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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

21. November 2017 | 07:26 Uhr

Lübz : Niemand will mehr in die Gastronomie

vom

"Für die Zukunft sehe ich schwarz, überhaupt noch Bewerber zu gewinnen, die sich im Hotel- und Gaststättengewerbe ausbilden lassen möchten. Schon jetzt ist es schwierig, Ersatz für jemanden zu finden, der weggeht.

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erstellt am 24.Feb.2012 | 11:47 Uhr

lübz | "Für die Zukunft sehe ich schwarz, überhaupt noch Bewerber zu gewinnen, die sich im Hotel- und Gaststättengewerbe ausbilden lassen möchten. Schon jetzt ist es ja schwierig, Ersatz für jemanden zu finden, der nach der Lehre weggeht. Auf unsere Branche kommen ganz harte Zeiten zu." So bestätigt Randolf Beck, seit sieben Jahren Inhaber der Gaststätte "Alter Amts-turm", die in dieser Woche bei uns veröffentlichten Äußerungen von Volker Syring, Leiter der Lübzer Geschäftsstelle der Arbeitsagentur Schwerin.

Zu Beginn hatte der Gastronom in der Saison zehn bis 15 Bewerbungen für die Bereiche Küche und Service auf dem Tisch. Jetzt sind es gar keine mehr oder vielleicht ein bis zwei, deren Verfasser Beck zufolge in der Regel irgendeinen Beruf erlernen wollten, weil der vorgesehene Weg nicht gelang: "Ich habe auch solchen Leuten schon eine Chance gegeben, was über Winter vielleicht noch funktionierte, aber in der Saison brachen sie wegen der ungeahnt hohen Belastung weg."

Allein das Äußere und die schulischen Leistungen seien für Beck beim ersten Kontakt nicht die entscheidenden Dinge. "Gerade auch bei uns ist es zum Beispiel wichtig, rechnen zu können, aber wenn ich generell nur nach den Schulnoten ginge, müsste mir meistens schwarz vor Augen werden", sagt er. "Unverzichtbare Grundvoraussetzungen sind eine positive Ausstrahlung, der Wille, sich gern mit Gästen zu unterhalten und diesen Beruf mit allen Höhen und Tiefen zu lieben. Und wenn ich sage, dass wir Geld verdienen wollen, dann liegt die Betonung auf dienen - wir sind ein Dienstleister. Wer das akzeptiert und alles andere vorweisen kann, hat alle Chancen."

Beck versuche, mit angemessenem Gehalt und guten Arbeitszeiten Personalmangel vorzubeugen. Die Zeiten hätten sich zum Beispiel seit Verhängung des Rauchverbotes in Gaststätten verringert. "Außerdem hatte ich auch etwas Glück", berichtet der Lübzer. "Ein Auszubildender wollte aus Plau weg und zog nach Lübz. Ich habe ihn eingestellt und er macht sich gut." Im "Alten Amts-turm" gibt es momentan vier Azubis im ersten beziehungsweise zweiten Lehrjahr.

Trotz genannter Punkte sieht sich auch Beck langfristig von den beunruhigenden Voraussagen betroffen. Selbst Übernahmeangebote werden bei weitem nicht immer angenommen. "Geworben wird zum Beispiel massiv für Nord- und Ostsee oder auch die Schweiz und Österreich", weiß der Gastronom. "Manche verlassen unsere Region auch gleich in Gruppen, um als Freunde zusammen bleiben zu können. Die dabei hineinspielenden Abstimmungsmöglichkeiten sind heute durch die neue Kommunikationstechnik ganz andere als vielleicht noch vor zehn oder 15 Jahren."

Ulrike Melle zweifelt zu Beginn etwas an dem von ihr eingeschlagenen beruflichen Weg, doch heute ist sie sehr zufrieden. Im Herbst lässt sie sich bis Jahresende noch zur Restaurantleiterin ausbilden und bleibt im "Alten Amts-turm". Eine Unterbrechung wird es geben, denn die junge Frau ist schwanger - für ihren Chef kein Anlass, unruhig zu werden: "Dass gerade junge Frauen in Unternehmerkreisen öfter als ,Gefahr’ angesehen werden, weil sie schwanger werden könnten, beißt sich für mich damit, dass gleichzeitig immer wieder Motivation propagiert wird. Jeder sollte beachten, dass Familienplanung kein Missstand, sondern eine ganz normale Sache ist, mit der ein Unternehmer umgehen können muss!" In vorliegendem Fall haben sich Beck und Ulrike Melle darauf geeinigt, dass die werdende Mutter sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung ausfällt. "Mein Lebenspartner geht ins Babyjahr", sagt die künftige Restaurantleiterin.

Küchenleiter Holger Nehls als eine entscheidende Kraft im täglichen Geschäft arbeitet auch schon seit sechs Jahren im "Alten Amtsturm" und ist für zwei Auszubildende verantwortlich. Sein Chef: "Kontinuität ist ein entscheidender Anteil von Qualität. Ohne eine Stammmannschaft ist sie noch schwerer zu halten."

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