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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

20. Oktober 2017 | 03:51 Uhr

Karneval : Neue Heimat in Goldberg gefunden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Heidelind und Sönke Holthusen zogen von Niedersachsen nach Mecklenburg. Zuzug ambitionierter Bürger stärkt das Land

Auch wenn es hier nicht um statistische Werte gehen kann, die Erfahrung zeigt: Es gibt neben der nicht bestreitbaren Abwanderung aus der Region auch Mecklenburger, die in die Heimat zurückkehren, oft sind es junge Familien, und es gibt Zuwanderung aus allen anderen Bundesländern. Neu-Mecklenburger sind auch Heidelind und Sönke Holthusen. Aus Tostedt in Niedersachsen machten sie sich mit Plänen für einen aktiven neuen Lebensabschnitt auf nach Mecklenburg – allerdings nach reiflicher Überlegung und einem wahren Gebirge an Vorarbeit. Das Ehepaar, beide Kinder sind erwachsen, hatte irgendwann nach der Jahrtausendwende, wie so viele ihres Alters, das Gefühl: Da geht noch was! Und zwar mehr als das schlichte „Weiter-so“. Sonderschulpädagogin Heidelind Holthusen arbeitete zu dieser Zeit noch für einen Bildungsträger, Sönke führte als Selbstständiger eine Bauträgergesellschaft. Nach der Wende musste er feststellen, dass Firmen, mit denen er bislang zusammengearbeitet hatte, sich gen Osten orientierten, wo lukrativere Geschäfte winkten. Ein Problem. Aber Holthusen, der eine schwere Krankheit überstanden hatte, wollte auch etwas Anderes beginnen. Beim Patentamt meldete der Bautechniker ein Rankgittersystem für den Garten als Gebrauchsmuster an und allmählich rundete sich das Konzept einer produktiven Neuorientierung. Aber was führte das Ehepaar schlussendlich nach Mecklenburg und was nach Goldberg?

„So ein weiter Himmel, so ein wunderschönes Land“, schwärmt Heidelind Holthusen. Noch mit der Familie machten sie Urlaub in Plau am See, später erkundeten sie die gesamte Seenplatte und der positive Eindruck hält an. „Was uns auch gefiel“, sagt Sönke Holthusen, „hier war alles nicht so gestylt, wie man es aus anderen Feriengebieten kennt.“ MV zählt gerade 1,6 Mio Einwohner, weniger als Hamburg. Darf man also annehmen, dass dieser Umstand den Pioniergeist des Paares Holthusen entfacht hat? „Das ist so“, sagt Sönke, „aber da ich mich entschlossen hatte, eine kleine Firma für Gartenartikel zu gründen, suchten wir im gesamten Norden primär nach einem Grundstück, das gewerbliche Nutzung und Wohnen gleichzeitig erlaubte. Das war nicht einfach.“ Aber um es gleich zu sagen: Heute steht dieses Haus mit Werkstatt am Rande der Stadt Goldberg. Für ihn, sagt Holthusen, sei die Entdeckung des Goldberger Grundstücks ein Glücksfall gewesen, die Arbeit am Haus in Holzständerbauweise allerdings auch eine Herausforderung. Viele Meter Feldsteinmauer, Anlegen des Gartens, Gießen der Bodenplatte, Aufbau der Wände – all das stemmte er nun als sein eigener Angestellter, allenfalls mit einem Helfer. Seit 2011 jedenfalls wurde gebaut, seit 2014 wohnt das Paar im neuen Heim, das auf Grund miteinander kombinierter kubischer Gebäudeelemente deutlich mehr als nur vier Wände besitzt.

Wer wie Sönke und Heidelind Holthusen nach Mecklenburg-Vorpommern zieht, der bringt eventuell auch einiges mit. Im Falle des Paares Holthusen sogar sehr viel, denn beide suchten sofort und wie selbstverständlich nach Wegen in ihre neue soziale Heimat. „Uns ging es immer gut“, sagt die Frau aus Rendsburg, die ernst blicken und im nächsten Augenblick auch wieder sehr herzlich lachen kann, „daher wollen wir etwas zurückgeben.“ So engagierte Heidelind sich im Goldberger Flüchtlingscafé, unterstützt bereits länger schon die Goldbergkunst mit Aufsichten und wirkt in der Kirche als Prädikantin. Sönke ist im katholischen Männersingkreis dabei, „eine Ehre“, meint er bescheiden, „dort aufgenommen worden zu sein“, außerdem snackt der Husumer auf Niederdeutsch gemeinsam mit den „Plattsnackers“. Sein großes Ziel aber macht sich in Gestalt verzinkter Pflanzengitter, Pflanzenstäbe, Rosenbögen, Pavillons in seinem Garten bereits bemerkbar. Bald wird es losgehen, dann beginnt die Produktion – auch maßgeschneidert auf Kundenwunsch.

 








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