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Tourismuskonzept : Neue Nutzung für die Plauer Burg geplant

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Noch ist der Kindergarten in den Räumlichkeiten der Burg in Plau am See untergebracht. Doch das soll sich in Zukunft ändern. Im Tourismuskonzept der Stadt ist festgeschrieben, dass das Gelände umgestaltet werden soll.

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erstellt am 08.Feb.2013 | 09:57 Uhr

PLAU AM SEE | Im Tourismuskonzept der Stadt Plau am See ist festgeschrieben, dass das Gelände der ehemaligen Plauer Burg umgestaltet werden soll. Derzeit nutzt der Heimatverein den Burgturm und die ehemalige Scheune als Museum. Im Burggebäude befinden sich die Bibliothek und ein Kindergarten. Am Mittwochabend stellten im Plauer Rathaussaal Mirko Leddermann und Hendrik Flader von der Baukonzept Neubrandenburg GmbH ihre Erarbeitung eines nachhaltigen Konzepts für die touristische Einbeziehung sowie die sinnvolle Umnutzung und Inwertstellung des Burgensembles in einer Bürgerversammlung vor. Es wurde darauf hingewiesen, dass sich die Planungen erst in einem frühen Stadium befinden und sie noch nichts Endgültiges darstellten. Allerdings drängt die Zeit, wie Bürgermeister Norbert Reier betonte, denn 2013 läuft die bisherige EU-Förderperiode aus, mit der eine 90-prozentige Bezuschussung verbunden ist. Es geht immerhin um eine Investitionssumme von 5,5 Millionen Euro.

Mirko Leddermann erklärte in seiner Ist-Analyse: Der Bau der Umgehungsstraße B 103 1976 hat die historische Stadt-See-Beziehung aufgegeben. Die Gäste der Stadt haben einen wachsenden Anspruch an Kultur, weshalb der historische Aspekt der Verteidigungsanlage in Verbindung zum Tourismus gebracht werden soll. "Der dichte Bewuchs des Burgwalls minimiert die Wahrnehmung der Burg und der alten Sichtbeziehungen. Es fehlt eine zum Verweilen einladende Stadteingangs situation. Eine solche muss neu geschaffen werden, in der die Burg ihren Platz hat. Das Areal des ehemaligen Burggrabens ist heute ohne Funktion und Erreichbarkeit. Es muss ein Bezug zum Wasser hergestellt werden." Vorplatz und Burghof haben derzeit wenig Aufenthaltsqualität und Nutzwert. Sitzmöglichkeiten und weitere Ausgestaltungselemente fehlen. Die einseitige winklige Bebauung unterdrückt die historisch geprägte geschlossene räumliche Wirkung innerhalb der Burganlage. Die vorhandene Baumreihe zergliedert den Burghof. Die Nutzung als Erholungsraum wird durch fehlende Wegebeziehungen sehr eingeschränkt. Sein Fazit: "Touristen erleben das historische Burggelände ausschließlich sporadisch und ohne konkrete Zielstellung."

Die Planungsfirma formulierte als ihre Aufgabe, wichtige städtische Entwicklungsziele auf dem Burggelände zu vereinigen. Das Burggelände mit seiner stadtnahen Lage und seinem hohen historischen Wert soll durch ein nachhaltiges und wertschöpfendes Nutzungs- und Gestaltungskonzept in das öffentliche Leben der Stadt zurückgeführt werden. Es geht darum, einen zentralen Anlaufpunkt und Bürgerzentrum als "Haus des Gastes" zu schaffen. Nach dem Auszug des Kindergartens soll hier die Touristinformation einziehen, die Bibliothek bleibt. Diese Nutzungsänderung soll die Burg wieder vermehrt in das Bewusstsein der Bürger rücken. Bessere Erreichbarkeit und neue Wegebeziehungen für die Touristen verbessern die vorhandenen Potentiale und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten auch für die Plauer Bürger. 130 zentrumsnahe Stellplätze für Pkw und Caravan auf dem ehemaligen Wäschereigelände erweitern die Infrastruktur. Der Wall soll vom Bewuchs freigestellt werden als ersten Schritt für die Verbesserung der Wahrnehmung. Wichtig ist eine stilistische Rekonstruktion des Burggrabens. Der Burgwall wird als Rundgang mit Zugängen und Verweilmöglichkeiten erschlossen, die vier ehemaligen Wehrtürme und der historische Mauerverlauf werden erlebbar gestaltet. Ein barrierefreier fußläufiger Wegeausbau in Richtung Burggelände und Fahrgastschifffahrt berücksichtigt, dass immer mehr Gäste im Rentenalter nach Plau am See kommen. In den Scheunenanbau werden öffentliche Toiletten installiert.

Das Burggebäude muss komplett saniert werden, wobei der historische Bestand gesichert wird und erhalten bleibt. Das betrifft vor allem den Gewölbekeller, der aus dem 13. Jahrhundert stammt. Im Erdgeschoss finden Bibliothek, Touristinfo und Toiletten Platz, das Zwischengeschoss wird als Lagerraum genutzt, da die geringe Raumhöhe anderes nicht zulässt. Im Dachgeschoss sollen Seminarräume bzw. ein Mehrzweckraum entstehen. Dazu wird es nach Möglichkeit entkernt für eine große zusammenhängende Nutzungsfläche. Gegebenenfalls wird eine mobile Trennwand zwischen den Seminar bereichen eingefügt. Nach dem Entfernen der Zwischendecke werden die Deckenbalken sichtbar und betonen den historischen Charakter des Baus. Der giebelseitige Anbau wird entfernt, hier könnte ein außenliegender Fahrstuhl angebaut werden, um das Dachgeschoss behindertengerecht erreichbar zu gestalten.

Der Vorstellung schloss sich eine rege Diskussion an, in welcher nähere Erläuterungen gegeben und zahlreiche Fragen geklärt werden konnten. So wurde beispielsweise angeregt, das Burggebäude abzureißen und neu zu bauen. Dazu erklärte Norbert Reier, dass diesem Vorschlag, der nachvollziehbar ist, die Tatsache entgegensteht, dass das Haus unter Denkmalschutz steht. Was aus dem Kindergarten wird, wollte ein anderer Bürger wissen. Es ist angedacht, dass er in die Kantor-Ehrich-Grundschule umzieht, je nachdem, wie sich künftig die Schülerzahlen entwickeln. Dass die Gewässerqualität des Entwässerungsgrabens verbessert werden muss, wurde ebenfalls angemahnt.


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