Jahr 90 Unfälle. „Fast ein Wunder ist aus meiner Sicht, dass nicht mehr passiert. Viele sind sich ihrer Verantwortung und möglicher weitreichender Folgen des Fehlverhaltens nicht bewusst“, sagt Thomas Rosenfeldt, als Bürgeramtsleiter auch für Ordnungsfragen zuständig. Prallt ein Radfahrer zum Beispiel mit einem Fußgänger oder Auto zusammen und irgendjemand behalte bleibende, mit großen Kosten verbundene gesundheitliche Schäden zurück, könne sich dies für den Verursacher möglicherweise auch in anderer Hinsicht fatal auswirken – nämlich dann, wenn man ihm beweisen kann, dass er sich nicht an die Verkehrsregeln gehalten hat und die Haftpflichtversicherung Zahlungen verweigert.

Auf den Hinweis, dass das Befahren von großem Granitpflaster mit einem Zweirad unangenehm ist, bemerkt Rosenfeldt, dass dies im Zuge der Sanierung des Lübzer Zentrums erhalten worden sei, um den Altstadtcharakter zu wahren: „Unangenehmes Empfinden legetimiert nicht zu dem Fehlverhalten, stattdessen die Gehwege zu benutzen. Sie sind für Radfahrer tabu!“ Nur die Polizei dürfe sie anhalten und Vergehen ahnden, die Stadtverwaltung nicht. „Vor einigen Jahren sind Mitarbeiter von uns gemeinsam mit der Polizei auf Streife gegangen – alle auf Fahrrädern“, so der Amtsleiter. Obwohl die Ordnungshüter ihre Uniform trugen, war dies für viele kein Grund, ihr Verhalten zu ändern. Dennoch schien die Aktion zumindest für den Moment gewirkt zu haben. Rosenfeldt: „Ich würde eine Wiederholung begrüßen.“

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