Ofischt is! Gourmetwochen eröffnet

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23. September 2012, 05:37 Uhr

Plau am See | Großer Empfang für die kleine Maräne: Am Ufer der Metow warten hunderte Plauer und Urlauber und blicken gebannt gen See. Dann taucht es auf, das Boot der Müritzfischer. Sie machen am Kai fest und haben die Fracht an Bord, auf die hier alle sehnlich warten: fangfrischer Fisch.

Aus ganz Deutschland sind Genießer angereist - für entspannte Tage am Plauer See und die Gourmetofferte XXL: In der Seestadt starten die Müritz Fischtage, die größte kulinarische Veranstaltungsreihe in Mecklenburg-Vorpommern. Selbst Bayern mischen sich hier unter das Schlemmer-Volk. Und das, obwohl bei ihnen zu Hause an diesem Wochenende doch das Oktoberfest beginnt. Doch was in Mecklenburg kredenzt wird, scheint zu verlockend. Hier tischen die Köche das Kontrastprogramm zur Wiesn auf: Welsfilet statt Weißwurst, Brathecht statt Brathendl, Maräne statt Maß. Fangfrisch, gesund und aromatisch - damit wollen die Restaurants bei ihren Gästen punkten. 16 Tage Fisch satt, 59 teilnehmende Häuser im ganzen Land, mehr als 170 Gerichte - die Fischtage-Akteure setzen auf Vielfalt und Regionalität.

Der Startschuss fällt in Plau. Mit einem Umzug durch die Seestadt bringen die Müritzfischer ihre schuppige Ware auf den Marktplatz. Hier wartet schon das Septett von "Plau kocht". Die haben die Pfannen längst auf dem Herd. Doch der Fischtage-Auftakt verläuft nicht ganz nach Maß: In Bratenduft und Kochtopfdampf mischen sich dicke Regentropfen - Mittagstisch im Schauer. Wer aber die kalte Dusche aushält, wird mit heißen Kreationen aus Pfanne und Räuchertonne belohnt. In einem Zelt hat sich Jens-Peter-Schaffran untergestellt. Zufrieden beobachtet der Müritzfischer-Chef die Genießer, die unter großen Schirmen Fischbrötchen und Bratfilets verspeisen. Über die Mittagszeit haben die Schauer den Markt geleert. Jens-Peter Schaffran zuckt mit den Schultern. "Das macht nichts. Die eigentliche Eröffnung der Müritz Fischtage findet in den Restaurants statt", sagt er. Ab sofort dreht sich in 59 Restaurants von der Seenplatte bis nach Usedom für zwei Wochen alles um den Fisch. Mit kreativer Küche und qualitativ hochwertiger Ware wollen Müritzfischer und Köche ihre Gäste für das Genuss-Erlebnis Mecklenburg begeistern.

Gebraten oder geräuchert, mariniert oder pochiert - aus elf Fischarten von der Maräne bis zur Schlei zaubern die Spitzenköche der Region Spezialitäten für jeden Gaumen. Die Gourmets kommen auf den Geschmack: Von Jahr zu Jahr zieht es mehr Fischfans an die Seenplatte. "Ich bin sehr zufrieden, dass der Fisch so gewürdigt wird. Es ist ein langer Weg, der sich immer mehr in Erfolg umsetzt", sagt Jens-Peter Schaffran. Bei der kleinen Maräne ist das Konzept aufgegangen: Vor ein paar Jahren spielte sie auf den Menükarten kaum eine Rolle. Heute ist der Lachsfisch ein gefragter Leckerbissen. Die Kulinarik-Reihe soll aber nicht nur das Image des regionalen Fisches, sondern auch das eines ganzen Berufszweiges aufpolieren. "Der Fischer hat eine Existenzberechtigung. Das können wir so zeigen", sagt Schaffran.

Zeigen wollen sich auch die Plauer Köche. Kurzerhand wird die Marktplatz-Bühne zum Kochstudio. Die Töpfe dampfen, das Öl spritzt in der Pfanne, saftige Fischfilets tauchen in ihr heißes Bad. Die Kochprofis wirbeln über die Bühne, zaubern binnen Minuten Menüs mit Pfiff. Bei den Aussichten lassen sich die Gäste selbst in den Regen locken. Teller um Teller wandern Hechtschnitten und Gehlsbachsaibling aus der Kochhand in den Fischfan-Mund.

Vom Herd geht es ans Mikrofon. Die Plauer Köche können mehr als panieren und pürieren: in bester Günther-Jauch-Manier versuchen sie sich als Quiz-Moderatoren. Sebastian Rauer und Thorsten Falk testen mit kniffligen Fragen, wie es um das Wissen ihrer Kandidaten in puncto Fisch bestellt ist. Punkten kann eine Rostockerin. Der Gutschein für das nächste Fischmenü ist ihr sicher.

Das Wissen um den Fisch sei wichtig, sagt Jens-Peter Schaffran. Nur wenn die Delikatessen bekannt sind, landen sie auf dem Teller des Gastes. Dazu sollen die Müritz Fischtage einen entscheidenden Beitrag leisten. Den Auftakt haben die Plauer gemacht, wenn auch mit Hindernissen. Doch im trockenen Bierzelt auf der Wiesn schunkeln kann jeder. Mecklenburger sind abgehärtet und feiern bodenständig: mit Schietwedder und Fischboulette.

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