Lübz : Noch einmal in die alte Heimat

Schickten Edith Glöckner im Wünschewagen auf Abschiedstour: Daniel Köhler, Einrichtungsleiter des Alten- und Pflegeheimes St. Nikolaus (r.), Schwester Jana Schulte und Friedemann Schirrmeister vom Besuchs- und Hospizdienst der Caritas.
Schickten Edith Glöckner im Wünschewagen auf Abschiedstour: Daniel Köhler, Einrichtungsleiter des Alten- und Pflegeheimes St. Nikolaus (r.), Schwester Jana Schulte und Friedemann Schirrmeister vom Besuchs- und Hospizdienst der Caritas.

Wünschewagen bringt Heimbewohnerin nach Witzin. Caritas-Einrichtung, Hospizdienst und der ASB machten es möglich

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07. Juni 2018, 12:00 Uhr

„Heute müsst ihr alle mal nach meiner Pfeife tanzen“, sagt Edith Glöckner. Die 81-Jährige meint es nicht böse. Ganz im Gegenteil. Nein, sie ist guter Dinge. Heute fährt sie heim. Nach Witzin, wo sie ihr Leben mit ihrer Familie gelebt hat, wo heute noch ihre Söhne wohnen.

Seit ihrer schweren Erkrankung, palliativmedizinischer Versorgung in Schwerin und dem Umzug ins Parchimer Alten- und Pflegeheim der Caritas St. Nikolaus vor etwa zwei Monaten war sie lange nicht mehr dort. „Ich möchte noch einmal heim, Haus und Hof erleben, die häusliche Wärme spüren und Abschied nehmen.“ Das sei ihr letzter Wunsch.

Das Heim und Friedemann Schirrmeister, Leiter des Besuchs- und Hospizdienstes der Caritas Mecklenburg, halfen ihr, diesen Wunsch zu erfüllen. Gestern Punkt neun stand der „Wünschewagen“ frisch gewienert vor dem Haupteingang des Heims, nahm Edith Glöckner, Schwester Uta und Friedemann Schirrmeister auf – ohne ihn mochte die alte Dame partout nicht abfahren – und los ging es nach Witzin.

Eine dreiviertel Stunde Fahrt. Wann es wieder zurück ins St. Nikolaus ging? Als Edith Glöckner das Signal zur Abfahrt gab. Sie wissen ja, diesmal mussten alle nach ihrer Pfeife tanzen. Sie, die Mitarbeiter des Heimes, die Schwester und die Rettungssanitäter in dem Bus, taten es gern. „Heute ist ihr Tag, wir erfüllen ihr ihren letzten Wunsch und das Tempo bestimmt sie ganz allein“, sagt Schwester Uta.

Sicher hat Edith Glöckner den Tag genossen. Dabei waren wir nicht, doch wir wünschen es ihr. Möglich war die Heimfahrt nur, da es den „Wünschewagen“ gibt. Eine zutiefst menschliche Investition des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Rostock, die von den Geldern der Aktion „Hand in Hand“ finanziert werden konnte. „2016 wurden Spenden für die Hospiz- und Palliativ-Versorgung gesammelt und daraufhin der Wagen angeschafft“, erinnert Friedemann Schirrmeister. Einrichtungen wie die der Caritas in Parchim können sich seither beim ASB in Rostock melden und Wünsche von todkranken Bewohnern anmelden.

„Unsere Anfrage für Frau Glöckner wurde uns zeitnah gewährt“, betont Friedemann Schirrmeister und weiß aus der Phase der Vorbereitung, dass die Söhne die Tour allein schon organisatorisch hätten nicht leisten können. „Solche Touren stellen spezielle Erfordernisse dar. Weil es um sterbenskranke Menschen geht, die auch außerhalb ihrer Einrichtung adäquat medizinisch versorgt werden müssen. Wir nutzen die SAPV LUP, die Spezialisierte ambulante Palliativversorgung im Landkreis, die jetzt bei der Fahrt von Frau Glöckner zum Beispiel sicherstellt, dass die Schmerzpumpe mit an Bord ist, dass sie während der Fahrt und bei Bedarf daheim mit Sauerstoff versorgt wird“, ist Schirrmeister begeistert von dem Angebot. Nicht zu vergessen, dass eine Schwester mitfährt und auf dem Bock zwei ausgebildete Rettungssanitäter sitzen. Und diese drei machen die Fahrten mit dem Wünschewagen neben ihrer Arbeit. Ehrenamtlich also. „Wenn wir dann die Dankbarkeit der Kranken erleben, wissen wir, dass es gut ist, was wir hier tun“, sagt Schwester Uta.

Im St. Nikolaus der Caritas betreut der Besuchs- und Hospizdienst der Caritas momentan fünf Patienten. „Sie alle werden über die SAPV versorgt, die eine 24-Stunde-Rufbereitschaft vorhält. Nur deshalb können diese alten Leute im Heim bleiben“, sagt Schirrmeister. „Ich denke auch, diese kooperative Betreuung und Versorgung wird verstärkt auf die Pflegeheime zukommen. Sie müssen diese Herausforderung annehmen, denn Hospiz-Einrichtungen allein können die Begleitung nicht leisten.“

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