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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

21. November 2017 | 17:04 Uhr

Kultur : Oh, du lustige Weihnachtszeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Im Mehrgenerationenhaus Lübz las Schauspieler und Kabarettist Ludger Burmann Weihnachtssatiren.

Was ist der eigentliche Sinn des Weihnachtsfestes? Die eher rhetorische Frage kehrt jedes Jahr wieder. Sie entstammt der Erkenntnis, dass der Vor-Fest-Furor aus Konsum, Zeitdruck und hoch gespannten Erwartungen dem tieferen Sinn zuwiderläuft, ändert aber nichts. Für Schriftsteller und Satiriker wiederum war und ist dies sozusagen ein gefundenes Fressen, sie spitzten gern die Federn, um dem unheiligen Widerspruch verbal zu Leibe zu rücken. Ludger Burmann, Schauspieler und Kabarettist, hat mit solchen Texten ein Weihnachtsprogramm aufgebaut. Im abendlichen Kulturprogramm des Mehrgenerationenhauses trug er makabre bis komische Weihnachtssatiren vor. Titel: „Weihnachten soll Sinn stiften, doch häufig geht jeder Sinn stiften.“

Wer auch immer monatlich abends im MGH auftritt, er findet ein eher kleines Publikum vor. Gibt es weniger Voranmeldungen, werden im Veranstaltungsraum nicht Stuhlreihen aufgebaut, sondern Tischgruppen. So erhielt auch dieser Abend ein wenig Café-Flair und verlief völlig entkrampft, zumal zur Vorerheiterung ein Gläschen Sekt „aufs Haus“ gereicht wurde. Ludger Burmann, bekannt aus TV-Produktionen, hatte es unter diesen Umständen auch leicht, mit dem Publikum Kontakt aufzunehmen. Große Einleitungsworte musste er nicht finden, er tat es auch nicht. Im Wesentlichen baute Burmann auf die Qualität der Textauswahl und - zwecks Auflockerung - auf zwischendrin gestellte Quizfragen, wie etwa „Wo kommt der Adventskranz her?“ Oder: „Wann wurde der Weihnachtsbaum zum ersten Mal in der Dichtung erwähnt?“ (Antwort: Im „Werther“ von Goethe).

„Tiefgefroren in der Truhe liegt die Gans aus Dänemark“. Der Anfang eines typischen Werks aus der Feder von Heinz Erhardt mag die Komik andeuten, mit der Weihnachtssinn und -unsinn an diesem Abend von den unterschiedlichsten Autoren belächelt, aufgespießt, entlarvt wurde. Von den Erkenntnissen des naiven Kunst-Ichs eines Erhardt spannte sich der Bogen über ernste, anklagende Verse von Erich Kästner („Morgen, Kinder, wird’s nichts geben“) bis zur makabren Satire „Advent“ von Loriot oder der genüsslich jeden möglichen Weihnachtsirrsinn aufspürenden Geschichte des Titanic-Autors Hans Scheibner „Weihnachtsmann in Nöten“: Ein Engel befiehlt dem Weihnachtsmann, wenigstens einen Menschen auf der Erde zu finden, der beteuere, er sei an Weihnachten froh. Kurz vor dem Nervenzusammenbruch findet der Nikolaus eine ebenfalls fast zusammenbrechende Hausfrau, die den Satz „Ich bin ja so froh...,“ ausstößt und der Weihnachtsmann glaubt sich am Ziel. Den Nebensatz, der folgt, hört er nicht mehr. Er lautet: „... wenn Weihnachten vorbei ist.“

Es war schon ein Genuss, diese Geschichten zu hören, zum Genuss trug auch die tiefe, sonore Stimme Ludger Burmanns bei. Stellenweise lachte man sich schlapp, nicht zuletzt bei der völlig grotesken „Geschichte vom Lametta“, das aus Sauerkraut hergestellt wird und dann an Sylvester doch auf den Tisch muss. Man kann die Geschichte im Internet nachlesen, vorgetragen von Burmann aber war sie noch komischer.


















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